Solothurn

Trotz geplanter Umnutzung: Kloster Namen Jesu soll ein Ort für Frauen bleiben

Das Kloster Namen Jesu in Solothurn plant die Zukunft der Klosteranlage. Die Idee: Es soll eine neue Frauengemeinschaft entstehen.

Sie sehe keine Lösung, dass das Kloster Namen Jesu in der heutigen Form nochmals 400 weitere Jahre bestehen könne. Diese Worte sprach vor elf Jahren die damalige Oberin des Klosters anlässlich des 400. Geburtstags des Klosters. Man müsse neue Wege gehen, falls man eine Zukunft haben möchte. Wie diese Wege aussehe, wisse man aber noch nicht. Das war 2009. Im Kloster lebten damals 15 Schwestern, das Durchschnittsalter betrug 74 Jahre.

Sprung ins Jetzt. Juli, 2020. Noch gehören acht Schwestern der Gemeinschaft an. Sechs von ihnen leben noch im Kloster Namen Jesu. Ihr Durchschnittsalter: über 80 Jahre. Für die kleiner gewordene Schwesterngemeinschaft ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, um einen neuen Weg zu beschreiten. Dazu hat man aktiv nach Lösungen gesucht und mit der gemeinnützige Frauenhotel AG eine mögliche zukünftige Betreiberin des Klosterareals gefunden, wie der Verein Kloster Namen Jesu, die Frauenhotel AG und das Bistum Basel in einer Medienmitteilung bekanntgeben.

Schwesterngemeinschaft hat eine klare Anforderung

Das Klosterareal brauche mittelfristig nach über 400 Jahren neue Perspektiven, heisst es in der Mitteilung weiter. Zudem solle die Klosteranlage langfristig in sichere Hände kommen und der Spekulation entzogen werden. Darum hat der Verein Kloster Namen Jesu jetzt die gemeinnützige Frauenhotel AG mit der Ausarbeitung eines Konzepts beauftragt. Die Schwesterngemeinschaft hat dabei eine klare Anforderung an das Projekt, das vorerst den Namen Klarahof trägt: «Die Klosteranlage soll weiterhin ein Ort der Frauen sein.»

Dass sich der Schwesterngemeinschaft an die Frauenhotel AG gewandt hat, ist angesichts dieser Anforderung keine Überraschung. Hinter dem Unternehmen, das 1998 gegründet wurden, stehen fünf Frauen, die sich zum Ziel gesetzt haben, Betriebe zu führen, die auch soziale Leistungen erbringen. Bislang führt die Frauenhotel AG einerseits zwei Hotels, die Integrationsarbeitsplätze für Frauen anbieten, und andererseits zwei Pensionen, in denen auch Zimmer für Frauen in Notsituationen bereitstehen.

Das Kloster Namen Jesu soll aber nicht gänzlich zu einer Pension oder einem Hotel werden. Das bereits im Kloster bestehende Hotel Porta Secunda solle zwar bestehen bleiben und von der Frauenhotel AG weitergeführt werden, führt Irène Meier, Verwaltungsratspräsidentin der Frauenhotel AG, aus. «In erster Linie soll aber eine Frauengemeinschaft entstehen, die gemeinsam auf dem Klosterareal wohnt und arbeitet», berichtet Meier, die betont, dass man noch ganz am Anfang stehen würde. In einigen Wochen wird eine Projektgruppe mit einer Machbarkeitsstudie beginnen. Frühestens Ende 2021 wird entschieden, ob das Projekt umgesetzt werden soll.

Schwestern bleiben weiter auf dem Klosterareal

Fest steht bereits, dass die Klostergemeinschaft, solange sie besteht, vor Ort bleiben kann. «Wir hatten von Beginn an einen guten Draht zueinander und es hat nicht viel Überzeugungsarbeit gebraucht, um uns ins Boot zu holen», sagt Meier, die den Schritt der Schwesterngemeinschaft mutig findet und bewundert. «Sie wollen die Zukunft ihres Klosters noch mitgestalten und so erreichen, dass diese in ihrem Sinne aussieht.»

Für das Projekt muss auch das Bistum Basel grünes Licht geben. Denn das Bistum muss Umnutzungen von kirchlichen Gütern bewilligen. «Dem Bistum gefällt die Idee, die hinter dem Projekt steht – die Weiterführung der über 400-jährigen Tradition einer Frauengemeinschaft mit sozialem Engagement», sagt Bistum-Sprecher Hansruedi Huber. Und man sei erfreut, dass das Kloster von sich aus die Initiative ergriffen hat, das kirchliche Projekt in ein säkulares zu führen, «nachdem dies mangels Nachwuchs aus eigener Kraft nicht mehr möglich ist».

Verwandte Themen:

Autor

Fabio Vonarburg

Fabio Vonarburg

Meistgesehen

Artboard 1