Stadtbummel
Keine legendäre Partynacht, dafür liegt Liebe auf dem Boden

Fabio Vonarburg
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Die Liebeserklärung auf der Kreuzackerbrücke.

Die Liebeserklärung auf der Kreuzackerbrücke.

Fabio Vonarburg

Die Stadt ist leer. Zumindest fühlt es sich so an, wenn man durch die Solothurner Gassen bummelt. Man trifft merklich weniger Passantinnen und Passanten an – alle scheinen in die Ferien entflohen, an Orte, an denen es noch heisser ist als hier.

Und dennoch ist einiges los in der Stadt, so wird getuschelt. Das Gerücht, dass auch der Stadtpolizei gleich mehrmals zu Ohren gekommen ist, handelt davon, dass Samstagnacht vor zwei Wochen gehörig auf dem Putz gehauen worden sei.

134 Lärmklagen seien eingegangen, ist zu hören. Die hohe Zahl verwundert. Und fraglich ist auch, wer hier so lauthals gefeiert haben soll. Schüler, die sich auf die Schulferien freuen? Oder doch deren Lehrkräfte – vor Freude, fünf Wochen lang keine Kreide an den Fingern zu haben?

Weder noch, wie sich schnell zeigt. Das Gerücht hat einen Wahrheitsgehalt von 0,74 Prozent. Einzig eine Lärmklage war in jener Nacht bei der Stadtpolizei eingegangen.

Zum Glück: Kaum vorstellbar, wie neidisch all jene gewesen wären, die in den Ferien weilten, statt an dieser legendären Partynacht dabei gewesen zu sein. Dies wäre ja fast so schlimm, wie die HESO zu verpassen. Oder noch viel schlimmer: die Fasnacht. Klar, es hätte auch die Leute auf der anderen Seite gegeben. Jene 133, welche die Stadtpolizei verständigt und bereut hätten, nicht doch ins ruhige Rimini geflüchtet zu sein.

Doch kommen wir zu etwas, das länger Bestand hält als eine gute Party – die Rede ist von der Liebe. Paris-Besucherinnen und -Besuchern sei gesagt: Ihr hättet gleich hier bleiben können. Die wahre Stadt der Liebe ist Solothurn. Dies realisierte man Anfang dieser Woche auf der Kreuzackerbrücke. Mitten auf der Brücke prangte eine Liebeserklärung. In grossen Lettern: «... ig Liebe die über aues!»

Ach, wie schön. Vorausgesetzt, die Gefühle werden vom Geliebten erwidert. Die Romantikerin oder der Romantiker muss sich seiner Sache jedenfalls sicher sein. Für die Liebeserklärung verwendete sie oder er Kreide. Was einst schnell vergänglich war, ist nun gefühlt für die Ewigkeit – angesichts der Trockenheit.

Aber nur gefühlt, wie sich zeigte. Spätestens die Gewitter von Mittwoch machten der Liebeserklärung den Garaus.

Bleibt zu hoffen, dass der Geliebte die Worte vorher gesehen hatte. Und dass es bald doch eine Riesenparty in der Stadt gibt. Eine weitere Hochzeit in der Barockstadt der Liebe.

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