Sport und Gender
Erster Weltmädchenfussballtag in Solothurn: «Frauenfussball muss sichtbar sein»

Am Sonntag findet in Solothurn der erste Weltmädchenfussballtag statt: Am Morgen wird im Brühl Fussball gespielt, am Nachmittag im Kofmehl über Frauenfussball gesprochen und Musik gehört. Forscherin Marianne Meier erklärt, warum solche Anlässe wichtig sind.

Judith Frei
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Symbolbild: Thurgauer Fussballverband organisiert zum vierten Mal ein GirlsDay.

Symbolbild: Thurgauer Fussballverband organisiert zum vierten Mal ein GirlsDay.

Andrea Stalder

«Diese Art Anlässe sind sinnvoll, insbesondere wenn sie so gross und professionell aufgezogen sind wie dieser», sagt Dr. Marianne Meier, Forscherin und Dozentin für Sport und Gender an der Universität Bern. Sie spricht über den Weltmädchenfussballtag, der am Sonntag in Solothurn stattfindet und an dem sie als Referentin teilnehmen wird.

Dieser Anlass wurde von den Regionalfussballverbänden von Solothurn und der Nordwestschweiz in Kooperation mit der «Kinderhilfe Embolo Foundation», «Kenyan Children Help» und des Schweizerischen Fussballverbandes organisiert. Dabei soll auf die Benachteiligung und Diskriminierung von Mädchen im Fussball aufmerksam gemacht und gleichzeitig Geld für die Organisationen gesammelt werden.

Am Sonntagmorgen werden Frauen und Mädchen im Brühl Fussball spielen. Mit dabei sind Profifussballerinnen, kommentiert wird es unter anderem von Beni Thurnheer. Am Nachmittag gibt es im Kofmehl Referate und Diskussionen mit Schlüsselpersonen des Schweizerischen (Frauen-)fussballs. Im Anschluss findet ein Konzert mit verschiedenen Künstlerinnen, unter anderem Anna Rossinelli, statt.

Bekannte Gesichter sind Vorbilder und Botschafterinnen

Durch die bekannten Gesichter würde das Thema auch von Leuten wahrgenommen, die sich damit bislang nicht auseinandergesetzt haben, ist Meier überzeugt. Die Frauen, die am Morgen mit den Mädchen kicken, können zu Vorbildern für die Jungen werden. Weibliche Vorbilder hatte das «Gesicht» des Anlasses – Permi Jhooti – nicht. Die ehemalige Fussballerin aus England mit Wohnsitz in Basel war die Inspiration für den Film «Bend it like Beckham». Der Film zeigt die Geschichte von Jhooti, fussballbegeistert und begabt, die ihren Platz auf dem Fussballfeld entgegen Geschlechterrollenbilder erkämpfen musste. Im Film sieht man das Zimmer der Protagonistin, das mit Poster von David Beckham geschmückt ist. Ein Poster einer Fussballerin sieht man nicht.

«Der Frauenfussball muss sichtbar sein», sagt Meier. Durch mehr Professionalität und Erfolg werden auch Spiele von Frauen in den Medien präsenter, was das Sponsoring auf den Plan ruft. Ein entscheidender Schritt in die richtige Richtung war die AXA Women’s Super League. Durch mehr finanzielle Mittel ist unweigerlich mehr Professionalität im Spiel, was das Niveau und die Attraktivität erhöht.

«Seit letzter Saison werden Spiele neuerdings auch live auf SRF gezeigt: Ein echter Meilenstein!»,

erklärt die Forscherin.

Der Sport soll nicht an ein Geschlecht geknüpft sein

Durch diese positive Entwicklung wird auch der Nachwuchs besser gefördert.

«Es geht nicht darum, dass alle Mädchen jetzt Fussball spielen müssen, sondern dass die, die möchten, auch die Möglichkeit dazu haben»,

so Meier. Der Sport soll nicht mehr an ein Geschlecht geknüpft und Frauen auf dem Feld eine Selbstverständlichkeit sein.

Sie selbst hätte als Mädchen gerne Fussball gespielt, doch in ihrem Dorf gab es in den 1990er-Jahren kein Angebot für sie. Gleich erging es Brigitte Geiser, Marketingverantwortliche für «Kenyan Children Help» und Mitinitiatorin des Anlasses. Sie ist in einer «Fussballer-Familie» aufgewachsen, ihr Vater ist Fussballspieler Fredy Geiser, auch ihr Bruder spielte Fussball. Als Mädchen hätte sie gerne Fussball gespielt, mangels Angebots hat sie schlussendlich Handball gespielt. Ihr Vater habe auch einen Sinneswandel durchgemacht. Früher war er dem Frauenfussball kritisch eingestellt, heute findet er ihn spannend.

Frauen sollen auf dem Feld und abseits vertreten sein

«Im Frauenfussball ist weniger Kraft da als bei den Männern, daher sind die Spiele technischer und manchmal kreativer»,

erklärt Meier. Das würde die Spiele attraktiv für die Zuschauenden machen. Oft werden die Spiele aber mit weniger Kameras gefilmt als bei den Männern, daher wirken sie am Bildschirm weniger schnell und spannend als Männermatches. «Wir sind zwar auf dem richtigen Weg, doch Frauen im Fussball sind immer noch benachteiligt», so die Forscherin. Es sei wichtig, dass Frauen nicht nur auf dem Feld vertreten sind, sondern auch abseits beispielsweise als Funktionärinnen oder Schiedsrichterinnen.

Dem stimmt Heinz Hohl, Präsident des Solothurner Fussballverbands, zu. Ihm sei nicht nur die Mädchen-Nachwuchsförderung wichtig, sondern auch, dass Frauen im Verband vertreten sind. Seit letztem Jahr ist die erste Frau, Albine Sulejmani, im Vorstand.

Wann ist der Anlass vom Sonntag ein Erfolg, Frau Geiser? «Wenn wir dadurch die Diskussionen rund um den Frauenfussball im Gang behalten können.»

Mehr Informationen finden Sie hier.

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