Solothurner Filmtage

Sie hört des Filmvolkes Stimme

© Andreas Kaufmann

Der zehnte «Prix du Public» wird heute vergeben. Von Anfang an dabei: Astrid Bucher.

Unter allen Formaten der Filmtage ist der «Prix du Public» vielleicht das demokratischste. Startet im Landhaus, in der Reithalle oder im Konzertsaal ein Film aus der Reihe des Publikumspreises, so laden grüne Urnen zur Stimmabgabe ein. Mit drei, zwei oder einem Sternchen drückt der Zuschauer via Wertungskarte Wohlgefallen bis Missfallen über das Gesehene aus.

Eine, die die Reihe seit im Jahre 2007 nun zum zehnten Mal miterlebt und mitgestaltet hat, ist Koordinatorin Astrid Bucher. Sie war von der Geschäftsstelle der Solothurner Filmtage angefragt worden, die Leitung des neugegründeten Formats zu übernehmen. 

Heute schart die 36-jährige Journalistin und PR-Fachfrau eine rund 15-köpfige Mannschaft um sich und koordiniert deren Arbeitseinsätze.

An je drei Spielstätten informiert ein Viererteam Zuschauer, stattet sie mit Stimmkarten aus und nimmt diese nach dem Film ausgefüllt wieder entgegen – stattliche 70 Prozent aller Karten kommen denn auch ausgefüllt zurück. «Ein beständiges, eingespieltes und selbstständiges Team», lobt Bucher. Sie selbst zählt die mittlerweile an jedem Festival rund 8000 eintreffenden Karten zu Hause ab. In Zehnerbüscheln geordnet und per Briefwaage abgewogen, schafft sich Bucher rasch einen Überblick über das sich abzeichnende Spitzenfeld.

Strenge Auswertung

Genauigkeit wird grossgeschrieben: Einmal machten gerade mal drei Karten den Unterschied zwischen dem Sieger und dem Zweitplatzierten, erinnert sie sich. Mit fast schon amtlicher Strenge erklärt sie hingegen jene Stimmzettel für ungültig, die mehr als ein Kreuzchen tragen und mehr als einen Film bewerten. Auch wer mogeln will, hat es schwer: «Mir fällts auf, wenn jemand mehrere Karten zum gleichen Film abgibt», sagt Bucher.

Aber: Abstimmen darf jeder, auch wenn der eine oder andere Schauspieler selbst darunter ist. Massgeblich ist aber die Stimme des «Filmvolkes». Der «Prix du Public» ist auf alle Fälle ein Indiz, dass die Filmtage breitenwirksamer geworden sind. «Der Preis hat dazu beigetragen, dass sich noch mehr Leute für die Filmtage interessieren», sagt Bucher. Ein Nachbar von ihr sei vom Filmtage-Muffel zum Enthusiasten avanciert, «es kommt zu wichtigen Annäherungen», so Bucher.

Und gerade um die Menschen geht es Astrid Bucher ganz zentral: «Ich mag die Besucher und komme gerne mit ihnen in Kontakt.» Auch beobachte sie regelmässig interessiert, wie die Besucher nach einem Film reagieren: «Nach einem schwierigen Film tun sie sich schwer mit der Bewertung, während es bei einer unterhaltenden TV-Produktion wesentlich einfacher geht. Und wenn ein polarisierender Film lief, scheiden sich die Geister sowieso.»

«Es ist ein besonderes Gefühl, neben Direktorin Seraina Rohrer und dem designierten Regisseur die Einzige zu sein, die den Gewinner kennt. Doch ich sage nichts!» Mit dem heutigen Tag endet dann Buchers Arbeit. Und spätestens heute Donnerstag Abend wissen es dann doch alle: Der mit 20 000 Franken dotierte Preis wird nämlich um 18 Uhr (Aufführung: 20.30 Uhr) im Landhaus vergeben – zum zehnten Mal.

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