Bielstrasse 160

Regierungsrat tritt bei Genossenschafts-Bauprojekt auf die Bremse

Die Liegenschaft an der Bielstrasse 160/162 wird vom Regierungsrat provisorisch geschützt

Vollbremsung für Genossenschaftsbau: Der Regierungsrat stellt die Liegenschaft Bielstrasse 160 provisorisch unter Schutz und sistiert so das Projekt einer Zürcher Baugenossenschaft.

Rund 60 Genossenschaftswohnungen sollten dort entstehen, wo sich heute die Liegenschaften Bielstrasse 158, 160 und 162 befinden. So die Pläne der im Herbst noch zuversichtlich gestimmten Zürcher Baugenossenschaft «Frohes Wohnen». Doch nun steht das Projekt wegen eines Regierungsratsbeschlusses auf wackligen Beinen. Das blassrosafarbene Haus mit Hausnummer 160 von anno 1897 wurde nämlich mitsamt dem strassenabseitig gelegenen Magazingebäude provisorisch unter Schutz gestellt.

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Nach Abrissgesuch aktiv geworden

«Die Initiative kam von uns», bestätigt dazu Stefan Blank, Leiter der kantonalen Denkmalpflege, auf Anfrage. Nach Kenntnis des plötzlichen Abbruchgesuchs durch die neuen Eigentümer im vergangenen Oktober sei man aktiv geworden. Damals war bereits bekannt, dass auch der Entwurf des neuen städtischen Bauinventars die Liegenschaft als «schützenswert» einstuft. Das wäre insofern kein Problem für die Bauherrschaft, als das neue Bauinventar eben noch nicht in Kraft getreten ist. Anders sieht es mit der aktuellen provisorischen Unterschutzstellung seitens des Regierungsrates aus.

Zeit gewinnen für vertiefte Überprüfung

Wie Blank ausführt, schützt diese Massnahme den Bau während eines Jahres vor der Abrissbirne. «Durch die gewonnene Zeit ist es uns möglich, genauere Untersuchungen zum Zustand des Hauses anzustellen und dabei auch die Frage zu klären, ob es mit einem verhältnismässigen Aufwand auf Vordermann gebracht werden kann.»

Weiter Bestandteil einer solchen Überprüfung wäre auch die Frage, ob das 120-jährige Hauptgebäude in die Pläne der Baugenossenschaft integriert werden könnte. «Diese Prüfung und die Möglichkeit, zwischen Erhalt und Abbruch eine fachliche Abwägung durchzuführen, hat bislang gefehlt. Und die Bauherrschaft ging von Anfang an davon aus, dass man das Haus abreissen kann.» So wie der Prozess bisher gelaufen ist, sei es «nicht ideal», sagt Blank.

Was wusste die Bauherrschaft?

Laut Andrea Lenggenhager, Leiterin des Stadtbauamts, hatte sich die Baugenossenschaft vorgängig über die aktuelle Schutzklassifikation erkundigt. «Wir haben die Baugenossenschaft informiert, dass die Gebäude im heutigen Inventarnicht klassiert sind», so Lenggenhager. Die Bauherrschaft selbst wusste nach eigenen Angaben vor dem Kauf von keinerlei Absichten etwas, das Gebäude unter Schutz zu stellen.

Dies bestätigt Franz Horner, Projektleiter für das Solothurner Bauprojekt bei «Frohes Wohnen». Erst durch die Anfrage dieser Zeitung habe er vom jüngsten Regierungsratsbeschluss erfahren und sei nicht durch den Kanton Solothurn informiert worden. «Uns war aber bewusst, dass ein Entscheid für oder gegen unser Projekt anstehen würde.» Über weitere Weichenstellungen will die Baugenossenschaft «Frohes Wohnen» kommunizieren, sobald man sich vertieft mit dem Regierungsratsbeschluss auseinandergesetzt hat.

Bauherr: «Unsere Absichten bleiben bestehen»

Auch wenn der Entscheid aus dem Solothurner Rathaus für die Zürcher Bauherrschaft ein Dämpfer sein muss, unterkriegen lassen will man sich nicht: «Wir lassen es jetzt auf uns zukommen. Und unsere Absicht, in Solothurn Genossenschaftswohnungen zu schaffen, bleibt zu 100 Prozent bestehen.» Schliesslich habe man auch einen Zuspruch von Stadtpräsident Kurt Fluri erhalten, dass diese Wohnform in Solothurn erwünscht sei.

Fluri bestätigt die positive Grundhaltung gegenüber dem genossenschaftlichen Wohnungsbau. So hat er als Nationalrat Einsitz im politischen Beirat des Baugenossenschaftsverbandes Wohnen Schweiz. «Wir haben Kenntnis von diesem Bauprojekt und begrüssen es», sagt Fluri. Die Einteilung des Gebäudes als «schutzwürdig» sei hingegen von der städtischen Baukommission gekommen. Als weitere Stolpersteine könnten sich auch die vier noch hängigen Einsprachen erweisen, die gegen das Bauprojekt beziehungsweise gegen den Abbruch der Gebäude eingegangen waren.

«Eine wertvolle Bausubstanz»

Stefan Blank seinerseits betont, dass die städtische Klassifizierung keinen Einfluss auf den Regierungsratsbeschluss hatte. Stattdessen sei die Denkmalpflege selbst zum Schluss gelangt, dass eine nähere Prüfung des Gebäudes nötig sei. «Das Gebäude hat eine wertvolle Bausubstanz und einen hohen Bestand an bauzeitlichen Bau- und Ausstattungselementen. Will heissen: «Da nur wenig Umbauten vorgenommen wurden, ist vieles noch im Originalzustand, so wie es für ein Haus des ausgehenden 19. Jahrhunderts typisch ist», sagt Blank. Im Regierungsratsbeschluss wird das dekorative Dachwerk gewürdigt, ebenso qualitätsvolle Gipsdecken und Parkettböden. Der Schutz bezieht sich auch auf den Aussenbereich, insbesondere auf den Zusammenhang mit dem ebenfalls schützenswerten Magazingebäude.

Man bleibt ergebnisoffen

Dass es vor der Handänderung keine Anhaltspunkte für eine Unterschutzstellung gegeben haben soll, lässt Blank nicht gelten: So sei das Gebäude im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder ISOS als Einzelobjekt aufgeführt. Was die nun anstehende Prüfung des Hauses angeht, will die kantonale Denkmalpflege aber ergebnisoffen bleiben. «In der Abwägung wird sich zeigen, ob das Haus bestehen bleibt oder nicht», so Blank.

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