«Bipperlisi»

Warum die Aare Seeland mobil AG die Mischverkehr-Variante auf der Baselstrasse befürwortet

Die Umgestaltung der Baselstrasse wird kontrovers diskutiert. Fredy Miller, Direktor der Aare Seeland mobil AG, nahm am Mittwoch Stellung zu zwei Fragen: dem Viertelstundentakt und einer Umstellung auf Busbetrieb.

«Aus der Sicht des Bahnbetriebs ist es unerheblich, ob das Bipperlisi auf der Baselstrasse auf einem oder zwei Gleisen verkehrt.» Damit reagieren die Aare Seeland mobil AG und ihr Direktor Fredy Miller auf grosse Diskussionen, welche die sogenannte Mischverkehrs-Variante auf dem rund einen Kilometer langen Strassenstück zwischen dem Baseltor-Kreisel und St. Katharinen ausgelöst hatte. Nur Randthema waren dabei die möglichen Kosten von gegen 40 Mio. Franken, da der Bund das Vorhaben kräftig aus seinen öV-Fonds mitfinanziert.

Der zweite Punkt, der die Bahn zu einem Mediengespräch veranlasste, ist der mit dem Projekt ins Spiel gebrachte Viertelstundentakt. Dieser sei noch nicht beschlossene Sache und deshalb auch der frühest möglich Einführungstermin 2027 sowie der auch schon genannte Endtermin 2035 kein Thema. Schon gar nicht im Zusammenhang mit der Doppelgleis-Variante: «Sie bietet keinen Vorteil für den 15-Minuten-Takt. Die optimale Kreuzung dafür läge im Bereich Feldbrunnen-Sandmatt», erklärte dazu asm-Projektleiter Heinrich Matter.

Heinrich Matter, Projektleiter, und Fredy Miller, Direktor Aare Seeland mobil AG an der Medienorientierung

Heinrich Matter, Projektleiter, und Fredy Miller, Direktor Aare Seeland mobil AG an der Medienorientierung

«Stehen voll und ganz hinter dem Projekt»

Beide Bahn-Verantwortlichen betonten mehrfach, dass die Bipperlisi-Betreiberin voll und ganz hinter dem Roh-Projekt stehe, bei dem der Kanton die Federführung innehat. Dürfe man doch nicht vergessen, dass sowohl die unterspülten, maroden Gleise wie auch das in die Jahre gekommene Strassenbett dringend saniert werden müssten – als man 2011 zusammen die ersten Überlegungen dazu angestellt hätte, sei beides noch in Ordnung gewesen.

Seither ergaben alle geprüften Varianten immer dasselbe Ergebnis: Die Mischverkehr-Variante wäre die beste und der eingleisigen, separaten Bahnspur vorzuziehen. «Wir gewinnen so 3 Meter zusätzlich Platz für den Langsamverkehr», betonte Matter. Zwar seien durchwegs genug breite, sichere Velospuren nicht möglich – ist doch die Strasse an der engsten Stelle bei der St. Josefskirche nur gerade 10 Meter breit, oft auch nur 13 bis 15 Meter. «Eigentlich bräuchten wir 17 Meter für alles», musste Matter einräumen – dem stünde jedoch der Schutz der vielen historischen Gebäude längs der Baselstrasse entgegen.

Kann der Fahrplan eingehalten werden?

Ein Kriterium, dass vor allem dem asm-Verwaltungsrat Kurt Fluri stets Sorgen bereitet hatte, widmete sich die Bahn-Leitung ebenfalls: der Fahrplan-Sicherheit. Diese könne mit der der Mischverkehr-Variante garantiert werden, gab sich Projektleiter Matter mit Blick auf verschiedene, geprüfte Modelle überzeugt. Dank der geplanten, verkehrsgesteuerten Ampeln an den Einfahrten zur Baselstrasse fahre das Bipperlisi künftig quasi in einer «elektronisch gesicherten Spur» vor dem Autoverkehr her. Eine Praxis, die sich übrigens bei verschiedenen Bahnlinien in der Schweiz bewährt habe, verwies Matter auf das 1997 in Wabern eingeführte Mischverkehr-Regime auf der Seftigenstrasse.

63 Parteien haben mitgewirkt

Kurz schnitt Fredy Miller die letztjährige Mitwirkung an, in deren Verlauf sich 63 Parteien und Personen zum Mischverkehr-Grobprojekt geäussert hätten. «Ende Januar wird der Kanton über die Resultate informieren und wir sind auch dabei», so der asm-Direktor.

Angesprochen auf den zuletzt genannten Baubeginn 2023, bestätigte er, davon gehe man weiterhin aus. Und zum Thema mögliche Einsprachen hielt er fest: «Wir bauen im Bahnrecht und sind deshalb in einer starken Position. Aber selbstverständlich werden wir mit den Betroffenen das Gespräch suchen.» Und zur eigentlichen Bauzeit ‑ seitens des Kantons war schon von zwei Jahren die Rede – meinte er knapp: «Lieber kurz und halt heftig.»

Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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