Solothurner Filmtage
Schweizer Kinofilm spielt auf Fischfarm in Seehof — die Besitzer sind in Solothurn keine Unbekannten

Was, wenn der Mann Ihres Herzens für Ihr schlimmstes Schicksal verantwortlich ist? Um diese Frage geht es im Schweizer Kinofilm «Von Fischen und Menschen», der im Rahmen der Solothurner Filmtage im Online-Stream zu sehen ist.

Nadine Linder
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Der Jura als Kulisse für grosse Gefühle
5 Bilder
Judith mit ihrer Tochter, als das Leben noch in Ordnung war.
Sie wird von Gabriel (Matthias Britschgi) auf der Farm unterstützt.
Zwischen den beiden entwickelt sich eine Liebesgeschichte.
Ihr idyllisches Leben im Jura wird durch einen Schicksalsschlag zerstört.

Der Jura als Kulisse für grosse Gefühle

Kacper Czubak

Eine abgelegene Fischfarm im Dorf Seehof im Berner Jura bildet die Kulisse zum Film «Von Fischen und Menschen». Wunderschöne, aber auch düstere Landschaftsaufnahmen untermalen eine tragische Geschichte. Es ist der erste Spielfilm der Berner Regisseurin und Drehbuchautorin Stefanie Klemm. Und er erzählt in veränderter Form von einem Erlebnis aus ihrem eigenen Leben.

Die alleinerziehende Mutter Judith, gespielt von Sarah Spale, die zuletzt in «Platzspitzbaby» zu sehen war, führt eine Fischfarm im Berner Dorf Seehof. Unterstützt bei ihrer täglichen Arbeit wird sie vom ehemaligen Drogensüchtigen Gabriel (Matthias Britschgi). Zwischen den beiden entwickelt sich eine Liebesgeschichte.

Die Regisseurin ist vom Leben inspiriert worden

Bei einem Überfall auf eine Tankstelle in Delsberg wird Judith aus ihrem idyllischen Leben gerissen. «Für mich hat der Teil des Filmes einen autobiografischen Auslöser», erzählt die Regisseurin Stefanie Klemm. Sie selber wurde vor zehn Jahren Opfer eines Tankstellenüberfalls in Frankreich. Sie wurde überfallen und zusammengeschlagen.

Die Berner Regisseurin Stefanie Klemm.

Die Berner Regisseurin Stefanie Klemm.

zvg

«Ich brauchte lange, um mich von diesem Trauma zu befreien», erklärt die 54-Jährige. «Gleichzeitig wurde ich dadurch aber auch stärker, wollte mich durch das Erlebte nicht aus der Bahn werfen lassen und daraus etwas Sinnvolles kreieren.»

Im Film «Von Fischen und Menschen» steht aber nicht nur die verzweifelte Judith im Vordergrund, sondern auch die Gefühlswelt des Täters. Welche Begebenheiten bringen einen Menschen überhaupt zu einer solchen Tat? «Mir war wichtig, beide Seiten dieses tragischen Ereignisses aufzuzeigen», sagt Klemm. «Ich wollte aufzeigen, wie das Böse in einem Menschen Überhand nehmen kann. Gleichzeitig aber auch, was mit einem Opfer passiert, das nicht verzeihen kann.»

Zwei Tage lang das Filetieren von Fischen geübt

Gedreht wurde während sieben Wochen insgesamt, davon vier auf einer Fischfarm und Forellenzucht im Dorf Seehof im Berner Jura. Die Besitzer sind in Solothurn keine Unbekannten. Regelmässig verkaufen die Brüder Thomas und Emanuel Hebeisen ihre Fische am Solothurner Märet. Die beiden brachten den beiden Hauptdarstellern für die Dreharbeiten das Töten der Fische, das Ausnehmen und das Filetieren bei.

Hebeisens sind mit ihrem Fischstand auch in Solothurn präsent. (Archiv) Verschiedene Stände Hohl, Hebeisen, Dubach Klostermetzg, Reinhard

Hebeisens sind mit ihrem Fischstand auch in Solothurn präsent. (Archiv) Verschiedene Stände Hohl, Hebeisen, Dubach Klostermetzg, Reinhard

Wolfgang Wagmann

«Anfangs waren wir schon etwas skeptisch, was da alles auf uns zukommt», erzählt Emanuel Hebeisen. «Für uns war alles neu, zeitweise auch hektisch, aber je besser wir die Filmcrew kennen lernten, umso entspannter wurde es. Wir schauten gerne beim Dreh zu und sie dürften alle jederzeit wieder kommen.»

Auch für die Regisseurin und Drehbuchautorin Stefanie Klemm war die Fischzucht in Seehof ein regelrechter Glücksfang. «Die Kulisse dieser Fischfarm war perfekt für unsere Geschichte», sagt sie. «Für mich war wichtig, dass die Farm nicht zu gross ist, um von einer Frau auch tatsächlich alleine geführt werden zu können. Gleichzeitig bot uns die Abgeschiedenheit dieser Farm all die wunderbaren Naturaufnahmen.»

«Von Fischen und Menschen» setzt auf leise Töne, unaufgeregte Dialoge und geht trotzdem oder gerade deswegen unter die Haut. Die Charaktere, wie auch der Schauplatz wirken authentisch. Insgesamt überzeugt der Film als bewegendes Drama, mit starken Schauspielern, das nachhallt und im Gedächtnis bleibt.

Erstlingswerk von Stefanie Klemm

Der erste abendfüllende Spielfilm von Stefanie Klemm läuft hier in Solothurn in den Wettbewerben Prix du Public und Opera Prima. Die 56. Werkschau des Schweizer Films bietet auch während der pandemiebedingten Online-Edition einen täglichen Austausch mit Schweizer Filmschaffenden.

Zu jedem Langfilm des Panorama Schweiz findet am Folgetag des Filmstarts ein Online-Filmgespräch statt. Das Publikum hat Gelegenheit, Fragen zu stellen. Im Anschluss kann die Aufzeichnung des Gesprächs als Video angeschaut werden. Der Film und das Gespräch können bis am Dienstag, 26. Januar, unter www.solothurnerfilmtage.ch angeschaut werden.

Stefanie Klemm, steht am Freitagabend, 22. Januar 2021, ab 20.00 für Publikumsfragen online zur Verfügung