Stadtbummel

Solothurn braucht einen Kühlkataster

Das Temperaturbild zeigt die bevorstehende Hitzewelle.

Mobilitätskonzepte, millionenschwere Bipperlisi-Upgrades, Rahmengestaltungspläne, Parkplatzregimes, Grossprojekte auf der grünen Wiese, Gastrozonen, Masterpläne. Und darüber hinaus Verdichtung, Verdichtung und noch einmal Verdichtung. Im ganzen abstrakten Planungsdschungel, der in Solothurns Amtsstuben wuchert und in dem sich nur wenige Ortskundige einen Überblick verschaffen können, fehlt doch das Alltagspraktische.

Alltagspraktisch nämlich wäre es nämlich zum Beispiel, sich für den riesigen Haartrockner zu wappnen, den Petrus nächste Woche aus seinem Gewand zieht, um ihn über das Antlitz Mitteleuropas streifen zu lassen. Konkret werden auch die Schweiz, Solothurn und damit seine Bewohner – gnadenlos mitgrilliert. Dabei würde die daraus abzuleitenden Farbnuancen unserem Grillgut besser stehen als uns. Und ausserdem käme der bislang ungenutzte CO2-neutrale Solargrill wirkungsvoll zum Einsatz, wenns mal richtig «bränntet». Doch zurück zum planerischen Teil unserer Überlegungen: Solothurn braucht einen Kühlkataster mit Erschliessungskonzept. Oder ins Alltagssprachliche übersetzt: Fluchtwege, die uns von der drohenden Sommerhitze ins Kühle führen. Hinter der Wortschöpfung «Kühlkataster», liebe Planer, steht eine Erfindung, die den erbarmungslosen Sommer etwas erträglicher macht.

Dies ist nicht als fragwürdiger Aufruf zu verstehen, sich heimlich in den wunderbar gekühlten Weinkeller der Bürgergemeinde einzuquartieren oder sich verbotenerweise in andere Kühlräume einzukerkern. Vielmehr enthält das besagte Kataster beispielsweise schattige Baumreihen. In ihm finden sich aber auch sämtliche Wasserflächen, die sich beispielsweise mit Gummiböötli und Plastikinseln (nicht zu verwechseln mit jenen auf den Weltmeeren) oder anderen schwimmenden Vehikeln befahren lassen: Denn bereits jetzt wird die Aare von der bekannten Armada der Spasskapitäne okkupiert. Und natürlich gilt die für August geplante Wasserrutsche am Chronestutz als temporär umzonierte Kühlparzelle. Das Allerwichtigste darf man nicht vergessen: Der Kühlkataster enthält eine Übersicht aller Solothurner Zapfhähne – und zwar lückenlos. Petrus’ Haartrockner kann kommen.

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