Solothurn

Verlässt das Museum Enter die Stadt? Oder kommt doch ein futuristischer Neubau am Bahnhof?

Die Visualisierung des Plan A: So sähe dies aus, wenn das Museum Enter in einen Neubau am Bahnhof käme.

Die Visualisierung des Plan A: So sähe dies aus, wenn das Museum Enter in einen Neubau am Bahnhof käme.

Wegen des geplanten Ausbaus des RBS-Bahnhofs muss das Museum Enter weg. Der Präsident der Stiftung Enter, Felix Kunz, verfolgt derzeit zwei mögliche Zukunftspläne für das Museum.

Wer die Visualisierung dessen sieht, was Felix Kunz auf der Südseite des Solothurner Bahnhofs vorhat, der sieht auf einen Blick: Der Technikfreak und frühere Besitzer der Firma Digital-Logic AG hat Grosses vor. Das Museum Enter, einst gestartet in Kunz’ eigenem Wohnhaus und das 2011 eine neue Heimat im ehemaligen Feldschlösschen-Depot beim Bahnhof gefunden hat, soll umziehen.

In einen 7-stöckigen Neubau auf dem jetzigen Nilpfi-Gelände, in dem die untersten drei Etagen für das Museum für Computer und Unterhaltungstechnologie reserviert ist. Ein Gebäude, das, falls es tatsächlich realisiert wird, zu einer Art Wahrzeichen der Stadt werden könnte. Dies wegen des geplanten durchsichtigen Paternosters, der das Gebäude gar überragen würde. Die Sprache ist hier von einem Lift mit Regalen, in dem alte Computer, Telefone, Fernseher immerfort hoch- und runterfahren würden, sichtbar für den Betrachter von aussen. Wenn man so will: Ausstellungsstücke gefangen in einer Dauerschlaufe.

Es sei eine «freundliche Zwangsenteignung»

Der geplante Bau ist der Versuch von Felix Kunz, Präsident der Stiftung Enter und Mäzen, das Bestmögliche aus der Situation zu machen. Denn der Umzug des Museums ist nicht ganz freiwillig. Liegenschaftseigentümer Kunz spricht dann auch von einer «freundlichen Zwangsenteignung», über deren Konditionen immer noch Verhandlungen mit der Stadt und dem RBS laufen. Denn das Gebäude, in dem sich das Enter derzeit befindet, wird für den Ausbau des RBS-Bahnhofs benötigt, der 2026 abgeschlossen sein soll.

Die Visualisierung des Plan A: So sähe dies aus, wenn das Museum Enter in einen Neubau am Bahnhof käme.

Die Visualisierung des Plan A: So sähe dies aus, wenn das Museum Enter in einen Neubau am Bahnhof käme.

Als Kunz 2010 das Grundstück kaufte und daraufhin das Gebäude komplett ausgekernt und für das Museum neu aufgebaut hatte, ging er davon aus, dass dies eine Lösung für 30 bis 40 Jahre ist. «Natürlich war ich alles andere als begeistert, als ich 2016 zum ersten Mal von den Ausbauplänen des RBS-Bahnhofs und der Linie ­Solothurn–Bern hörte. Hätte ich dies vorher gewusst, hätte ich das Gebäude nicht gekauft.»

Mittlerweile hat er die Tatsache, die er sowieso nicht ändern könne, akzeptiert. Und Kunz betont: «Der RBS-Bahnhofausbau, mit neuer Personenunterführung, neuem Bahnhofplatz und die damit verbundene Aufwertung der Südseite ist für die Stadt eine gute Sache.» Jedoch ergänzt er: «Es ist einfach noch nicht klar, ob es auch gut für das Museum endet.»

Blick in das geplante Foyer.

Blick in das geplante Foyer.

Baubeginn so früh wie nur möglich

Mit dem oben erwähnten geplanten Neubau wäre das Happy End für das Enter eigentlich vorprogrammiert. Doch ob es dazu kommt, was Kunz als Plan A bezeichnet, ist mittlerweile unklar.

Das Problem: Es ist noch vieles unklar, vieles geht nur harzig voran. Doch die Zeit drückt. Denn eigentlich möchte Kunz so schnell wie möglich anfangen, zu bauen, da der RBS den Grund 2025 beansprucht. Dies ist auch der Grund, dass Kunz den Mietvertrag mit allen Mietern nicht verlängert hat.

Dies führt etwa dazu, dass der Indoorspielplatz Nilpfi Ende Jahr schliess. Der Plan sieht vor, dass die Ausstellungsstücke des Enters zuerst in den vorderen Teil des jetzigen Museums rücken, damit der hintere Teil bereits abgerissen werden kann und Platz für den Neubau macht. Sobald dieser steht, soll das Museum dort einziehen, worauf mit dem Ausbau des RBS-Bahnhofs begonnen werden kann.

Doch die Stadt und der RBS haben Kunz gebeten, von dieser Koppelung abzusehen, was zum Scheitern von Kunz’ Plan führen könnte. Denn dass die Museumsstücke vorübergehend in ein externes Lager ziehen, ist für Kunz keine Option. «Wer dies vorschlägt, beachtet nicht, dass unsere Geräte funktionieren. Jeder Umzug ist ein Risiko. Deswegen ist zwei Mal Zügeln keine Option.»

Zudem befürchtet Kunz, dass in einem Provisorium die Besucher ausbleiben. Doch damit der Plan A trotz allem noch aufgehen kann, müssten so schnell wie möglich die Baumaschinen auffahren. Dies ist aber erst möglich, sobald die Ortsplanungsrevision der Stadt abgeschlossen ist, gegen die auch Kunz selber Einsprachen eingelegt hat. Unter anderem wegen der Gebäudehöhe. 27 Meter hoch soll der Neubau werden, doch zu Kunz’ Erstaunen ist gemäss der Revision in diesem Bereich maximal 25,5 Meter erlaubt.

«Mir erscheint dieser Wert willkürlich», meint Kunz. Wegen all der Schwierigkeiten bereitet der Museumsinhaber derzeit einen Plan B vor, der von Tag zu Tag wahrscheinlicher wird. Zwar würde er dennoch ein Geschäftsgebäude auf der Südseite des Bahnhofs ­bauen, das Museum Enter würde jedoch nicht dort reinkommen, womit der Zeitdruck weg wäre.

Kunz und seine Mitarbeiter suchen im Moment mit Hochdruck in der näheren Umgebung ein anderes Grundstück, auf dem das Museum gebaut werden kann, was voraussichtlich der Wegzug aus der Stadt bedeutet. «Auch wenn die Lage, die wir jetzt haben, nicht getoppt werden kann», so Kunz, der aber in der Hinterhand bereits wieder eine Vision hat, die einem wiederum in Erstaunen versetzt.

Falls Plan B kommt, schwebt ihm beim geplanten Neubau beim heutigen Nilpfi zumindest ein Empfang für die Museumsbesucher vor, die mit dem Zug anreisen. «Mit selbstfahrenden Autos werden diese dann zum Museum gefahren.» Den definitiven Standortentscheid will Kunz noch dieses Jahr fällen.

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Autor

Fabio Vonarburg

Fabio Vonarburg

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