«Im Sommer ist die Drogerie 90 Jahre alt geworden.» Nun verschwindet sie Mitte Dezember – auf Ende Jahr müssen Marianne Tresch und ihr siebenköpfiges Team das markante Haus an der Gurzelngasse mit der rosa Fassade sowie den schmiedeisernen Balkon- und Fenstergittern verlassen. 2002 hatte sie mit ihrem Mann Martin die Drogerie übernommen, insgesamt 28 Jahre war sie für ihre Kundschaft da gewesen. «Es hat neben der Bedienung immer interessante Gespräche gegeben», erinnert sie sich gerne an diese Zeit. Als sich das Ende der Drogerie abzeichnete, hatte sie sich vermehrt dem Unterricht in der Berufsschule verschrieben. «80 bis 90 Stunden in der Woche kamen da jeweils zusammen.» Doch sieht die Fachfrau die Doppelbelastung auch positiv: «Hier im Geschäft konnte ich die Ideen abholen, die ich dann in der Schule weitergeben durfte.»

Fataler Hausverkauf

«Stets mit viel Engagement waren wir und unser Team Ihr Ansprechpartner für Gesundheit, Schönheit und Wohlbefinden. Dies wollten wir auch in Zukunft für Sie sein», informiert Marianne Tresch derzeit ihre Kundschaft schriftlich. «Leider ist es anders gekommen. Wir sind gezwungen, nach mietrechtlichen Differenzen unser Ladenlokal zu räumen.» Zwar habe man sich bemüht, einen neuen Standort zu finden, doch sei die Suche ergebnislos geblieben, erklärt die Drogerie-Inhaberin weiter.

Hintergrund des Endes war ein zweimaliger Hausverkauf, der letzte vor drei Jahren an eine Tessiner Immobilienfirma gewesen. Diese will dem Vernehmen nach das Geschäft nun selbst weiter betreiben. «Es haben sich jedenfalls schon zwei Verkäuferinnen auf die angebliche Information hin gemeldet, dass hier ein Kleidergeschäft entstehen soll.» Immerhin hätten ihre sieben Angestellten, davon einige mit Teilzeitpensum, zumindest fürs Erste eine Lösung gefunden, bestätigt Marianne Tresch weiter.

Wenn die Miete stimmt

Das auf Pisoni zurückgehende Altstadthaus, das vor rund 40 Jahren seine heutige Gestalt erhalten hatte, umfasst im ersten Obergeschoss Büro-und Lagerräumlichkeiten. Die weiteren Obergeschosse beinhalten renovierte Wohnungen. Die Drogerie Gerber war neben dem üblichen Angebot für einige Spezialitäten bekannt. So führte Martin Tresch ein breites Sortiment an Heilsteinen – vom Bergkristall über den Rosaquarz bis hin zu Topassen, Lapislazuli oder gar Meteoriten.

«Um so etwas zu finden, müssen Sie heute schon bis Zürich fahren», weiss Marianne Tresch. Auch Sämereien konnte die Kundschaft in der Drogerie Gerber erwerben – «die gibt es bis auf Bio-Samen im ‹Gänterli› nun auf Stadtboden auch nicht mehr.»

«Die Altstadt verändert sich», teilt Marianne Tresch die Ansicht vieler Beobachter, angesichts des rasanten Strukturwandels und vieler Geschäftsaufgaben. Sie wundert sich über die zunehmende Zahl von Immobilien-Geschäften, die in der Altstadt eröffnen – das scheine der neueste Trend zu sein. Natürlich sei das Geschäftsleben generell für die Drogerien nicht einfach geworden, angesichts der vielen Vorschriften für die Branche und auch der Pflicht zur Anstellung von Fachpersonal. Doch die Frequenzen in der Altstadt seien immer noch gut, und deshalb ist Marianne Tresch überzeugt: «Es hätte in Solothurn durchaus noch Platz für eine Drogerie gehabt. Vorausgesetzt, die Miete stimmt.»