Unter Coronabedingungen
Statt voller Reithalle eine TV-Rede auf der Brücke: Die Solothurner Filmtage sind eröffnet!

Die erste Online-Version der Solothurner Filmtage wurde am Mittwoch eröffnet. Bundespräsident Guy Parmelin reiste trotz Corona persönlich nach Solothurn.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Guy Parmelin bei einem Interview.

Guy Parmelin bei einem Interview.

Tom Ulrich

Am Mittwoch Abend kam es auf der Kreuzackerbrücke und beim Gewerbeschulhaus in Solothurn zu Begegnungen in gebotenem Corona-Abstand mit den Akteuren, welche die diesjährigen Solothurner Filmtage eröffneten.

Bundespräsident Guy Parmelin stand dabei im Mittelpunkt, denn er liess es sich nicht nehmen, persönlich nach Solothurn zu kommen, auch wenn die Filmtage-Eröffnung in der Reithalle in diesem Jahr nicht stattfinden kann.

«Es schmerzt mich natürlich schon, dass ich nicht bei einer festlichen Eröffnung mit dabei sein kann», sagte er, der sich für die Fragen der erschienenen Medienvertreter viel Zeit nahm. Doch es sei sehr wichtig, dass der Schweizer Film auch in diesem Jahr eine Plattform erhalte, wenn auch lediglich eine per online.

Frau Landammann Susanne Schaffer und Kurt Fluri nahmen sonst stets an der Eröffnung teil. Den Apéro könnten sie dennoch geniessen, erzählen die beiden. Es sei allerdings schon ein einsamer Abend, so Fluri. «Das Apéro war immer ein sehr geselliger Anlass und ich war immer einer der letzten, der nach Hause ging.»

Kultur ist ein Band, das uns zusammenhält

Nach der obligaten Fotosession vor dem improvisierten Point de Presse beim Gewerbeschulhaus mit den Organisatoren der Filmtage mit Direktorin Anita Hugi, Susanne Schaffner, Kurt Fluri und mit dem Regisseur und Produzenten des Eröffnungsfilms trat Parmelin dann vor die Kameras des Fernsehens SRF, um die Eröffnungsrede zu halten. Diese wurden auf der Kreuzackerbrücke installiert.

«Kultur ist das unsichtbare Band, das die Dinge zusammenhält». So habe es der französische Schriftsteller Joubert formuliert, begann der Bundespräsident. «In der Filmkunst wird dieses Band sichtbar. In unserem vielsprachigen, vielfältigen Land sind die Solothurner Filmtage für die Filmbranche und für alle Liebhaber des Kinos eine wichtige Klammer. In diesem Sinne bedaure ich, dass auch die Solothurner Filmtage nicht stattfinden können, wie gewohnt. Umso wichtiger ist, dass sie stattfinden.»

Tom Ulrich

Die Online-Version könnte auch eine Chance sein

«Die Säle bleiben hier leer dieses Jahr, aber vielleicht entdecken noch mehr Zuschauerinnen und Zuschauer zu Hause, was das Schweizer Filmschaffen zu bieten hat.» Generell neige der Mensch dazu, zu vergessen, dass es neben der Pandemie noch ein anderes Leben gibt, so der Bundespräsident weiter. Zum Beispiel sei es wichtig, sich zu erinnern, dass das Frauenwahlrecht in der Schweiz erst vor fünfzig Jahren auf Bundesebene eingeführt wurde. «Dies ist ein Meilenstein, und obwohl spät, sehr wichtig in unserer Geschichte. Auch die finsteren Nebel des Coronavirus werden das nicht verbergen.»

Und so freue er sich über die Solothurner Filmtage, die dieser Thematik einige Filme und Gespräche mit Regisseurinnen widmen. Es sei noch zu früh, um zu sagen, wie das Leben nach der Pandemie aussehen werde, so Parmelin weiter, aber: «Es kann sein, dass sich unser Bedürfnis nach Kontakten, Erfahrungen und Geselligkeit an den Tagen danach verzehnfachen wird», so der Bundespräsident.

Es sei daher zulässig, an eine starke kulturelle Erneuerung nach dieser Pandemie zu glauben. «Zumindest lehrt uns die historische Erfahrung, dass dies möglich ist.» Parmelin erinnerte an die «Roaring Twenties» nach der Spanischen Grippe. «Es folgten danach Jahre kultureller Entwicklung und ein Sprudeln der Ideen. Hoffentlich ist das auch diesmal der Fall.» Es sei daher wichtig, politische, soziale und wirtschaftliche Voraussetzungen zu schaffen, damit sich etwas Gutes aus dem Schrecklichen entwickeln kann.

Die Szenerie am Kreuzackerquai wurde mit einbrechender Dunkelheit immer magischer – auch wenn die Kälte an den Gästen zu nagen begann. Die St.-Ursen-Kathedrale war hell erleuchtet, und an der Landhausfassade wurde der Trailer der diesjährigen Filmtage projiziert, dies mit Beteiligung des Spitlight-Wolkenprojektors aus dem Jahr 1954 als Eyecatcher.

Tom Ulrich