Solothurn
Sonderausstellung im Naturmuseum: Die Zauneidechse braucht mehr Unordnung

Die Sonderausstellung «Zauneidechse. Alles in Ordnung?» im Naturmuseum Solothurn zeigt auf, mit was die Eidechse zu kämpfen hat und wie sie die Welt sieht.

Judith Frei
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Alles in Ordnung? Sonderausstellung Zauneidechse Naturmuseum.

Alles in Ordnung? Sonderausstellung Zauneidechse Naturmuseum.

Nicole Hänni

Sobald man die Treppen hinunter in die Sonderausstellung des Naturmuseums Solothurn geht, fühlt man sich plötzlich nur wenige Zentimeter gross angesichts der übergrossen Hauskatze, die die Eintretenden fixiert. Sie sitzt in einer Wiese und lugt durch die Gräser hindurch. So muss es also den kleinen Tieren angesichts dieser Jägerin gehen.

In der Ausstellung «Zauneidechse. Alles in Ordnung?» steht aber nicht der Stubentiger im Fokus. «Es gibt rund 1,7 Millionen Hauskatzen in der Schweiz», erklärt Thomas Briner, Museumsleiter des Naturmuseums. Es müssen Wege gefunden werden, dass die Zauneidechsen und die Katzen nebeneinander leben können. Sie ist auch längst nicht der einzige Feind der kleinen Eidechse. «Die Zauneidechse braucht kleine Strukturen, wo sie sich vor ihren Feinden verstecken können», so der Biologe.

Zauneidechsenpaar: braun das Weibchen, grün gefärbt das Männchen während der Paarungszeit.

Zauneidechsenpaar: braun das Weibchen, grün gefärbt das Männchen während der Paarungszeit.

Petra Graf

Mehr Unordnung ist gut für die Zauneidechse

Die Zauneidechse ist ein ungefähr 25 cm langes Tier. Das Männchen hat eine grüne Färbung, das Weibchen ist braun. Im Vergleich zu der Waldeidechse und Mauereidechse ist sie grösser und plumper, die anderen Echsenarten sind kleiner und wirken agiler. «Die Zauneidechse ist auf der Roten Liste als ‹verletzlich› aufgeführt. Also noch nicht gerade vom Aussterben bedroht, aber weil die idealen Lebensräume fehlen, sind die Bestände am Schrumpfen», erklärt Briner.

Darauf spielt auch der Titel der Ausstellung an: «Alles in Ordnung?» Denn auf der einen Seite ist die Situation dieser Echse nicht in Ordnung und auf der anderen Seite herrscht zu viel Ordnung in den Gärten, auf landwirtschaftlich genutzten Flächen, am Wegesrand. Durch diese Ordnung verschwinden die Lebensräume der Zauneidechse. Heute ist sie auf Unterstützung angewiesen.

Die Zauneidechse will sich nicht mehr als in einem Umkreis von 30 Metern bewegen. In diesem Radius braucht sie hohes Gras, wo sie Käfer findet, Stein- oder Asthaufen, wo sie sich versteckt; Sand, wo sie ihre Eier legt und Flächen, wo sie sich in der Sonne aufwärmt.

«Es ist nicht schwierig, einen Lebensraum für das Tier im eigenen Garten herzustellen»,

ist Briner überzeugt. In der Ausstellungen werden dafür Tipps gegeben.

Bilder aus der Ausstellung.

Bilder aus der Ausstellung.

Nicole Hänni

Gleichzeitig findet man in der Ausstellung Informationen zur Systematik, zum Verhalten, zur Ökologie, zur Verbreitung und Gefährdung der Zauneidechse. Die Informationen sind in Bildern, Filmen, interaktiven Stationen sowie lebensechten Reptilien-Modellen und Präparaten von Feinden und Beutetieren aufbereitet. Alle Texte sind in Deutsch, Französisch und Englisch.

Auch in der Region wird die Zauneidechse unterstützt

Die Ausstellung stammt aus einer Zusammenarbeit zwischen dem Natur-Museum Luzern und der Albert-Koechlin-Stiftung (AKS), die sich für die langfristige Förderung der Zauneidechse in der Innerschweiz einsetzt.

Auch hier in der Region, im Gebiet Bucheggberg, wird die Zauneidechse gefördert. Die Stiftung WIN Wieselnetz und die Schweizerische Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz (karch) initiierten ein Pilotprojekt, das vom Forstbetrieb Bucheggberg umgesetzt wird. Hier werden nicht nur Stein- und Asthaufen für die Zauneidechse errichtet, sondern auch Tümpel für Gelbbauchunken im Wald ausgehoben und viele Laufmeter Waldrand aufgewertet.

Doch jetzt würde man die Zauneidechse nicht in freier Wildbahn beobachten können. Seit August sind die Männchen in ihrem Winterschlaf, im Oktober haben sich die letzten Jungtiere zurückgezogen. Erst wieder im März kommen sie aus ihrem Versteck hervor. Dann kann man sie wieder beobachten, wie sie sich in der Sonne aufwärmen.

Die Sonderausstellung «Zauneidechse. Alles in Ordnung?» findet vom 11. November bis zum 18. April 2022 statt und ist auf Deutsch, Französisch und Englisch.

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