Solothurn
Über das Fertigmachen in Solothurn

Wolfgang Wagmann
Wolfgang Wagmann
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Die St. Ursen-Kathedrale ist eingerüstet.

Die St. Ursen-Kathedrale ist eingerüstet.

Tom Ulrich

«Habe fertig!» Der legendäre Spruch von Ex-Bayern-Trainer Giovanni Trappatoni hat auch schon 23 Jährchen auf dem Buckel – doch uns kommt es wie gestern vor. Für Solothurn dagegen trifft das «Trapp»-Bonmot keineswegs zu. Nichts, aber auch gar nichts haben wir fertig. Der St. Ursenturm ist immer noch eingerüstet. Und die 2000-Jahr-Féte unseres Stedtlis auch im 2001. Jahr nach der Gründung von Salodurum in der Warteschlaufe geblieben. Weder Stefanie Ingold, noch Laura Gantenbein oder Pascal Walter, geschweige denn Markus Schüpbach können behaupten: «Habe fertig!» Das trifft höchstens auf die Brownies zu, die der FDP-Kandidat noch extra für seinen letzten Samstagauftritt am Märet selbst gebacken hatte. Nun gut, er weiss jetzt wenigstens, wie’s geht, nach den Sommerferien. Und wenn wir schon beim Thema sind: «Fertig hat» auch noch keineswegs der Stadtpräsident seine Amtszeit. Steht doch derzeit nicht einmal fest, ob Kurt Fluri wenigstens auf Allerheiligen abdanken kann. Solothurn, die unfertige Stadt.

«Habe fertig!» möchte das Stadtbauamt schon längst in der Causa Postplatz verkünden. Das inzwischen zum «Potzplatz» mutierte Politikum dürfte eins bleiben. Denn auf die Gemeindeversammlung hin ist Widerstand gegen das endlich vom Gemeinderat genehmigte Projekt angekündigt. Der Bus soll künftig hinde- statt voredüre fahren, damit das People «unplugged», also BSU-frei, den Aareraum geniessen kann. Nichts macht so fix und fertig als anscheinend Fertiges, das nie fertig wird.

Fertig oder nicht? Die Riesenschmiererei über die ganze Eisenbahnbrücke hinweg könnte es sein. Denn offenbar blieben die Antira-Tüncher, die dort nächtens gewirkt hatten, völlig ungestört bei ihrem Tun. Beeindruckend, die Leistung. Muss doch Stunden gedauert haben, bis sie Trappatoni zitieren konnten: «Habe fertig!» Oder kommt da in den Schriftzug noch etwas Farbe rein? Hmm, vielleicht heisst es bei den Vandalen aber auch: «Flasche leer.»

Fertigkeiten haben speziell Solothurnerinnen ja so einige. Das Lismer Anni selig würde sicher ab dem mächtigen Gobelin zu Ehren des Frauenstimmrechts im Kreuzacker ausflippen. Annis Nachfolgerinnen, die «Femilismer-Annis», hatten nun auch Grund dazu: Da wollte doch einer sie und ihr Werk mit dem Feuerzeug fertigmachen. Doch wir sind in Solothurn. Wo zum Glück niemals gilt: «Habe fertig!» Schon gar nicht «gemacht».

Doch wann endlich haben wir fertig, was uns seit gut 15 Monaten umtreibt? Gefühlt wohl erst, wenn wir Samstags über den Märet flanieren - heiteren Antlitzes, weil ohne Maske. «Habe fertig!»