Solothurn
Von Marlene bis Tucholsky – Mit «Tanz auf dem Vulkan» lässt die Kulturgarage die 1920er-Jahre wieder aufleben

Ab Donnerstag meldet sich die Kulturgarage in Solothurn wieder mit einer Eigenproduktion zurück. Dabei wird das Publikum ins swingende Berlin der 1920er-Jahre zurückführt.

Helmuth Zipperlen
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Einblick in die Theaterprobe von «Tanz auf dem Vulkan».

Einblick in die Theaterprobe von «Tanz auf dem Vulkan».

Hanspeter Bärtschi

Jens Wachholz, Hanspeter Bader und Ben Jeger haben eine Revue unter dem Titel «Tanz auf dem Vulkan» zusammengestellt, welche das Publikum ins swingende Berlin der 1920er-Jahre zurückführt. Letzten Sommer machte sich Jens Wachholz Gedanken, wie dies vor hundert Jahren nach dem Ersten Weltkrieg und angesichts der Spanischen Grippe gewesen sein könnte. Bald stellte er fest, dass es Parallelen zur Gegenwart gibt. Als Ben Jeger eine Affinität zur Musik der damaligen Zeit hegte, war der Startschuss zu diesem revueartigen Programm gelegt.

Es galt, Texte und Musik zusammenzustellen. Mit Kurt Tucholsky, Al­fred Kerr, George Grosz, Kurt Schwitters und Carl Zuckmayer konnten bedeutende Autoren zugezogen werden. Bei der Musik ist an den aufkommenden Ragtime zu denken, aber auch an die reiche musikalische Vielfalt und auch deren Gegensätze. Neben den kulturellen Anlässen konnten die Berlinerinnen und Berliner sich auch für den Sport begeistern mit Boxkämpfen, Radrennen oder Fussball. «Wer Berlin hatte, dem gehörte die Welt» ist nur eines der verwendeten Zitate. Darüber hinaus hat Wachholz auch einiges von seiner Grossmutter mitbekommen, welche die «Roaring Twenties» selber erlebt hat und mit vielen Künstlerinnen und Künstlern bekannt war.

 «Tanz auf dem Vulkan» mit Jens Wachholz, Hanspeter Bader, Ben Jeger.
10 Bilder
Ben Jeger an den Instrumenten.

«Tanz auf dem Vulkan» mit Jens Wachholz, Hanspeter Bader, Ben Jeger.

Hanspeter Bärtschi

Josef von Sternheim hat mit seinem Film «Der blaue Engel» viel von dieser pulsenden Atmosphäre eingefangen, und das Publikum erfährt von Marlene Dietrich mit ihren eigenen Worten, wie sie zu dieser Rolle gekommen ist, welche ihr eine Weltkarriere ermöglichte. Es wird musiziert, rezitiert, gespielt und projiziert. Ben Jeger, stilecht gekleidet, intoniert am Fagott aus «Sacre du Printemps» von Igor Strawinsky. Jens Wachholz und Hanspeter Bader durchqueren, parallel einen Text sprechend, den Raum und enden auf dem Podium. Sie lesen, sprich schreiben, eine Theaterkritik im Stil einer Boxkampf-Reportage.

«Ich bin von Kopf bis Fuss auf Liebe eingestellt»

Chansons von Friedrich Hol­laender dürften auf keinen Fall fehlen, stammt doch von ihm das einzigartige «Ich bin von Kopf bis Fuss auf Liebe eingestellt ...». Der Gesang der beiden Schauspieler wird von Ben Jeger am Klavier begleitet. So weit die Eindrücke von einer Probe. Es sind aber weitere Instrumente vorhanden, welche Ben Jeger sicher im Laufe der Vorstellung hörbar macht. Im literarischen Teil überwiegt Tucholsky, hat er doch unter verschiedenen Pseudonymen der Gesellschaft den Spiegel vorgehalten.

Aufführungen: am 6., 7., 8., 27., 28. und 29. Mai je 20 Uhr. Reservation erforderlich: jenswachholz@bluewin.ch oder Telefon 078 824 94 12