Strassenfasnacht

Wenn sich Honolulu den fremden Truppen ergibt: Das war die Gassenfasnacht in der Barockstadt

Am Samstagabend gehört die Solothurner Altstadt jeweils den auswärtigen Guggen und Heerscharen von Kostümierten aus dem halben Kanton. Zu sehen und hören gab es Einiges an der Mega-Fasnachtsparty mit Street-Music vom Schrägsten.

Es ist angerichtet: Auf der grossen Tribüne am Kronenplatz schmettert das 6ème Regiment Infanterie de ligne die Marseillaise in die Nacht hinaus. Impereur Napoleon hätte Freude an seiner Truppe gehabt, und sich die Show sicher vom Balkon der Couronne aus angesehen, statt unten nur ein Glas Wasser zu trinken. Die Franzosen haben Honolulu zum zweiten Mal eingenommen, auch wenn das rotweissblau uniformierte Korps mit Dreispitz aus dem zugerischen Baar kommt.

Doch von fremden Truppen wimmelt es überall, die Stadt ist im Gugge-Ausnahmezustand. Die Schwarzmeerfrösch aus Bäuch sind noch fast einheimisch, Musikanten aus Langenthal und Wangen  an der Aare proben den Ernstfall für ihre Fasnacht am nächsten Wochenende. Spitzbuebä aus Rheinfelden geben alles, und die Chällerassle aus Möhlin künden sich vor der Jesuitenfassade an - «aus dem schönen Fricktal, wo die Sonne immer scheint.»

Sie werden aber mitsamt Leadsängerin auf die Rampe vor dem Kirchenportal zurückgedrängt. Denn jetzt wird Honolulu brachial erobert: Wohl an die 80 Ventilblööterler und Schrottofoniker setzen unter dem Donnergrollen ihres Schlagwerks zum Triumphmarsch auf den Märetplatz an.

Wo die Narretei ein Plätzli findet

Es wird eng in den Gassen. Nach 21 Uhr strömen Massen von Hexen, Cowboys, Skelettartigen und allerhand sonstigen schrägen Vögeln über die Kreuzackerbrücke Richtung Up-town. Wegen der Baustelle beim Gerechtigkeitsbrunnen wirds für die Guggen speziell knapp. Sie stehen oben in der Barfüssergasse für ein Ständeli an. In bunten wogenden Mengen gibt es sie aber noch, die Oasen der Narretei.

Der Papst im Papamobil, die Pizzaiolos mit ihrem Backofen oder das Kandidaturen-Büro für die Kurt-Fluri-Nachfolge. Die Guerilla-Caterer rösten als Hans Roths auf glühender Holzkohle 2000-jährige Mistkratzerli; die Gastig belohnt das Güggelisterben mit dem Gassenhauser «Le Coq est mort!» Noch nicht ganz sind dies die Bewohner der Seniorenresidenz vor und unter dem «Palace», herrlich inszeniert von gestandenen Fasnächtlern.

In der Polstergruppe lässt sich bei einem Einerli das Schwarzweiss-Programm im Uralt-Fernseher geniessen, hinten im Jassstübli kreisen käsetriefend die Fondue-Gabeln. Das ist Fasnacht.

Die Show unter freiem Himmel

Gegen Mitternacht ist die Säulenhalle rappelvoll, man wie frau schwingt am «Ballzilllus» das Tanzbein, so gut es eben noch geht. Ein Aussenstand ist für viele Beizen ein Muss, denn in dieser Frühlingsnacht zieht es die Bööggen nicht unbedingt in die geheizte Stube. Partytempel wie die Honolulu- oder Mamfi-Bar funktionieren aber, genauso wie die Bar der «Wöschwiiber» im «Barterre».

Auf der «Rue de Blamage» oder in anderen eher peripheren Zonen wie dem Friedhofplatz haben wir im Vorjahr jedoch mehr Volk gesehen. Damals kam Honolulu an seine Grenzen, und vielleicht wollten sich das Einige so nicht mehr antun. Der knirschende Ghüder auf dem Pflaster liefert aber in der späten Nacht den Beweis: Hier hat der Bär gesteppt – und das nicht zu knapp.

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