Stadtbummel
Nur ganz kurz «ufe Märet»?

Christina Varveris
Christina Varveris
Drucken
Teilen

Die Liste ist nicht lang. Salat, Tomaten, Radisli, Eier und diverse Käsesorten. Meine Mutter hat mich Einkaufen geschickt. Ob ich rasch in die Stadt gehen könne. Rasch. Z’Märet. Alle, die «ufem Märet» einkaufen, wissen: Rasch geht nicht. Ich kaufe aber nicht auf dem Märet ein, sondern – ja, ich geb’s zu – beim Grossverteiler, da budgetfreundlich und vor allem eben – rasch.

Auf dem Märet also ein ganz neues Erlebnis. Da ist ein «Hallo!» hier, ein «Wie geht es dir?» dort, ein «Deine Kinder wachsen schnell!» da und viele «Schon lange nicht mehr gesehen!». Dabei wollte ich noch nach Zürich fahren heute, eine Freundin besuchen gehen.

Wir bugsieren uns also Richtung Käsetheke vor dem Manor. Wie Anstehen ist nicht ganz klar, aber plötzlich sind da mindestens vier Damen vor mir. Zwei gehören zusammen und werden gerade bedient. Die Dame vor mir hält ganz viel Abstand zu den Damen vor ihr. Mir ist das leider nicht möglich, sonst unterbreche ich den Märetbesucher-Strom. Unter der Maske ist nicht zu eruieren, ob ich ihr auf den Keks gehe. Oder aber die Damen vor ihr, die langsam mir auf den Keks gehen: Sie möchten erst den Ziegenkäse versuchen, dann den Alpkräuterkäse, dann den Trüffel und gefühlte 15 weitere. Die Käse-Verkäuferin putzt nach jedem Schnitt hingebungsvoll Messer und Hände, und so verrinnt die Zeit. Nach gefühlten zwanzig Minuten wird es im Kinderwagen unruhig, und auch ich verlagere nun mein Gewicht häufiger von einem Bein aufs andere.

Die Dame neben mir, die auch vor mir dran kommt, aber aus Platzgründen eben neben mir steht – also Dame Nummer 3 – dreht sich zu mir hin und sagt: «Hier dauert es immer lang.» Ach Klasse, denke ich, und verwerfe den Plan, zuerst zum Gemüse zu gehen. Und dann fügt die Nummer 3 an: «Aber sie sind die Besten.» Das macht mich froh und ich verwerfe auch den Zürich-Plan. Lebe den Moment und geniesse das Anstehen. Meine Kinder machen mittlerweile den Ringel-Ringel-Reihe-Tanz – und niemand stört sich daran. Als ich endlich dran bin, bekommen beide ein Stücklein Käse.

Zufrieden und geerdet schlendern wir Richtung Bieltor. Der Demeter-Stand vor dem Weltbild-Laden ist das Ziel. Dort wägt mir die Frau genau 1001 Gramm Rüebli ab. Ich kaufe auch für mich ein. Ein paar Meter weiter drückt der Bäcker den Kids ein Stück Züpfe in die Hand. Und beim Bieltor sehe ich sogar meinen ehemaligen Volleyballtrainer und kaufe dem VBC Solothurn ein paar Kuchenstücke ab.

Zwei Stunden sind vergangen, seit wir das Haus verlassen haben. Mit voller Tüte und vollem Herzen geht’s zurück in die warme Stube. Es geht nicht rasch – und das ist das Schöne am «z’Märet gho».

Aktuelle Nachrichten