Solothurn

Seraphisches Liebeswerk feiert 100-Jahr-Jubiläum

Der Vereinsvorstand des Seraphischen Liebeswerks im Jubiläumsjahr 2019 (v. l.): Estela Gabutan, Barbara Schuler, Käthy Arnold (Oberin der Schwesterngemeinschaft und Vereinspräsidentin) Mary Ann Siacor und Monika Rüttimann.

Am Samstag, am St. Ursentag feiert das Seraphisches Liebeswerk Solothurn seine Gründung im Jahr 1919 und somit das 100-Jahr-Jubiläum.

Viele Schweizer lebten nach dem Ersten Weltkrieg unter der Armutsgrenze. Ein Grund war, dass beim Militärdienst der Lohnausfall nicht erstattet wurde und es noch keine Sozialhilfe gab. «Die Not der damaligen Zeit machte den am Bürgerspital tätigen Krankenpater Florian Walker, den Arzt Fritz Spieler und seine spätere Frau Hilda Spieler-Meyer zu Verbündeten für Menschen in Not. Auf ihre Initiative wurde am St. Ursentag 1919 ein Verein namens Seraphisches Liebeswerk Solothurn gegründet, der notleidenden Kindern und Familien helfen wollte», erzählt SLS-Präsidentin Käthy Arnold.

Der Schutzpatron Antonius von Padua

Den Anstoss zum Hilfswerk gab das kleine Kind einer schwerkranken, alleinerziehenden Mutter. Der junge Assistenzarzt Spieler versprach ihr zu helfen und die Vereinsgründung erleichterte ihm die Aufgabe. Der Heilige Antonius von Padua wurde zum Schutzpatron bestimmt und das erste eigene Vereinsgebäude Antoniushaus getauft. Dieses ist schweizweit bekannt und prägt das SLS-Image noch heute. «Zumal der in der Volksfrömmigkeit tief verankerte Antonius bei Anliegen und verlorenen Gegenständen oft um Hilfe angerufen wird. Werden Bittsteller erhört, fliesst ein Obolus ins Antoniuskässeli», schmunzelt die ehemalige Präsidentin Marie-Theres Rotzetter. Der Anfang des Kinder- und Familienhilfswerks war bescheiden und wurde durch Spenden, Zuwendungen und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer ermöglicht. Einige von ihnen, damals «Fürsorgerinnen» genannt, wählten das Engagement für die Armen zur Lebensaufgabe. So entstand ab 1924 die Schwesterngemeinschaft, die sich der franziskanischen Spiritualität verpflichtete und im kleinen Riegelhaus an der Gärtnerstrasse ihre erste Wohn- und Arbeitsstätte hatte.

Sich immer wieder neu erfunden

Seit Beginn gehören Hilfsangebote für Kinder, Jugendliche und Familien zu den Grundpfeilern der Angebotspalette. So wie sich die Bedürfnisse und die Möglichkeiten des SLS veränderten, wurden soziale Dienste und Werke in den vergangenen Jahrzehnten angepasst, aufgehoben oder neue gegründet.

So wurde die Beratungsstelle Scala und das Theresiahaus, Ausbildungsstätte, für junge Menschen mit einer Beeinträchtigung, in eigene Trägerschaften überführt. An einigen früheren Standorten des SLS werden heute wichtige soziale Aufgaben durch andere Fachstellen wahrgenommen. Trotzdem ist das soziale Engagement noch immer immens. Im Tagesheim Ziegelmatte werden auch heute Kinder in einer liebevollen Atmosphäre ausserschulisch betreut und gefördert. An der Oberen Greibengasse 7 ist die Kleiderbörse untergebracht. Hier können Alleinerziehende oder Familien mit kleinem Einkommen sowie Asylsuchende für einen symbolischen Betrag das Notwendigste beziehen. Immer aktuell bleiben das Sorgentelefon und die Sorgenbriefe, wo direkt auf Anliegen eingegangen wird.

1979 wurde durch das SLS eine Gemeinschaft auf den Philippinen gegründet, die heute rund 50 Mitglieder zählt. Diese sind philippinischer Herkunft und in verschiedenen Sozialprojekten und Stationen ihrer Heimat tätig. Für in der Schweiz lebende Philippinische Landsleute bietet das «Welcoming House» des SLS in Solothurn einen Ort des Begegnens und des Helfens.
Durch die vielfältigen Veränderungen hindurch war der Leitsatz von Fritz Spieler immer wieder Ansporn: «Seraphische Caritas bindet sich nicht an feste Formen. Sie tritt immer so auf, wie man sie gerade braucht», resümiert deshalb Käthy Arnold.

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