Wohnen in Solothurn
Deutliche Worte an der Jahresversammlung: Der Hauseigentümerverband warnt vor finanzieller Mehrbelastung

An der Jahresversammlung des Hauseigentümerverbands Region Solothurn kamen politische Geschäfte wie die kantonale Totalrevision der Katasterschätzung und die Eigenmietwertfrage auf Bundesebene zur Sprache.

Mark A. Herzig
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Aussicht vom Turm der St.-Ursen-Kathedrale: Solothurn aus der Vogelperspektive.

Aussicht vom Turm der St.-Ursen-Kathedrale: Solothurn aus der Vogelperspektive.

Hanspeter Bärtschi

Die Coronapandemie habe auch auf dem Immobilienmarkt im Raum Solothurn Spuren hinterlassen. Die Themen Wohnen, und wie man wohnt, haben deutlich an Bedeutung gewonnen. So fasste Präsident Christoph Geiser an der Jahresversammlung des Hauseigentümervereins (HEV) Region Solothurn die Situation auf dem Immobilienmarkt zusammen. Er fuhr fort:

«Auch in unserer Gegend sind die Immobilienpreise spürbar gestiegen. In beliebten Gemeinden werden sogar deutlich höhere Immobilienpreise bezahlt als anderswo.»

Und er warnte: «Der Markt wird nach wie vor geprägt von einem tiefen Zinsumfeld, was weiterhin für viele Käufer der Hauptanreiz ist, ein Eigenheim zu erwerben. Nur allzu oft wird dabei ausgeblendet, welche Verpflichtungen auf einen Immobilienbesitzer zukommen, insbesondere im Unterhalts- und Renovationsbereich. Nicht zu vergessen energetische Ersatzinvestitionen.»

Zudem müsse beachtet werden, dass im Kanton die Totalrevision der Katasterschätzung hängig sei. Auch wenn man die Notwendigkeit einer Anpassung der Bewertung – die jetzige stammt aus dem Jahr 1970 – anerkenne, lehne man die Vorlage ab. Die Mehrbelastung der Hauseigentümer von 30 Millionen Franken sei inakzeptabel.

Der Verband in Zahlen

Der Hauseigentümerverein Region Solothurn zählt 7700 Mitglieder. Die Vereinskasse wies einen Gewinn von 649 Franken aus, bei Einnahmen von 320’000 Franken. Es wurden 1127 Rechtsauskünfte erteilt, 149 Abnahmen für Wohnungen und Einfamilienhäuser sowie 70 Bewertungen durchgeführt und für 13’000 Franken Drucksachen und Formulare verkauft. An der Jahresversammlung nahmen 340 Personen teil; anschliessend sang für sie der Mädchenchor Solothurn.

Zudem hält der HEV den Zeitpunkt der Revision für unpassend, sei doch im laufenden Jahr die Abschaffung des Eigenmietwerts in den eidgenössischen Räten traktandiert. Sollte der Regierungsrat die Vorlage nicht aufschieben, so verlange der Verein erhebliche Anpassungen. Namentlich fordert er die Einführung und Garantie der Steuerneutralität, die Abschaffung der Handänderungssteuer sowie auch die Beseitigung von administrativen Schwerfälligkeiten bei energetischen Sanierungen.

Der Teufel liegt im Detail

Beat Gerber, Sekretär des HEV Solothurn, nahm den politischen Steilpass auf und orientierte über den Stand der Arbeiten bei der Eigenmietwertfrage auf Bundesebene.

Zwar habe man sich im Parlament auf dessen Abschaffung geeinigt, jedoch liege der Teufel auch hier im Detail. Kosten für Unterhalt und Instandstellung von neu erworbenen Liegenschaften könnten nicht mehr abgezogen werden und auch private Schuldzinsen nur noch reduziert und beschränkt auf maximal 70 Prozent der steuerbaren Vermögenserträge.

Im Mai wird in der Kommission des Nationalrates weiter beraten. Es ist damit zu rechnen, dass 2023 die bereinigte Vorlage im Parlament verabschiedet wird. Bei einem – zu erwartenden – Referendum entscheidet das Volk 2024.

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