Stadtbummel
Stille Nacht

Noëlle Karpf
Noëlle Karpf
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Heuer gibt es keinen Chlausemäret – und vielerorts kommt der Chlaus auch nicht vorbei..

Heuer gibt es keinen Chlausemäret – und vielerorts kommt der Chlaus auch nicht vorbei..

Wolfgang Wagmann

Als Kind hatte ich Respekt vor dem Samichlaus. Mit klopfendem Herzen wurde das Versli aufgesagt, die Schutzengel Mami und Papi beschützten vor dem bärtigen Riesen. Umso grösser war dafür die Freude über den Chlausen- Strumpf, der in der Nacht auf den 6. Dezember von Schutzengeln (den eben erwähnten, auch wenn man das in jungen Jahren noch nicht kapierte) gefüllt wurde.

Immer begleitet von einem leisen Klingeln. Vielleicht verursacht von dem Glöggli, das am Strumpf hing und bimmelte, wenn Manderindli und Nüssli verteilt wurden. Vielleicht war das fast schon magische Geräusch auch eingebildet.

So idyllisch klang der Dezemberanfang in der Kindheit auf dem Lande. Heute, in der Stadt, herrscht bekanntlich weniger stille Nacht. Da dröhnt auch um 2 Uhr morgens noch etwas durch die Gasse, das wir, steihässig im Bett, als dicke Drecksschleuder abstempeln. Um uns zu beruhigen und wieder erfolgreich aufs Ohr zu hauen, stellen wir uns vor, dass er oder sie ja vielleicht schon auf dem Weg zum Chlausen- Drive-in ist, den’s heuer im Nachbardorf gibt. Sicher nicht aber die, die grölend Fläschli an die Fassade schiessen. Auch nicht der Lieferwagen, der nur wenige Stunden später mit einem Piepsen vorbeirollt, das uns noch tagelang im Ohr klingt.

Zugegeben: Stille kann auch unheimlich sein. Etwa wenn man sich fragt: Wie tönt denn die Fasnacht 2021? Und die Chesslete? Kein Rätsche, kein Tröten, kein Trommeln? Normalerweise wirft uns der Lärm samt Ohrenstöpsel aus den Federn. Vielleicht kompensieren wir und drehen die Schnitzelbänke, die es ja bald auch digital geben könnte, auf. Dann ziehen uns aber die Nachbarn die Ohren lang.

Unangenehme Töne werden schon genug angeschlagen. Etwa letztens im Restaurant. Das Grüppchen Senioren hatte die Maske vergessen; darauf wurde sie von der netten und selbst ernannten Hauspolizei, die während ihres Besuchs stets Augen und Ohren offenhielt, nicht etwa diskret hingewiesen – diese rannte direkt zum Servicepersonal, um laut und deutlich auf diese Schande hinzuweisen. Schande hier, Schande dort, bei denen, die sich zu sehr an Massnahmen halten, bei denen, die dies überhaupt nicht tun. Wir schalten die Ohren immer öfters auf Durchzug in diesem lautstarken Durcheinander.

Doch für einen kurzen Moment Anfang Woche blieb es ruhig und friedlich. Der erste Schnee fiel. Alles weiss und so still, wie es nur dann sein kann, wenn es schneit. So still, dass wir mitten im Trubel des Städtlis innegehalten haben, um dem erwähnten Glöggli zu lauschen. Haben Sie es auch schon gehört?