Radio-Talkshow
Erster Auftritt auf nationaler Bühne: Stefanie Ingold, die singende Solothurner Stadtpräsidentin, gibt jetzt den Ton an

Solothurns neue Stadtpräsidentin Stefanie Ingold war zu Gast bei «Persönlich», der Live-Talksendung von Radio SRF 1. Wie schlug sie sich?

Susanna Hofer
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Die Radiosendung «Persönlich» mit Stadtpräsidentin Stefanie Ingold wurde aus dem Stadttheater Solothurn übertragen.

Die Radiosendung «Persönlich» mit Stadtpräsidentin Stefanie Ingold wurde aus dem Stadttheater Solothurn übertragen.

Corinne Glanzmann

Das Interesse ist gross, eine persönlichere Seite der neuen Solothurner Stadtpräsidentin kennen zu lernen: Viele stehen am Sonntagmorgen trotz Schneeregen vor dem Stadttheater an, um mehr über Stefanie Ingold zu erfahren. Der Theatersaal ist bald voll, die Stimmung ist angeregt, und Moderatorin Daniela Lager ist sehr zufrieden mit dem Probeapplaus.

Sie habe vor fünf Jahren, so Lager, ihre Premiere als «Persönlich»-Moderatorin ebenfalls hier in Solothurn gehabt, und ebenfalls mit einem Stadtpräsidenten, dem jetzt abgetretenen Kurt Fluri.

Sonntags Zeitung lesen und Kaffee trinken

Im Vorlauf- und Aufwärmgespräch vor der Livesendung fragt Daniela Lager, was Stefanie Ingold machen würde an einem Sonntagmorgen wie diesem, wenn sie jetzt nicht hier wäre. Ingold sagt, sie würde im Bett liegend Zeitungen lesen und Kaffee trinken, das sei ihr Sonntagmorgen-Ritual. Anschliessend gehe sie mit ihrem Partner in den Tanzkurs.

Angesprochen auf die Solothurner Filmtage, sagt sie:

«Do schloht mis Härz höch, für d'Füumtäg.»

Sie sei Optimistin und schaue gelassen in die Zukunft, daher hoffe sie sehr, dass die Filmtage vor Ort stattfinden können. «Und schüsch mues mes näh, wie s isch.»

Nun beginnt die Live-Aufzeichnung. «Jetzt mache ich ganz etwas anderes», so lautet das Motto dieser Sendung, deren zweiter Gast neben Stefanie Ingold der ehemalige Banker Benedikt Germanier ist. Während dieser heute teure Skis aus speziellen Materialien wie Stein herstellt, unter anderem für Stars wie Antonio Banderas, war Ingold bekanntlich Schulleiterin in Solothurn. Auch sie fahre gerne Ski, so Ingold, miete allerdings die Bretter vor Ort.

«Da kommen sie, ohne die normale politische Ochsentour, aus dem Blauen heraus und werden gleich Stadtpräsidentin einer bürgerlichen Stadt: Wie war das möglich?», fragt Lager. Als Lehrerin und vor allem als Schulleiterin sei sie schon immer nahe an der Politik gewesen, erwidert Ingold; die aktive Beteiligung sei ihr aber erst möglich, nachdem ihre Kinder selbstständig genug waren. Es sei allerdings auch niemand anderes parat gestanden, als es um die Kandidatur ging.

Plexiglas herrscht: Benedikt Germanier, Stefanie Ingold und Moderatorin Danlela Lager (von links).

Plexiglas herrscht: Benedikt Germanier, Stefanie Ingold und Moderatorin Danlela Lager (von links).

Susanna Hofer

Und woher sie das Selbstvertrauen genommen habe? Ihre Schwester habe gesagt: «Mach doch du das!» Zuerst habe sie nein gesagt, «doch der Floh sass schon in meinem Ohr». Nach parteiinternen Diskussionen und Gesprächen mit ihrer Familie habe sie sich dann auf ihr Bauchgefühl verlassen und Ja gesagt. Sie habe viel Unterstützung für ihre schnell gefüllte Agenda bekommen: «Muess i öppis säge oder chani nume goh?»

Viele Antrittsbesuche auf der Agenda

Das sei schon eine grosse Herausforderung gewesen. Antrittsbesuche vom Oberoberfasnächtler über die kurdische Gesellschaft bis zu den Journalistinnen … es sei ein weites Feld.

Die heute 54-Jährige hat drei Kinder im Alter von 23 bis 18 Jahren: Ben Elia, Gil Leon und Vera Sofie; diese seien stolz auf ihre Mutter. Vera Sofie konnte gerade zum ersten Mal abstimmen, als ihre Mutter kandidierte. Ein Sohn studiert Wirtschaft und Politik, mit ihm diskutiere sie gerne über einschlägige Themen.

Auch ihr Partner Patrick repräsentiere gerne, wie sie auch; er habe schon vorher eine Fliege zum Anzug gehabt. Ingold kommt aus einem CVP-Haus, ihr Vater war Gemeindepolitiker. Als sie als junge Frau grün gewählt hat, habe er gemeint, er habe sie wohl falsch erzogen.

Zu ihrer Kandidatur sagte er nach langem Schweigen: «Solothurn wählt nie eine Rote.» Jetzt habe er aber Freude, und ihre Mutter riet ihr schon immer, sich nie finanziell abhängig zu machen.

Mitsingen in einer Frauenformation

Zu ihrem Hobby, dem Singen in der A-Cappella-Frauenband Liedschatten, sagt sie, ihre sechs Frauen hätten viel zusammen mitgemacht, von den Kindern über berufliche Dinge, aber auch Schicksalsschläge. Trotzdem gebe es auch viel zu lachen. Ihre Schwester ist auch dabei, sagt Ingold und lacht: «Singen, das nährt.»

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