Vor der Parkuhr stehend nach dem nötigen «Münz» kramen – das kann man auch in Zukunft machen. Muss man aber nicht. Ab Montag tritt die Stadt Solothurn ins digitale Parkgebühren-Zeitalter ein. Neu kann das Parkieren auf rund 760 bewirtschafteten städtischen Parkfelder neben dem regulären Weg auch bargeldlos beglichen werden – per Smartphone. Aufkleber, die morgen Donnerstag durch die Stadtpolizei Solothurn an den rund 60 Nummernautomaten und 11 Ticketautomaten angebracht werden, zeigen konkret auf, wie es geht.

Dazu wurden stadtweit 33 Zonen definiert, in denen sich zwischen einer und sieben Parkuhren befinden. Die Felder hinter der Schranke des City-Parkplatzes bleiben von der «Digitalisierung» ausgeschlossen. Eine solche ist derzeit aus Kostengründen nicht geplant.
«Wir wollen den Nutzern die Freiheit geben, aus drei Systemen auszuwählen», erklärt Marcel Christ, der als Dienstchef Technischer Dienst bei der Stadtpolizei für die Umsetzung verantwortlich zeichnet.

Virtuelle «Drehscheibe» kommt zum Einsatz

Das System ParkingPay der Schweizer Firma Digitalparking AG kommt bereits in den drei Parkhäusern Berntor, Baseltor und Bieltor zur Anwendung. Auf ein vorher angelegtes Benutzerkonto lässt sich ein Betrag in beliebiger Höhe überweisen. Bei der Einfahrt sowie der Ausfahrt aus dem Parkhaus wird die ParkingPay-Karte eingelesen und der entsprechende Betrag gemäss Parkdauer abgebucht.

Bei der Anwendung auf freistehenden Parkfeldern wird für ParkingPay-Kunden hingegen keine Karte notwendig sein. Entweder erkennt die App via GPS-Funktion des Handys den gegenwärtigen Standort, oder aber man gibt die vor Ort gekennzeichnete Parking-Zone manuell ein. Danach lässt sich die voraussichtliche Parkdauer über eine virtuelle «Drehscheibe» angeben, worauf der Betrag abgebucht wird. Fährt man vorzeitig weg, kann man die Parkuhr stoppen und erhält den Restbetrag zurücküberwiesen. Umgekehrt lässt sich währenddessen die Parkzeit auch bis zur Maximaldauer verlängern.

Systeme mit oder ohne Zuschlag

Das zweite System «Easypark» wird in über 1000 Städten in ganz Europa genutzt – und nun eben auch in Solothurn. Es funktioniert ähnlich wie ParkingPay, allerdings stellt der Dienstleister seinen Abonnenten gemäss Website eine Transaktionsgebühr von 19 Rappen pro Stunde in Rechnung. Bei ParkingPay kommt kein Aufschlag dazu: Es gelten die üblichen Tarife, die je nach Nähe zum Stadtkern zwischen 1.20 Franken und 2 Franken pro Stunde betragen.

Als dritte mögliche Methode kommt das bekannte Bezahlsystem Twint zum Einsatz. Indem er einen an der Parkuhr angebrachten QR-Code einscannt, einmalig das Autokennzeichen erfasst und die Parkzeit angibt, kann ein Nutzer die Zahlung auslösen. Auch hier kann die Parkzeit verkürzt oder verlängert werden. Allerdings weist Marcel Christ darauf hin, dass das Nachzahlen ohne Umparkieren auch auf digitalem Weg grundsätzlich nicht gestattet ist.

Solothurn fährt weiterhin zweigleisig

Polizisten verfügen ihrerseits über eine eigene App, um zu überprüfen, ob ein Kunde seine Parkgebühren auf digitalem Weg beglichen hat. «Da wir aber weiterhin doppelgleisig fahren, müssen wir auch an der Parkuhr selbst prüfen, ob ein Automobilist nicht allenfalls doch mit Bargeld bezahlt hat.»

Auf der anderen Seite erhofft man sich bei der Stadtpolizei mittelfristig einen geringeren Aufwand – gerade beim Unterhalt. «Langfristig könnte sich die Zahl der Parkuhren verringern», wendet Marcel Christ ein.

Doch aktuell seien keine Entwicklungen in diese Richtung im Gange. Denn: Auf die Möglichkeit, mit Bargeld zu bezahlen, will man in Solothurn vorderhand nicht verzichten. In Grenchen beispielsweise hatte der punktuelle Abbau von Parkuhren zu Aufruhr in der Bevölkerung geführt. Ein offenes Geheimnis ist hingegen, dass der Trend weltweit in diese Richtung geht: nämlich weg vom «Münz».