Solothurn

«Weniger Autos» lautet das Rezept für die Vorstadt

Hier sollen nur noch Anwohner und Zubringer durchfahren und die Parkplätze verschwinden.

Hier sollen nur noch Anwohner und Zubringer durchfahren und die Parkplätze verschwinden.

Anwohner der Solothurner Vorstadt wurden an einer Mitwirkungs- und Info-Veranstaltung über das künftige Verkehrs- und Parkierungsregime informiert.

In den nächsten Jahren soll die Innere Vorstadt «fertig» gebaut werden. Um die rechtlichen Voraussetzungen für die noch anstehenden Projekte wie die Umgestaltung der Berntor- und Niklaus-Konrad-Strasse oder die Aufwertung des Kreuzackerparks West zu schaffen, braucht es den «Neuen Erschliessungs- und Parkierungsplan Innere Vorstadt».

In einer Mitwirkungs- und Info-Veranstaltung erklärte Stadtplaner Daniel Laubscher 15 Anwesenden aus der Vorstadt, warum das so ist. «Die bestehende Planung ist zwar schon verändert worden, aber sie entspricht nicht mehr der heutigen Situation.» Und vor allem nicht jener, welche die Stadt dereinst herbeiführen will. Laubscher verwies auf die flankierenden Massnahmen zur Westumfahrung, die 2001 abgesegnet worden waren, und deren wichtigste, die Sperrung der Wengibrücke, dann 2008 auch vollzogen worden sei.

Inzwischen seien aber auch neue Parkplätze an der Dornacherstrasse oder die Umgestaltung des Bereichs Rossmarktplatz dazugekommen. Der neue Plan werde nun bis zum 12. Oktober zur Mitwirkung durch die Bevölkerung aufliegen, im Januar oder Februar dann offiziell mit Einsprachemöglichkeit, und «nächsten Sommer hoffen wir, dass der Regierungsrat dann die Planung verabschiedet.»

Umgestaltung doch noch 2016?

Anwesend war im «Adler»-Saal auch Tiefbauchef Benedikt Affolter, der diesen Zeitplan als «sehr pessimistisch» erachtete. «Wir hoffen deshalb, dass wir nächstes Jahr doch noch die Umgestaltung der Berntorstrasse realisieren können», hielt er am bisher gültigen Terminplan für diesen Schritt fest, der jedoch ein eigenes Baugesuch mit der Möglichkeit, Rechtsmittel zu ergreifen, bedinge.

In diesem Zusammenhang machte Affolter auch darauf aufmerksam, dass Verkehrsmassnahmen nicht Teil des Baugesuchs sein, sondern von der Polizei separat ausgeschrieben würden und entsprechend auch einen eigenen Rechtsweg hätten. Die Umgestaltung der Berntorstrasse ist seit Jahren mit einem Test-Verkehrsregime «simuliert» worden, prallen doch in diesem Bereich die Interessen verschiedenster Gruppierungen aufeinander: Der BSU möchte möglichst ungehindert das Nadelöhr passieren können, Liegenschaftenbesitzer und Geschäftsinhaber dagegen ein möglichst breites Trottoir zur Attraktivierung des Gastro- und Fussgängerbereichs.

Und die Anwohnerschaft ausserhalb der Berntorstrasse hatte sich massiv – unter anderem mit einer Petition – gegen das neue Verkehrsregime in der Inneren Vorstadt gewehrt. Insbesondere das Queren der SBB-Unterführung am Ende des Oberen Winkels in beiden Richtungen durch den Autoverkehr, der auch den Unteren Winkel und die Ausfahrt über den Rossmarktplatz zu benützen hatte, war harsch kritisiert worden.

Parkplätze müssen weg

Erst in der Diskussion schälte sich auf hartnäckiges Nachfragen heraus, dass die Baubehörden diese Quadratur des Kreises auch mit dem neuen Plan lösen wollen und wie dies zu geschehen hat. So sollen sämtliche Gassen und Strassen zwischen Kino Capitol, Krummturmschanze, Kreuzackerpark und Rossmarktplatz künftig nur noch durch Anwohner und Zubringer befahren werden dürfen.

Zusätzlich werden die Parkplätze im Oberen Winkel beim Alten Spital aufgehoben. «Es gibt dadurch keinen Suchverkehr mehr, und auch der Bus wird auf der Berntorstrasse weniger durch querende Autos behindert», macht diese Massnahme für Stadtplaner Laubscher Sinn.

Kaum eine «attraktive Vorstadt»

Auch erst durch mehrere Voten aus dem Publikum wurde indes klar, dass noch weitere Parkplätze verschwinden sollen, insgesamt 14. Dazu könnten noch rund 20 nicht öffentliche, durch die Stadt an Dauermieter vergebene Parkplätze kommen, wenn es um die Umgestaltung des Kreuzackerparks West geht. Ob dies der städtische Liegenschaftenverwalter wegen des Einnahmenverlusts akzeptieren werde, sei allerdings noch offen, so Laubscher.

Kritik hagelte es in der Folge vor allem von Geschäftsleuten der Drogerie Tschumi und Bordogna Bergsport wegen dreier geplanter Parkplätze vor ihren Geschäften, die bewirtschaftet würden. Auch eine Frauenärztin hieb in die Kerbe, es seien dort Gratis-Kurzzeitparkplätze «auch für Notfälle» zu schaffen. «Bringt eure Anliegen in der Mitwirkung ein», meinte darauf Daniel Laubscher. Doch offenbar liegen die Nerven beim Vorstadt-Gewerbe teilweise blank. Ein Votum seitens Bordogna Bergsport belegt dies: «Seit 15 Jahren hören wir immer wieder ‹attraktive Vorstadt›. Dabei hatten wir zehn Jahre lang nur eine Baustelle nach der anderen.»

Der «Neue Parkierungs- und Erschliessungsplan Innere Vorstadt» ist auf dem Stadtbauamt (Parterre Stadtpräsidium an der Baselstrasse) oder online auf der Homepage der Stadt Solothurn unter «Aktuelles» einsehbar.

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