Burak Ates

Zum ersten Mal schauspielern und gleich die Hauptrolle: Solothurner spielt schwulen Türken

Dem Traum vom Durchbruch ein Stück naher: Der Solothurner Burak Ates spielt die Hauptrolle im neuen Gitta-Gsell-Film «Beyto». Es ist seine erste Rolle überhaupt.

«Ich hatte vorher noch nie einen Mann geküsst und hatte es eigentlich auch nicht vor», kommentiert Burak Ates lachend die erste Kussszene im Film «Beyto». Er und sein Schauspielkollege Dimitri Stapfer, die die Szene gemeinsam drehten, spielen im Gitta-Gsell-Film ein Liebespaar. Beyto (Burak Ates) und Mike (Dimitri Stapfer) lernen sich im Schwimmtraining kennen und verlieben sich ineinander. Doch das Glück hält nicht lange, denn Beyto wird von seinen konservativen türkischen Eltern zur Ehe mit einer Frau gezwungen.

Mit der Hauptrolle hatte der Solothurner gar nicht gerechnet. Denn nicht nur hatte er noch nie einen Mann geküsst: Er hatte auch noch nie geschauspielert. Obwohl er schon als Kind Schauspieler werden wollte, habe Burak sich dann doch nie ganz getraut. Als ihm aber sein Trainer im Crossfit Öuf vom Casting für «Beyto» erzählte, zögerte er nicht lange und schickte seine Bewerbungsunterlagen ein. «Ich dachte, ich probiere es mal», sagt er. «Ich habe nicht erwartet, dass sie mich wirklich nehmen.»

Beim Casting erfuhr Burak, dass die Rolle des Beyto die eines schwulen Mannes war. Schon da wusste er, dass das seinen Eltern nicht gefallen würde. «Mir selbst machte es gar nichts aus. Aber für viele Türken ist Homosexualität etwas, was man einfach nicht akzeptieren kann», erklärt er. «Trotzdem wollte ich den Job unbedingt, also machte ich weiter.»

Dass dieser Plan nicht komplett durchdacht war, wurde Burak klar, als er den Job schliesslich tatsächlich bekam: Er wusste nämlich immer noch nicht, wie er es seinen Eltern sagen sollte. «Ich hatte Schiss vor ihrer Reaktion. Was, wenn sich die Familie und Bekannten schämen?» So fuhr Burak über Wochen hinweg heimlich zu den Proben und sagte den Eltern, er übernachte bei Freunden.

Eltern waren nicht sehr erfreut

Buraks Eltern bekamen von der Sache tatsächlich nichts mit. Bis kurz vor Drehbeginn: Dann wurde Burak von seiner Schwester, die das Geheimnis kannte, verpetzt. Als seine Mutter ihn darauf ansprach, beichtete er alles. Seine Eltern waren über die Rolle zwar nicht sehr erfreut, überliessen ihm jedoch die Verantwortung selbst. «Ich glaube, sie haben verstanden, dass ich langsam erwachsen bin und selber entscheiden kann», meint der 26-Jährige.

Burak war nicht der einzige Schauspieler, der sich wegen der Rolle Gedanken machte. Einige hätten wegen der Familie sogar abgesagt. «Ich kann sie auf jeden Fall verstehen», meint Burak. «Jeder hat da Angst. Aber ich war halt der, der sich doch getraut hat.» Und dafür wurde Burak auch belohnt: Für seine Rolle erntete er in seinem Umfeld, von Familie wie Freunden, ausschliesslich Lob. Sogar seine konservativen Onkel aus der Türkei riefen an und sagten, er solle so weitermachen. «Sie meinten, vielleicht spiele ich ja auch irgendwann in einem türkischen Film mit», erzählt er.

Das eigene Coming-out als Schauspieler

Die Rolle in «Beyto» hat Burak gefordert, er hat die Erfahrung aber sehr genossen. «Das war meine Chance. Also hab ich statt 100, 200 Prozent gegeben», sagt er. Und seine Kollegen hätten ihn auch mit sehr viel Geduld unterstützt – vor allem Dimitri, der für ihn wie ein Bruder geworden sei. So auch bei eingangs erwähnten Kussszene, die für Burak als Aufgabe am schwersten war. «Dimitri hat sich vollkommen auf meine Augen fixiert und ich mich auf seine Haare», erklärt er. Diese Haare waren für Burak über die Wochen zu einer kleinen Faszination geworden. «Ich habe ihn immer wieder gefragt, wie er seine Haare so schön hinkriegt», lacht er. «Wie Jack aus Titanic.»

Obwohl er selbst nicht schwul sei – und das habe sich für ihn durch den Kuss klar bestätigt – hatte Burak durch den Film sein eigenes kleines Coming-out: «Ich konnte mich als Schauspieler outen», sagt er grinsend. Er habe sich zuvor nie getraut, jemandem von seinem Wunsch zu erzählen. Durch «Beyto» fasste er den Mut, endlich das zu machen, wovon er träumte. Nun besucht Burak die Schauspielschule in Zürich.

Auf seine Début-Rolle ist er nicht nur wegen seiner Leistung stolz. Das Thema, das der Film behandelt, so ist er überzeugt, wird auch noch in vier oder fünf Jahren wichtig sein. Und er hofft, dass der Film etwas bewirkt. «Wir sind doch alle Menschen», sagt er. «Gott hat uns das schönste Gefühl gegeben: Liebe. Und jeder sollte doch lieben können, wen er will.»

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