Philipp Eberle, der seit einem Jahr in Solothurn wohnt, wagt sich an Dinge heran, die bei den meisten anderen Menschen mit gebrochenen Knochen oder blauen Flecken enden würden. Nicht so bei Eberle, dessen Freizeitbeschäftigung nichts mit Waghalsigkeit zu tun hat, wie er selbst sagt. Er ist ein «Traceur», so die Bezeichnung für all jene, die beim Parkour urbane Hindernisse überwinden, um schnellstmöglichst von A nach B zu gelangen.

Und was leichtfüssig ausschaut, ist keineswegs leichtsinnig. «Es geht um Selbstbeherrschung und Bescheidenheit.» Konkurrenzdenken und Missgunst hingegen haben hier nichts verloren. Auch würde Eberle nicht nur von einer Sportart sprechen: «Es ist vielmehr Arbeiten an sich selbst.» Der Blick, mit dem der junge Mann sein nächstes Ziel anvisiert, ist vielsagend. Im Kopf geht er die Bewegungsabläufe durch. Oder tüftelt an seinen nächsten Figuren herum.

Nicht so einfach, wies scheint

Für einmal hat sich Eberle eine Sportkamera um die Schultern gehängt: «Damit will ich ein Video drehen, womit man meine Tätigkeit aus der Ich-Perspektive mitverfolgen kann», um damit eines zu zeigen: dass es nicht so einfach ist, wies ausschaut, und dass die Abgründe tiefer reichen, als es scheint. Schweissperlen bilden sich auch auf der Stirn eines geübten Städteakrobaten: Er, der die Ausdrucksform immerhin seit viereinhalb Jahren mit feuriger Leidenschaft verfeinert, kommt in der warmen Herbstsonne und nach einigen «Moves» ins Schwitzen. Offizielle Wettkämpfe gibt es keine bei dieser Ausdrucksform, da sich diese vom Kräftemessen und von Rivalitäten distanziert. Und doch wird der Traceur allmählich zum Beruf: Die Berner Gruppe ParkourONE beweist es mit Kursen, Shows und Produkteverkauf. Reich wird man indes nicht dabei, lässt auch Eberle durchblicken, der selbst eine Lehre in einem Sportgeschäft macht. Zurzeit allerdings lässt er als Hobbytrainer andere unentgeltlich in sein Wirken blicken. Und wer weiss, vielleicht wirds für ihn eines Tages mehr als das sein.

Siegreich gegen Gravitation

Die Stadt Solothurn selbst eignet sich weniger für den klassischen Parkour, stellt Eberle fest. Wenig passende Objekte im Weg, die den Spurt abwechslungs- und hindernisreich gestalten würden. Aber Akrobatik an Ort und Stelle ist auch nicht schlecht. So halten beim «Perron 1» auf alle Fälle einige Passanten inne, um dem – hoffentlich immer siegreichen – Kampf gegen die Schwerkraft gebannt zuzuschauen.