Vorstadtchilbi
Solothurner Bruderschaft Sanctae Margarithae feiert im Coronamodus eine «Suure Chilbi»

Die traditionelle Solothurner Vorstadtchilbi lief am Sonntag alles andere als im traditionellen Rahmen ab. Das tat der Stimmung in der Bruderschaft Sanctae Margarithae aber keinen Abbruch.

Mark A. Herzig
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Empfang auf dem Dornacherplatz
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Suuri Chilbi der Marghritenbruderschaft Solothurn mit bewaffneten Bewachertruppen..
Empfang auf dem Dornacherplatz
Der neu zusammengesetzte Vorstand
Die Fahne
Blick ins Zelt zu den Gästen
Der Obmann ad interim
Der Obmann ad interim
Suuri Chilbi der Marghritenbruderschaft Solothurn : StadtprŠäsident Kurt Fluri hŠält die Festrede
Suuri Chilbi der Marghritenbruderschaft Solothurn : StadtprŠäsident Kurt Fluri hŠält die Festrede
Kurt Fluri häŠlt die Festrede
Suuri Chilbi der Marghritenbruderschaft Solothurn auf dem Dornacherplatz mit Redner Kurt Fluri© Oliver Menge Fotograf BR
Suuri Chilbi der Marghritenbruderschaft Solothurn auf dem Dornacherplatz mit Redner Kurt FluriIm Bild: Blick ins Zelt zu den GŠsten© Oliver Menge Fotograf BR

Empfang auf dem Dornacherplatz

Oliver Menge

Um sieben in der Früh rollte der Donner von elf Böllern durch die sonst noch verschlafene Vorstadt. Damit begrüsste die Bruderschaft Sanctae Margarithae am Sonntag mit dem Tagwachtschiessen den Tag ihrer heuer nicht so traditionellen Vorstädter-Chilbi. Nach dem Getöse schwebten flotte, harmonische Klänge des Frühkonzerts der Blaskapelle Solothurn – es war ihr 100. Auftritt am Tagwachtschiessen – durch die Gassen. Beim anschliessenden Festgottesdienst zelebrierte Paul Rutz die Messe und Rolf Weber hielt die Ehrenpredigt.

Dass Brüder und Schwestern sich zu diesem feierlichen Akt anmelden mussten, war coronabedingt neu, ebenso, dass das darauf folgende Hirzehörnli-Zmorge von Vorstand und Honoratioren nicht bei den Spitalschwestern, sondern in einer Taverne der Vorstadt abgehalten wurde.

Ganz neu dann das Bruderschaftsmahl in einem Festzelt auf dem Dornacherplatz und nicht im grossen Saal des Alten Spitals. Zu Krebsensuppe und Stroganoff wurde ein Mineralwasser offeriert - und das bei den Margrithenbrüdern! Immerhin blieb es ihnen unbenommen, sich selber mit anderer Tranksame einzudecken.

Chilbi und Generalversammlung wurden zusammengelegt

Eröffnet wurde mit dem Chilbimarsch zum 55. Mal durch die Kapelle Gebrüder Reber. Obmann a.i. Rolf Jenni begrüsste die 150 wohlgelaunten Anwesenden, unter ihnen auch Ehrenkleidträger Hanspeter Roth. Sogleich wurden auch die Stimmenzähler gewählt. Da merkte man endgültig, dass heuer pandemiebedingt fast alles etwas anders ablief: Chilbi und Saure Leber (Generalversammlung) waren zur «Suure Chilbi» zusammengelegt.

Dann folgten noch vor dem Hauptgang die vaterländische Ansprache von Kurt Fluri und die wohlgereimten Protokolle von Rolf Jenni in seiner Funktion als Cancellarius. Unmittelbar darauf erfolgte – ebenfalls gewohnte Abläufe durchbrechend – die Totenehrung.

Stadtpräsident und Nationalrat Kurt Fluri freute sich, ein zweites Mal nach 1995 den Toast aufs Vaterland ausbringen zu dürfen. Er liess die (meist positiven) Veränderungen gerade in der Vorstadt kurz Revue passieren, von weiterhin freiem Dornacherplatz über Verkehrsverminderung und Parkhaus bis zu Berufsschule und Bildungsdepartement. Das neue Potenzial habe die Privatinitiative und neuen Optimismus geweckt.

Fluri wechselte zur eidgenössischen Politik: «Man spricht heute viel über Gräben. Früher den Rösti-, heute eher über den Stadt-Landgraben.» Und er rief in Erinnerung: «Wir sind keine Nation mit geografisch einheitlichem Staatsgebiet, mit einer Sprache, einer Kultur, eher das Gegenteil. Von einer Willensnation spricht man nicht vergebens. Ein solches Land mit starken zentrifugalen Kräften verträgt keine grossen Gräben politischer Art. Deshalb sind Menschen, Gruppen und Parteien gefragt, die solche Gräben überbrücken und ausgleichen helfen.»

Er schloss: «Eine Gemeinschaft mit gemeinsamen Werten kann diese nur dann zur Wirkung bringen, wenn sie diese Werte in ihrem Kern pflegt und lebt. Und diese Werte sind die Werte unserer Bruderschaft: Freundschaft, Solidarität, Freiheit, Gemeinsinn.»

Die Corona bedingten Veränderungen sollen nicht beibehalten werden

Nach dem Mahle eröffneten der von Rolf Jenni, jetzt wieder als Cancellarius, deklamierte Bericht über die Dornacherschlacht des Solothurner Historikers Robert Glutz von Blotzheim und das Bruderschaftslied den Generalversammlungsteil der Suure Chilbi.

Säckelmeister Sacha Bärtschiger präsentierte für die Jahre 2019 und 2020 positive Rechnungen, die vom Rechnungsrevisor Daniel Wälti traditionell scharfzüngig bekrittelt wurde. Rechnung wie Revisorenbericht erhielten per heftigen Applaus einhellig Zustimmung.

Nach dem krankheitsbedingten Rücktritt von Obmann Patrick Schwaller fand man einen neuen in der Person von Rolf Jenni. Ihm als Cancellarius folgt neu André Kilchenmann. Für eine weitere Amtsperiode wurde Peter Neuenschwander bestätigt, Sacha Bärtschigers Amtszeit endet im kommenden Jahr. Nach dem Schluss war natürlich nicht Schluss – die Teilnehmenden verteilten sich auf die Tavernen der Vorstadt, nicht zuletzt, um diese aussergewöhnliche «Suuri Chilbi» zu bewerten.

Die Bruderschaft hat sich als flexibel erwiesen. Ob sich gar einige der beschriebenen Veränderungen als dauerhaft erweisen werden, ist allerdings fraglich und aus Sicht der St. Margrithenbrüder auch nicht wünschenswert.

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