Bis vor 15 Jahren versuchte hier noch das Berner Warenhaus Loeb Fuss zu fassen, dann stand die Liegenschaft einige Jahre leer. Nun ist neues, «Leben-erhaltendes» Leben an der Poststrasse 14 eingekehrt: Der Nieren-Spezialist Stefan Farese hat mit den beiden Kardiologen Andrea Grêt und Jan Novak das Herz- und Nierenzentrum HNZ Aare eröffnet. «Die Baubewilligung haben wir im März erhalten», erzählt Farese, und dann musste alles sehr rasch gehen.

Nun arbeitet ein 14-köpfiges Team in der neuen, topmodern eingerichteten Gruppenpraxis, davon fünf Angestellte in der Praxis-Assistenz und vier Pflegefachleute in der Dialyse-Abteilung, die von Fareses Frau Vesna geleitet wird und mehrere spezielle Räume umfasst. Damit nicht genug der familiären Querbeziehungen in der Liegenschaft: Auf der anderen Seite, an der Wengistrasse, führt Stefans stadtbekannter Vater Toni Farese seit über 50 Jahren das Hotel Astoria.

Guter Abgang im Bürgerspital

Das Führungs-Trio des neuen Zentrums vereint ein gemeinsamer Berufsabschnitt: Alle drei waren zuletzt am Bürgerspital tätig gewesen. Stefan Farese, zehn Jahre lang im «Bürgi» Leiter der Nierenabteilung, hat seine Ausbildung in Bern und Aachen absolviert. «Ich hatte einen guten Abgang bei der Solothurner Spitäler soH. Ich durfte sogar bei meiner Nachfolge mitreden.» Und ganz gekappt sind seine Verbindungen zum vorherigen Arbeitsort nicht: Zu 20 Prozent arbeite er noch als Senior Consultant dort, «und am Wochenende leiste ich noch Nieren-Dienst». Daneben ist er einen Tag am Universitäts-Spital Basel und einen Tag im Tiefenau-Spital Bern anzutreffen. Für Farese macht das neue Konstrukt durchaus Sinn: «Herz und Nieren passen gut zusammen. Beides sind Organe, die mit dem Kreislauf zusammenhängen.»

Alles Wichtige bei Herzensangelegenheiten

Der Nierenspezialist oder Nephrologe ist sehr oft mit chronischen Leiden seiner Patienten konfrontiert, die sich im schlimmsten Fall dreimal wöchentlich an der Poststrasse einer Nierenwäsche oder Dialyse unterziehen müssen – wobei man zwischen der Bauch- und der Blut- oder Hämo-Dialyse unterscheidet. Ebenso gehören die Vorbereitung und Nachkontrolle von Spendern wie Empfängern bei Nierentransplantationen zu Fareses Patientenkreis. Er wie seine beiden Praxismitglieder arbeiten bei grösseren Eingriffen mit Spitälern wie dem Universitätsspital Basel oder dem Inselspital/Tiefenau zusammen.

Der Kardiologe Jan Novak gilt als Spezialist für Herzrhythmusstörungen und war fünf Jahre lang leitender Arzt im Bürgerspital, nachdem er seine Ausbildung in London und im Inselspital absolviert hatte. Dort war auch Andrea Grêt zur Herzspezialistin ausgebildet worden, sie wirkte zuletzt zwölf Jahre lang im Bürgerspital. Das Angebot der beiden umfasst das ganze Spektrum der Kardiologie vom EKG über Belastungstests, Ultraschall- und andern Tests, dann aber auch die Implantation von Herzschrittmachern oder deren «Batteriewechsel». Dazu kommen die bei Herzrhythmusstörungen üblichen katheterbasierten Verödungen, die auch bei Vorhofflimmern oder Kammerrhythmusstörungen praktiziert werden.

Warum man sich gefunden hat

In der ständig komplexer werdenden Medizin ist ein regelmässiger Austausch zwischen den einzelnen Spezialisten für die Behandlungsqualität sehr wichtig. Andrea Grêt ist deshalb überzeugt, «dass die Patienten der Praxis von unserer Zusammenarbeit und den kurzen Wegen profitieren können.» Jan Novak erkennt einen weiteren Vorteil der Gruppenpraxis: «Die Zuweisungsstrukturen über die Hausärzte sind seit langem vorhanden.»

Stefan Farese, der mit seinem kardiologischen Kollegen auch Zusammenarbeits-Verhandlungen mit der Privatklinik Obach geführt hat, gibt aber den tieferen Grund für die Praxis-Gründung und den Abgang im Bürgerspital preis: «Es sind die Veränderungen im Spitalwesen, die uns nicht mehr gefallen haben.» Der Wachstumsdrang zu mehr Grösse führe zu Anonymität und ständig wechselnden Zuständigkeiten für die Patienten. Das werde im HNZ Aare vermieden: «Wir spüren, dass unsere Patienten gerne erfahrene Ansprechpartner haben. Wir sind hier an einem idealen Standort. Alles befindet sich auf einem Boden.»

Nur den Eingang, den muss man kennen: Poststrasse 14 heisst, es gibt nur den Zugang auf der Westbahnhofseite, wo sich vor Jahren ebenfalls die Hauptpost befand. So verändert sich Solothurn.