Lärmbelastung

Wo und wie Solothurn die Dezibel runterdrücken will

Lärm sollte auf den Strassen unter den gesetzlichen Grenzwerten bleiben. Die Stadt Solothurn hat nun ihre Gemeindestrassen untersucht und will auf vier Streckenabschnitten mit Massnahmen reagieren.

Die Stadt Solothurn hat in Sachen Lärmsanierung von Gemeindestrassen noch Hausaufgaben zu lösen. Bis 2022 müssen die Auflagen der Lärmschutz-Verordnung des Bundes erfüllt werden, sonst droht Ungemach an mehreren Fronten. Einerseits fallen dann die Bundesbeiträge an die Sanierungen weg, andererseits riskiert die Stadt bei einem Unterlassen der Sanierungspflicht Klagen und Aufsichtsbeschwerden durch Betroffene. Vor diesem Hintergrund hatte das Stadtbauamt eine Grobanalyse sämtlicher Gemeindestrassen veranlasst. Unter die Lupe genommen wurden Strassen mit mehr als 2000 und 3000 Fahrzeugpassagen täglich.

Beläge und Tempo-Reduktionen 

Und tatsächlich schälten sich nach entsprechenden Messungen vier «Hotspots» in Sachen Lärmüberschreitungen heraus: die Schöngrünstrasse, die Mutten- und Glutz-Blotzheimstrasse, die Wildbach- sowie die St. Niklausstrasse. Die Lärmsanierung dieser Strassen ist im Gemeinderat auf der Pendenzenliste. Wobei zwei Themen im Vordergrund stehen: lärmarme neue Deckbeläge sowie Tempo-Reduktionen.

Kaum Varianten sind teure, in der Wirkung nur lückenhafte Lärmschutzwände, oder Schallschutzfenster, die aber nur als Zusatzmassnahmen gelten, wenn sämtliche Lärmschutz-Massnahmen «an der Quelle», also am Entstehungsort des Lärms auf der Strasse schon ergriffen worden sind.

Künftig Tempo 30 auf der Schöngrünstrasse?

Ein ganz besonderer Fall ist die Schöngrünstrasse. Mit dem Neubau des Bürgerspitals ändert sich dort die Verkehrsführung der bisherige «Schlungg» vor der Spitalzufahrt fällt weg. Im weiteren wurde vor Jahren die Einführung von Tempo 30 auf der stark abfallenden Strasse geprüft, aber dann wieder verworfen. Der Grund: Sowohl vom Rettungsdienst des Bürgerspitals wie dem Busbetrieb Solothurn und Umgebung BSU gabs Opposition. Beide befürchteten massive Verzögerungen bei ihren Betriebseinsätzen. «Heute vertreten die Rettungsdienste und Busbetriebe eine andere Haltung», wird in der Botschaft an den Gemeinderat festgehalten.

Für beide wäre demnach Tempo 30 möglich. Und so wird der Antrag gestellt, statt bisher Tempo 50 dieses auf 30 km/h zu senken, flankiert durch gestalterische Massnahmen – aber ohne den Einbau der nicht sonderlich beliebten «Berliner Kissen». Mit dem zusätzlichen Einbau eines lärmdämmenden Belags würden bei den 14 Liegenschaften, die zu hohe Grenzwerte aufweisen, die Belastung um 4 Dezibel gesenkt und die Vorgaben erfüllt.

Abhaken an der St. Niklausstrasse?

Am meisten Diskussionen und Opposition hatte die Einführung von Tempo 30 auf der St. Niklausstrasse ausgelöst. Sie gilt auch bei den nun vorgenommenen Untersuchungen als «Problemzone» in Sachen Lärm. Sieben Liegenschaften zwischen den Kreuzungen Herrenweg und Obere Sternengasse hat man untersucht, bei dreien wurden Grenzwertüberschreitungen festgestellt. Angenommen wird dabei stets der Beurteilungszeitpunkt 2033, der Sanierungshorizont ohne Massnahmen.

Da Tempo 30 schon eingeführt ist, wird noch zusätzlich ein lärmdämmender Belag vorgeschlagen. Mit der Genehmigung der Lärmschutzmassnahme würde nach dem politischen Entscheid für Tempo 30 dieses Regime auch gesetzlich verankert – und zwar jetzt als rechtsgültige Lärmschutz-Massnahme.

Und noch zwei Sanierungsfälle

Untersucht wurden zudem an der Mutten- und Glutz-Blotzheimstrasse neun Liegenschaften sowie zwei unbebaute Parzellen untersucht – an drei Punkten gabs Grenzwertüberschreitungen. Eigentlich würde auch hier die Kombination von Temporeduktion und Flüsterbelag am wirkungsvollsten Abhilfe schaffen, doch will man aus verfahrenstechnischen Gründen auf Tempo 30 verzichten, die Massnahme sei «weder zweck- noch verhältnismässig».

Der Belagsersatz auf diesen beiden Strassen ist aber terminlich abhängig von der Bebauung der jetzt noch unbebauten Parzellen. Im Zusammenhang mit diesen Sanierungsplänen wird im übrigen auf die benachbarte Römer-strasse verwiesen, wo Tempo 30 zumindest «angedacht» ist. Allerdings ist die beliebte Fussgänger- und Veloverkehrsroute entlang der Aare zur Badi mit einem «Fahrverbot, Zubringerdienst gestattet» belegt.

Im nördlichen Teil der Wildbachstrasse stellte man ebenfalls bei fünf Gebäuden und einer unbebauten Parzelle Grenzwertüberschreitungen fest. Doch ist eine Ausdehnung des Tempo-30-Regimes – es gilt nur bis zur Einmündung der Surbeckstrasse – bis hinauf zur Bielstrasse «verkehrstechnisch unmöglich». Deshalb soll auch hier ab 2020 ein neuer, leiser Belag weiterhelfen.

Bereits enthalten sind im Finanzplan bis 2023 Beträge für Sanierungen. So 830'000 Franken für die Glutz-Blotzheim-Strasse oder 120'000 Franken für die Wildbachstrasse.

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Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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