Adventskalender in Solothurn

Ritter Frost, König Winter und der Murmelkarl: Erste Vorstellung lockte viele Kinder in das Theater Delly

Die erste Vorstellung des kulturellen Adventskalenders in Solothurn lockte viele kleine und grosse Zuschauer ins Theater Delly.

«Veronika, Veronika», rufen 14 Kinderstimmen und herab kommt sie, fest auf der hölzernen Wendeltreppe auftretend. «Stapf, stapf, der Winter ist da», ruft sie theatralisch und so beginnt die erste Vorstellung des kulturellen Adventskalenders des Vereins Kinder-Kultur Solothurn. Vor wenigen Minuten durfte ein Mädchen, das schon lesen konnte, das erste Türchen des Adventskalenders öffnen und den Namen der Künstlerin vorlesen: Veronika Medici. Diese beugt sich jetzt über ihr Puppentheater und erzählt mit ihrer tiefen, durchdringenden Stimme das Märchen vom Murmelkarl, dem König vom Waldbach, der nicht wahrhaben will, dass der Winter anbricht und dass es Zeit für den Winterschlaf ist.

«Wann kommt eigentlich der Samichlaus?»

Um in die kleine Bühne zu sehen, rücken die Kinder immer weiter vor und schauen gebannt auf den uneinsichtigen König, der so lange auf seinem Stein sitzen bleibt, bis er wegen dem Ritter Frost und dem König Winter eingefroren und eingeschneit an seinem Bach sitzt. «Wie heute Morgen», ruft die Künstlerin. Die Kinder lachen und rutschen auf ihren Sitzkissen aufgeregt umher.

Immer wieder zaubert Veronika etwas hinter dem kleinen Vorhang hervor: Eine kleine Truppe Zwerge, die den Weg für den Samichlaus freischaufeln, und dann der Chlaus, der einen Schlitten mit Geschenken zieht. «Wann kommt eigentlich der Samichlaus?», fragt Veronika die Kinder und wie aus der Pistole geschossen Antworten sie. Den Sonntag können sie kaum erwarten. Nach dreissig Minuten ist der Murmelkarl wieder aufgetaut und die Lichter gehen an.

Die Kinder bestaunen noch lange das Bühnenbild, die Eltern unterhalten sich und Veronika setzt sich auf einen Stuhl und ist froh über den gelungenen Auftritt. «Ich hatte schon lange keine Auftritte mehr», erklärt sie. Dass letzte Mal habe sie im Theater Delly für den Grauen Panther gespielt, erklärt sie fast ein wenig wehmütig.

Ein Theater, um Kindern Kultur nahezubringen

«Ich war schon ein wenig nervös, ob überhaupt Zuschauer kommen werden», erklärt Markus Knellwolf, vom Verein Kinder-Kultur. Aber schon um 14 Uhr haben sich 12 Kinder angemeldet – zwei sind am Abend noch spontan gekommen. Mit den Erwachsenen waren 19 Zuschauer anwesend, mehr als 20 Leute sollten so oder so nicht kommen, um die Sicherheitsabstände einhalten zu können. Anmelden kann man sich aber nur immer am gleichen Tag, damit keine Plätze frei bleiben.

Der Verein wurde diesen Februar gegründet, um Kindern einen Zugang zur Kunst jeder Art zu vermitteln. Dabei soll die Kunst niederschwellig, auf «Augenhöhe» vermittelt werden und bleibende Erinnerungen hinterlassen, wie man auf ihrer Website lesen kann. Die Aufführung mit dem Murmelkarl an dem Tag, als der erste Schnee fiel, hat Potenzial, um sich in den Kinderköpfen zu verankern. Die Frage bleibt: Wer wird heute für sie auftreten?

Autorin

Judith Frei

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