Stadtbummel Solothurn

Wo nicht nur das Wasser trüb ist

Auf dem Schiff gilt die Maskenpflicht bereits. Ist dies auch bald in den Kaffees der Fall?

Auf dem Schiff gilt die Maskenpflicht bereits. Ist dies auch bald in den Kaffees der Fall?

Risiken und Nebenwirkungen – derzeit das Thema. Also nichts wie fort. Nach Deutschland, wo es keinen feindnachbarschaftlichen Artilleriebeschuss gibt. In Lohr am Main, Heimatstadt meiner Mutter – sie wird dort gerade sehr vermisst – «feuert» man keinen 1. August. Und Lohr hat die wenigsten Coronafälle in Bayern. Aber eine strenge, oft skurrile Maskenpflicht.

Angenommen, es ginge bei uns um ein Käfeli in der Suteria. Draussen, wohlgemerkt. Maske auf. Anmelden bei der Empfangsdame, die den Tisch zuweist. Marsch mit Maske einige Meter – Absitzen. Schon ist die Maske kein Thema mehr. Wie für alle, die ringsum schnädere.

Doch ohne Maske aufs WC? Nur einmal in grösster Not versucht. Gleich zwei Angestellte bauen sich vor mir auf: «So kommen sie nicht rein! Wir riskieren ein Bussgeld von 50'000 Euro!» Denn der «Freistaat» Bayern schickt sogar Kinder ohne Maske für Tests in Geschäfte. Bei Bedienung wird happig gebüsst.

Mein Maskenverbrauch übrigens in vier Tagen: Zwei Stück! Das ist viel. Fast alle stecken sie mehrfach in den Sack. Auf, ab, auf, ab! Zettel ausfüllen heisst es auch in jeder Beiz. Das Personal wirkt sehr gestresst; meine altbekannte Hoteliersfamilie wich jedem Schwatz aus. Die Maske des Schweigens. Die Stimmung in Lohr mit 16'000 Einwohnern ist trist. Wie bald auch in Solothurn?

Seit dem März zählt unser Stedtli keine 20 Coronafälle. Mehr «Fälle» gabs zuletzt vom Velo. Für einen lieben Freund hätten wir fast das letzte Kerzlein anzünden müssen. Fürchterlich sein Sturz nach einem Bremsmanöver auf gemähtem Gras am Balmberg. Es blieb bei etlichen Knochenbrüchen – Helmpflicht sei Dank!

Den Ellbogen brach sich kurz zuvor eine Kollegin auf der St. Niklausstrasse. Wohl der schlimmste Unfall, seit dort Tempo 30 gilt. Was damit zu tun hat: Das Vortrittsregime sorgt seither für Verunsicherung. Zuvor galt Vortritt für die «Schnellstrasse»; alles war klar.

Nun erschrak die Kollegin bei der Einmündung der Schererstrasse: «Hat das Auto Rechtsvortritt oder ich?» Sie stoppte ihr schweres E-Bike nur mit der Vorderbremse. Und flog in hohem Bogen davon. Wenigstens war ihrem Kind im Mutterleib nichts passiert. Im Bürgerspital lag übrigens im selben Zimmer eine verletzte Ehefrau, die ihrem Mann zu nahe gekommen war. Beide auf dem Velo …

In Lohr ist der Main brauntrüb. Kaum jemand tunkt eine Zehe drin. Was haben wir doch an unserer schönen, grünen Aare! Geniessen wir die letzten Hundstage auf und in ihr. Auch wenn plötzlich ein
Geisterschiff vorbeigleitet. Crew und Passagiere – alle maskiert. Keine Fiesta auf der «Siesta».
Nur unten im geschlossenen Restaurant pokulieren drei ältere Herrschaften fröhlich, weil unvermummt vor sich hin. Oben die Maskierten. Früher hätten sie gewunken. Sie starren hinab, auf bunte
Gummidinger voller ausgelassenen Menschentrauben. Alle unterwegs ohne Maske – und Schwimmweste. Noch ist er nicht überall. Unser aller Aufpasser.

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Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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