Weststadt Solothurn

Zwei Petitionen: So stellt sich der Quartierverein die Zukunft vor

Mit zwei Petitionen will der Quartierverein Weststadt die Zukunft des Quartiers politisch mitgestalten. Die erste fordert denen Erhalt von Lusthäuschen, Hostett und Henzihof. Die zweite betrifft das «Weitblick»-Bauland.

«Das Lusthäuschen hat etwas, das die Menschen rührt», sagt Bea Beer, Präsidentin des Quartiervereins Weststadt. Vor rund fünf Jahren wurde dieses Bijou inmitten der Henzihof-Hostett im Westen der Stadt entdeckt und seither unter grossem ehrenamtlichen Einsatz von Quartierbewohnern und dank zahlreicher Gönnerbeiträge seit rund fünf Jahren sukzessive wiederbelebt.

Die kantonale Denkmalpflege bezeichnet das Gebäude als «einzigartig im Kanton Solothurn». Erbaut wurde es in seiner heutigen Form 1915 durch den Fabrikanten Franz Henzi – geschaffen in der Tradition der «Follies», der gartenarchitektonischen «Spinnereien», wie sie im 18. und 19. Jahrhundert üblich waren.

Doch das Lusthäuschen, wird aus Beers Worten unmissverständlich klar, ist weitaus mehr als nur eine architektonische Besonderheit. Es ist eine Herzensangelegenheit für sie und für den ganzen Verein. Mehr noch: Bereits im vergangenen November flatterte seitens SP eine Motion ins Stadtpräsidium, das Ensemble an der Brühlgrabenstrasse im Rahmen der Entwicklungsplanung im dortigen Gebiet Weitblick vor der möglichen Abrissbirne zu schützen.

«Park» als Begegnungszentrum

Und nun doppelt der Quartierverein Weststadt nach: Am Wochenende wurde anlässlich einer kleinen Feier vor Ort eine Petition lanciert, die ebenso den Erhalt von Lusthäuschen, Hostett und Henzihof fordert. Dies, um den bäuerlichen «Park» als Begegnungszentrum zu nutzen – und ihn damit jener Zweckbestimmung zuzuführen, die er fürs soziale Leben im Quartier eigentlich schon hat. Unverständlich für Beer: Laut «Weitblick»-Charta soll später genau hier ein «Identitätsanker» für die Quartierbevölkerung entstehen. «Doch den haben wir ja schon jetzt.»

Zahlreiche zupackende Hände halten das Lusthäuschen und seine Umgebung bis heute in Form und pflegen die Hostett ebenso wie das Kabäuschen selbst. Asylsuchende helfen ebenso im Garten mit, zahlreiche kulturelle Veranstaltungen werden durchgeführt, Kinder tummeln sich, sobald es wärmer wird. Ein soziokultureller Schmelztiegel – getragen von einer breiten, selbstinitiativen Basis. «Wir wollen, dass diese Geschichte weitergeht», liest man in der nun vorliegenden Petition.

Gerade die bauliche Qualität des angrenzenden und ebenfalls betroffenen Henzihofs wird seitens Stadt angezweifelt, von Architekten im Umfeld des Quartiervereins hingegen als intakt angesehen.

Das Ensemble steht zudem auf einem «Weitblick»-Baufeld, womit auch die Zukunft des Lusthäuschens ungewiss ist. Deshalb fordert die Petition einen Entscheid der Stadt, um das Ensemble zu erhalten und als Begegnungszentrum zu integrieren.

Kein Verkauf, sondern Baurecht

Doch auch in anderer Sache will der Quartierverein Weststadt eingreifen - und darum schliesst eine zweite Petition an die erste an. So fordert der Verein, das «Weitblick»-Bauland im rund 125'000 Quadratmeter grossen Planungsperimeter nicht an Investoren zu verkaufen, sondern im zeitlich begrenzten Baurecht abzugeben.

Die Stadt dagegen beabsichtigt, nur einen kleinen Anteil an Baurechtsnehmer abzugeben, den grossen Rest aber zu verkaufen. Laut Petition sei aber das Projekt als Ganzes für die Weststadt und für ganz Solothurn nur dann eine Chance, wenn die Stadt auch künftig über die Art und Qualität der Nutzung mitbestimmen könne.

Die Petition stellt weiter auch neue Formen des Zusammenlebens im Quartier in Aussicht, wie beispielsweise genossenschaftliches Wohnen. «So können sich auch Familien dank Mieten, die nicht der Profitmaximierung von privaten Investoren dienen, das Wohnen in der Stadt wieder leisten», wird in der Petition festgehalten. Auch habe die Abgabe von Land im Baurecht finanzpolitische Vorteile: «Sichere, planbare Einkünfte durch Baurechtszinsen tragen zu einer stabilen Budgetplanung bei.» Eine Notwendigkeit zum Landverkauf, sagt auch Bea Beer, bestehe in der Stadt keine.

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