Mitwirkung

Sanierung der Baselstrasse ist unbestritten – das zweite Bahngleis aber schon

Doppelstrecke für Bipperlisi in Solothurn geplant

Doppelstrecke für Bipperlisi in Solothurn geplant

Immer wieder kommt es auf der Baselstrasse in Solothurn zu Unfällen. Mit einer Sanierung und einer Umgestaltung soll für mehr Sicherheit gesorgt werden. Die Idee kommt nicht bei allen gut an.

Der Mitwirkungsbericht zum Betriebs- und Gestaltungsprojekt Baselstrasse zeigt ein klares Bild: Die Sanierung der Baselstrasse ist unbestritten, das zweite Bahngleis und der vorgesehene Mischverkehr stossen jedoch auf Skepsis.

«Dass Handlungsbedarf zur Sanierung der Baselstrasse besteht, stösst auf breite Akzeptanz», betonte Kantonsingenieur Peter Heiniger zum Sanierungsvorhaben zwischen swm Baseltor-Kreisel und St. Katharinen, bei dem der Kanton als Bauherr auftritt. Mit im Boot sitzt die Aare Seeland Mobil asm als Bahnbetreiberin des «Bipperlisis», das neu doppelgleisig auf dem einen Kilometer langen Streckenabschnitt fahren soll. Dies habe, so Heiniger, in der Mitwirkung wieder die Grundsatzdiskussion um einen Bus-Ersatz der Bahn aufflammen lassen. Doch das sei kein Thema mehr, bestätigte er eine Erklärung, welche die Bahn-Verantwortlichen Anfang Januar bereits abgegeben hatten. Wie sie hielt auch Heiniger nochmals fest, dass das Sanierungsprojekt «nicht bahngetrieben» sei, und «es hat auch nichts mit dem Viertelstundentakt zu tun. Dafür braucht das Bipperlisi in Solothurn nicht zwei Gleise, denn der Kreuzungspunkt dafür ist in St. Katharinen.»

Es gibt keine Alternativen zum Mischverkehr

Heiniger ortete jedoch bei den Mitwirkenden eine grosse Skepsis, ja sogar eine Ablehnung der vorgeschlagenen Mischverkehr-Variante. «Doch dafür gibt es keine Alternative», betonte auch Patrick Kissling Cotti, Leiter Verkehrstechnik im Amt für Verkehr und Tiefbau AVT. Er verwies auf drei Studien aus dem letzten Jahren, die dies alle belegen würden. Zudem zeigte er die Funktionstüchtigkeit des Mischverkehrs in einem Kurzfilm auf, wo das doppelgleisige Tram in Wabern den Strassenraum mit täglich 17000 Autos teilt – auf der Baselstrasse seien es bloss 12000. «Es kommt in Wabern zu keinen Staus und die Trams verkehren pünktlich», versuchte er diese in der Mitwirkung oft geäusserten Kritikpunkte zu entkräften. Ein entsprechendes Verkehrs-Management sorge für reibungslose Abläufe. Befürchtungen wegen des Fluchtverkehrs aufgrund der verstopften Autobahn werde man überprüfen und bei der Planung mit einbeziehen.

Nochmals mit der Denkmalpflege reden

Ein zentraler Knackpunkt für die Planer ist die Organisation des Velo- und Fussverkehrs neben dem Strassenraum für Bahn und Auto. Getrennt ist das wegen der Engpässe bei denkmalgeschützten Bauten und Ensembles nicht überall möglich, was vor allem Procap als Verband für Menschen mit Handicaps gar nicht goutiert. «Wir werden nochmals mit der Denkmalpflege reden, und auslosten, ob es Spielraum gibt», will Kissling versuchen, mehr Platz für diese Bedürfnisse zu schaffen. «Aber auch Procap muss sich bewegen», appellierte er an die Kompromissbereitschaft aller Parteien. Bei vielen Anstössern ist die Erschliessung ihrer Grundstücke ein grosses Thema, das man gemeinsam angehen möchte. Und weit oben im Sorgenbarometer der Mitwirkenden stehe die eigentliche Bauphase, die noch nicht konkretisiert worden sei.

Weniger Lärm und verantwortbare Kosten

Auch Umwelteinflüsse wie Lärm und Erschütterungen durch den zweigleisigen Bahnbetrieb beschäftigten die Kritiker. Die Umweltauflagen müssten eingehalten werden – «das Bahngeleise wird in einen Tramtrog mit Isolationsschicht verlegt und die Strasse erhält einen lärmdämmenden Belag», versprach Patrick Kissling gar weniger Lärm und Erschütterungen nach der Sanierung mit Doppelgeleise.

Schliesslich relativierte Peter Heiniger auch die bisher genannten Kosten von 30 bis 40 Mio. Franken. «Es handelt sich erst um eine Grobkostenschätzung. Die Sanierung mit nur einem Gleis hätte auch 22,5 bis 20 Mio. gekostet.» Man erhalte mit der Mischverkehrsvariante viele zusätzliche Verbesserungen – «das Projekt ist wirtschaftlich und hat ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis.»

Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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