Solothurn

Pointen über 2000 Jahre: Das «Schnuri Wuri» als fulminanter Fasnachtsauftakt

Zweimal auf den letzten Platz ausverkauft war das Kleintheater Mausefalle in Zuchwil, und die Fans des «Schnuri Wuri» brauchten ihr Kommen nicht zu bereuen: Die Macher von «11 Minuten» liessen 2000 Jahre Solothurn peppig Revue passieren.

Bereits zum vierten Mal hat sich die Reise nach Zuchwil gelohnt. Die von der 11-köpfigen Redaktion der Gratis-Fasnachtszeitung „11 Minuten“ ins Leben gerufene, vorfasnächtliche Veranstaltung „Schnuri Wuri“ im Theater Mausefalle ist eines der Highlights, das den Fasnächtlern die Zeit zwischen Hilari und dem Schmutzigen Donnerstag erträglicher macht und an Witz und Klamauk kaum zu überbieten ist.

Süffig   und schonungslos hat das professionell auftretende Team an zwei ausverkauften Abenden das Publikum während zwei Stunden köstlich amüsiert und mit unzähligen Sketches und Couplets beste Unterhaltung geboten. Mit viel Lust und Freude wurde unbeschönigt parodiert, gesungen, gespottet und hinterfragt, was sich im Stedtli während des vergangenen Jahres und der letzten 2000 Jahren zugetragen hat.

Als sich der Rhone- und Aaregletscher trafen

Was war naheliegender, als sich bei der Planung des Ereignisses mit früheren Zeiten auseinander zu setzen. Schliesslich beschäftigt sich Solothurn in diesem Jahr auf verschiedensten Ebenen mit seiner Vergangenheit. Unter  dem schummrigen Licht der alten Strassenlaterne, die ihre Reise mittlerweile durch die Stadt angetreten hat und nun Zwischenstation in der Mausefalle machte, ging im Eiltempo die Post ab.

Die Eiszeit, der Gletscherschwund, die Stadtgründung, Königin Bertha aus dem Burgund und ihre Entourage, der keltische Epona-Stein, der nach der Erkenntnis des 11-Minuten-Teams heutzutage durchaus auch als Einkaufsliste verwendet werden kann. Herrlich zu parodieren und in die Gegenwart zu ziehen liessen sich die kopflosen Märtyrer Urs und Viktor, die Geschichte der Weintransporte aus dem Welschland, besser bekannt unter der Bezeichnung „Chargé pour Soleure“.  Und damit verbunden der Solothurner Wein, der etliche Kritik einstecken musste und nicht allen Machern des Abend zu bekommen schien.

Als Solothurn sich nicht übergeben wollte

Dazu Hans Roth, der die Solothurner vor den Kyburgern rettete, welche später kläglich an ihrem Vorhaben scheiterten. Wie viel leichter wäre es doch gewesen das unbefestigte Grenchen einzunehmen, sinnierten die Macher des Vorfasnachtsanlassen, die auch mit ihren Masken von Stadtpersönlichkeiten das Volk zum Lachen brachten und die konfliktbeladene Geschichte mit Niklaus Wengi mit einem Blick auf heutige Persönlichkeiten herrlich zu parodieren verstanden. 

Selbst das Solothurner Wysüppli, verquickt mit dem ehemaligen Wirt des Zunfthauses zu Wirthen, Hermann Sali, sowie   die Gründung der HESO, die bekanntlich vor allem durch sein Säulirennen lebt, fanden einen Platz in der Geschichtslektion der aufmüpfigen Lästerer, bei denen – wie könnte es anders sein - im Vordergrund auch die Anfänge der Solothurner Fasnacht standen.

Ein melancholischer Abschied

Melancholische Stimmung schlich sich gegen Ende des Abends in den Theatersaal, als sich das Team unter der Moderation von Sven Witmer anschickte, einen Abgesang auf den baldigen Rücktritt des langjährigen Stadtredaktors der Solothurner Zeitung, Wolfgang Wagmann, auch unter dem Namen Wöfu bekannt, vorzubereiten.  Nebst dem Mitautor der Jubiläumsschrift zur Solothurner Stadtgeschichte, Peter Keller, war er als einziger auf die Bühne geladen worden. „Wir können uns die Zeitung ohne dich nicht vorstellen“, waren sich die „Elfminüteler“ unisono einig und sangen herzzerbrechend aus vollen Kehlen: „Dein Abschied tut weh.“

Einmal mehr erhob sich das Publikum zur stehenden Ovation bevor auf der Bühne das letzte Wort gesprochen und der letzte Song verklungen war und die ersten Exemplare der Zeitung „11 Minuten“ druckfrisch verteilt werden konnten.

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