Theater Mausefalle
«Fünf im gleichen Kleid»: Powerfrauen und wie sie die Männer sehen

Fünf Brautjungfern hecheln an einer Hochzeit die Männerwelt durch. Da tun sich sehr unterschiedliche Erfahrungswelten auf. Die neue Komödie im Theater Mausefalle gefällt.

Helmut Zipperlen
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Die fünf Hauptdarstellerinnen des Stücks. Hinten von links: Dominique Lysser, Sofia Mészáros. Vorne: Sophie Nyfeler, Jana Zimmermann, Nadine Krieg.

Die fünf Hauptdarstellerinnen des Stücks. Hinten von links: Dominique Lysser, Sofia Mészáros. Vorne: Sophie Nyfeler, Jana Zimmermann, Nadine Krieg.

Zvg / Solothurner Zeitung

«Fünf im gleichen Kleid» nennt sich die neue Komödie im Theater Mausefalle. Kann das gut gehen, wenn fünf Frauen an einem Fest das gleiche Kleid tragen? Im vorliegenden Fall sind sie allerdings dazu gezwungen worden. Denn die ältere Tochter des Hauses heiratet und ihre Schwester und ihre Freundinnen sind als Brautjungfern gleich eingekleidet worden und erst noch mit einem Blumenkranz auf dem Kopf. So schablonenhaft ihr Äusseres ist, verbergen sich in den Kleidern doch fünf ganz unterschiedliche Charaktere.

Wenn Männer in Umfragen gefragt werden, was sie tun würden, wenn sie für einen Tag eine Frau wären, antworten viele, sie möchten wissen, was Frauen unter sich sprechen. Da die Komödie allerdings von einem Mann geschrieben wurde, darf durchaus weiter spekuliert werden. Der renommierte Drehbuchautor Alan Ball bekam immerhin für sein Drehbuch zu «American Beauty» einen Oscar. Es verwundert nicht, dass das oft oberflächliche Geschwätz der Brautjungfern auch ernste Momente aufweist, welche sich um Emanzipation und sexuellen Missbrauch drehen.

Das 1993 in New York uraufgeführte Bühnenstück war dort ein grosser Erfolg und ist bereits von zahlreichen deutschen Bühnen in der Übersetzung von Michael Walter nachgespielt worden.

Schlafzimmergespräche unterschiedlicher Frauen

Die Bühne zeigt ein geschmackvoll eingerichtetes Schlafzimmer. Leer. Es klopft mehrmals und Frances (Jana Zimmermann) betritt schüchtern den Raum, sieht sich um, entdeckt ein glitzerndes Armband und kann der Versuchung nicht widerstehen, dieses anzuziehen. Sie hört Meredith (Sofia Mészàros) kommen und versteckt sich neben dem Bett. Aber Meredith will einen Moment Erholung vom Hochzeitsfest ihrer Schwester, reisst sich den Blumenkranz vom Kopf und wirft sich aufs Bett, nachdem sie nach einem Joint gesucht hat. Sie entdeckt natürlich Frances.

Frances ist die Jüngste und noch wenig abgebrüht, was das Verhältnis zu den Männern angeht. Meredith ist eine kleine Rebellin. Mit Trisha (Dominique Lysser) betritt eine Frau Anfang Dreissig das Zimmer, welche angibt, bereits mit mehr als tausend Männern geschlafen zu haben. Der Smalltalk wird durch die weinende Georgeanne (Nadine Krieg) unterbrochen. Ihr Mann will keinen Sex mehr mit ihr haben. Schliesslich gesellt sich noch die essende Mindy (Sophie Nyfeler) dazu, welche Männer links liegen lässt und sich lieber Frauen zuwendet.

In der Folge werden Männer durchgehechelt, Herzen ausgeschüttet, gelacht, geweint, gewütet und gestreichelt. Die fünf Darstellerinnen bringen das Geschehen optimal über die Rampe. Text, Bewegungen und Gestik ergeben ein überzeugendes Ganzes.

Ohne Mann geht es dann doch nicht. Gegen Schluss tritt Tipp (Christoph Stapfer) auf und es kommt zu einer höchst amüsanten Liebesszene. Silvan Andraschko und Lukas Rhiner unterstützen technisch die gelungene Aufführung.

Nächste Vorstellungen: Sa. 15.Januar 20 Uhr, So. 16. Januar 17 Uhr, Sa. 22. Januar 20 Uhr, So. 23. Januar 17 Uhr

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