Solothurn ist ein Massstab. Aber nicht immer ein positiver. Wann immer die Nachtleben-Kolumne im Zürcher «Tages-Anzeiger» schreiben will, wie Zürich nicht werden soll, blickt man auf Solothurn. «Solothurn gilt als Schlafstadt ...», hiess es zuletzt. Solothurn müsse lernen: «In einer Stadt wird nun mal nicht nur geschlafen, sondern auch gelebt.» Tönt gut. Aber darum geht es hier nicht.

Wir bummeln durch das Schweizer Medienarchiv. Was wurde 2018 auswärts über die Stadt Solothurn geschrieben? Man muss sagen: herzlich wenig. Die meisten Blätter verschlafen Solothurn. Für Medienberichte sorgte tragischerweise vor allem die Brandkatastrophe. Sonst sorgen die grossen Anlässe für etwas Interesse: 478-mal schrieben Deutschschweizer Medien 2018 den Begriff «Solothurner Filmtage», 165-mal «Solothurner Literaturtage».

Und wen nimmt man wahr? Kurt Fluri dominiert alle. 1430 Einträge zeigt das Medienarchiv für ihn. Pirmin Bischof schafft es nur auf 1349. Die beiden Stadtsolothurner liegen damit klar an der Spitze der kantonalen Bundesparlamentarier. Wobmann, Imark oder Hadorn schaffen es auf 500 bis 600 Einträge. Und sonst? Sandra Boner interessiert (99 Einträge), Dani Fohrler (85), Chris von Rohr (201), Peter Bichsel (372), Ypsomed-Chef Simon Michel (178) oder Bischof Felix Gmür (409). Daniela Ryf hätte noch mehr, aber die läuft unter Feldbrunnen.

Kurt Fluri übrigens wurde 2018 gleich oft erwähnt wie Corine Mauch, die Stadtpräsidentin des viel grösseren Zürich, das gleich mehrere Tageszeitungen hat. Das könnte sich Zürich ja auch mal zum Massstab nehmen: «In einem Stadtpräsidium wird nun mal nicht nur geschlafen, sondern auch gelebt.» Dann braucht man gar kein Nachtleben darum herum.