Stadtbummel
Click & Collect

Was man zu Hause und beim Bummeln so alles aus Anklicken und Einsammeln kann.

Noëlle Karpf
Noëlle Karpf
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Bücher kaufen und ausleihen geht in Zeiten von Corona nicht mehr vor Ort; dafür aber Online via Click & Collect.

Bücher kaufen und ausleihen geht in Zeiten von Corona nicht mehr vor Ort; dafür aber Online via Click & Collect.

Michel Canonica

Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht. Aber diese Bummlerin bummelt kaum noch. Sie tigert vielleicht durch die Wohnung, während des Telefonats oder der virtuellen Sitzung, um nicht komplett auf dem Bürostuhl zu verkümmern. Und über Mittag kommt sie noch vor die Türe in die schöne Stadt. Von der sie nicht mehr viel sieht – zwischen Maske und Kapuze sitzen beschlagene Brillengläser. Durch diese wirft sie dem Bücherladen, an dem sie vorbeigeht, jeweils sehnsüchtige Blicke zu. Denn: Der Stapel noch nicht gelesener Bücher auf dem Nachttisch ist beträchtlich geschrumpft.

Drum macht sie eines, sobald sie zu Hause ist und die Brille geputzt hat: Klicken. Auf die Website des Lüthys und dann auf alle Bücher die dort mit ansprechendem Cover und spannender Zusammenfassung präsentiert werden. Click und Collect heisst das System, auf das Viele umgestellt haben. Wörtlich: Klicken und Einsammeln – im Internet per Mausklick bestellen und Abholen im Laden. Und manchmal muss man nicht mal collecten – die Collectors bringen die Bücher vorbei, die man sich ausgeklickt hat.

Das Glück ist nur ein Klick entfernt. Auch abends. Pizza? Klick. Gebratene Nudeln? Klick. Falafel? Klick. Und dann Collect, um vor all den bevorstehenden Kalorien zumindest noch ein paar Schritte getan zu haben. Meistens k(l)icken diese aber so richtig rein, weil wir zu faul zum Collecten sind, und uns das Ganze liefern lassen.

Ob Click & Collect sich aber lohnt, fragen wir uns dann doch. Und was ist mit denjenigen, die das gar nicht anbieten können? Dann ist auch eine Spende nur ein Klick entfernt. Oder ein etwas besseres Gewissen?

Wenn man sich selbst einen K(l)ick gibt und eine grössere Runde dreht, kann man noch ganz andere tolle Dinge collecten. Gratis – und im übertragenen Sinne. Skigebiete haben zwar offen. Trotzdem fuhr erst kürzlich eine lustige Truppe mit den Skiern die St.Ursen Treppe hinunter. Collect. Statt für politische Vorlagen weibeln Solorhurnerinnen und Solorhurner mit Plakaten zudem für ein «Ja zur Lebensfreude». Umzug und co. sind abgesagt, aber die Solothurner Fasnacht? Niemals. Collect. Oder einfach: x-Beliebige Solothurnerinnen und Solorhurner, die durch die Stadt bummeln und das Lachen auch unter Maske und hinter beschlagenen Brillengläsern nicht ganz verloren haben. Collect. Collect. Collect.