Solothurn

Vorstadt-Beiz Sonne schliesst - Wirtin will im «Rössli» weiterwirken

Das Restaurant Sonne hat eine ungewissen Zukunft vor sich.

Das Restaurant Sonne hat eine ungewissen Zukunft vor sich.

Fast 15 Jahre hat Karin Werthmüller auf der «Sonne» an der Berntorstrasse gewirtet. Nun verlässt sie auf Ende Januar ihr beliebtes Restaurant. Künftig will sie im «Rössli» Anlässe durchführen.

Die älteren Herren haben einen gemütlichen Jassnachmittag vor sich. Das ist nicht mehr in mancher Solothurner Beiz möglich – in der «Sonne» schon noch. Heute gibts Metzgete, an der Schiefertafel im Fumoir ist ein Saujasset am 2. Januar, dem Bärzelistag, angekündigt. Dann aber ist es bald vorbei mit der Herrlichkeit in der holzverkleideten Gaststube, wo tatsächlich auch noch ein «Töggelikasten» steht. «Ende Januar höre ich auf», sagt Karin Werth-Müller bestimmt. Aber das Restaurant sei schon vorher zu, Putzen, Aufräumen, was halt so ein Auszug so mit sich bringt.

Dabei hat die «Sonne» eine Kontinuität aufzuweisen, die für eine Vorstadt-Beiz selten ist: 28 Jahre hatte zuvor Gottfried «Godi» Küpfer auf seinem Restaurant gewirtet, ehe Karin Werthmüller das Haus im Sommer 2000 erwarb und das Restaurant Sonne weiterführte. «Es ist eigentlich immer gut gelaufen. Wir hatten viele Stammgäste, Studentenverbindungen und Bruderschaften fühlten sich hier wohl.»

Auch Frauen seien häufig anzutreffen gewesen, zuletzt sei ihr Anteil am Stammtisch auf rund die Hälfte angestiegen. Das Rauchverbot fing sie mit der Einrichtung eines Fumoirs auf, und auch «die Schliessung der Wengibrücke hat mir nicht wehgetan. Ich hatte nie Angst davor.» Im Gegenteil, denn ihre Gäste seien mit dem öV, dem Velo oder zu Fuss unterwegs zu ihr gewesen.

Im Mai 2012 hatte die rührige Wirtin allerdings die Liegenschaft an die Seeländer Nerinvest AG veräussert. Diese realisiert nun aber Umbaupläne im Obergeschoss, die Karin Werthmüller zuletzt so nicht akzeptieren mochte – und sich deshalb für den Auszug aus der «Sonne» entschieden hatte.

Fasnacht im «Rössli»

Was sie in der «Sonne» aufgebaut hat, möchte Karin Werthmüller jedoch ihren Gästen in der Vorstadt weitergeben. Und zwar weiter vorne am Dornacherplatz im «Rössli», das mit 40 Plätzen etwas weniger Platz als ihr bisheriges Restaurant aufweist. «Ich helfe der Wirtin dort, und koche beispielsweise an den Markttagen meine bisherigen Spezialitäten wie Kutteln oder Kalbskopf.» Auch die beliebte Fasnachtsbeiz Sonne soll im «Rössli» weiterleben: So wird es dekoriert werden, an der Chesslete gibts Mehlsuppe, «und sogar der bisherige DJ wird dort auflegen», verspricht Karin Werthmüller.

«Mehrere Interessenten»

Walter Zahnd sieht für die Gebäudeeigentümerin, die Nerinvest AG in Ins, durchaus Chancen, dass die «Sonne» als Restaurant weitergeführt wird. «Wir haben mehrere Interessenten für eine Übernahme des Lokals. Aber es sind auch andere Szenarien denkbar.» Fest steht für Zahnd, dass nun in einem ersten Schritt die Wohnungen ab dem ersten Obergeschoss umgebaut werden. Damit sei schon begonnen worden, die Baubewilligung liege vor, «und wir rechnen mit einer Umbauzeit von rund einem halben Jahr».

«Roter Ochse» sieht sich um

Im nördlichen Nachbarhaus der «Sonne» macht man sich auch Gedanken über die neue Situation nebenan. Rolf Trechsel vom Garni-Hotel Roter Ochsen: «Unsere elf Zimmer sind zu 80 Prozent ausgelastet, und oft können wir Gäste gar nicht mehr beherbergen. Deshalb sehen wir uns nach Erweiterungsmöglichkeiten für zusätzliche Hotelzimmer um.» Dabei denke er nicht an den Kauf einer ganzen Liegenschaft, sondern eher an eine teilweise Nutzung. Kontakte bestehen laut Trechsel sowohl zur Nerinvest AG als Besitzerin der «Sonne»-Liegenschaft wie auch zu Vater und Sohn Tschumi von der Dropa-Drogerie in der Vorstadt. Die beiden hatten kürzlich bei der Versteigerung des sogenannten «Laubsägeli-Hauses» an der Zuchwilerstrasse (wir berichteten) eine Liegenschaft mit ebenerdigem Geschäftslokal an der Berntorstrasse erworben – genau gegenüber dem «Roten Ochsen».

Ob Rolf Trechsel und sein Geschäftspartner Christian Stampfli Interesse am Restaurant Sonne selbst haben, ist derzeit noch offen. Ganz ausschliessen will Trechsel dies aber nicht.

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