Er gehört seit über 30 Jahren zum vertrauten Stadtbild: der Aussenstand des «Bistraito» oder heute «Gallo Nero» genannt. Hot-Dogs, Vanille-Berliner, Gipfeli und Züpfen, vor allem aber Schüblige und eine knackige St. Galler Bratwurst vom Grill waren das Markenzeichen in Lionel Privés Auslage am Märetplatz. Dann kam die Zäsur. Das Ehepaar Privé ging in Pension, und anfangs 2017 übernahm Chris van den Broeke das «Bistraito» nebst seinem Stammbetrieb, dem Zunfthaus zu Wirthen. Fatale Folge: Das Gewohnheitsrecht von Privé aufs Grillieren von Würsten erlosch.

Denn 2004 hatte ein neues Reglement dies untersagt und das Recht nur noch Privés und Stadtmetzger Wälchli zugestanden - aber nur solange sie selbst den Betrieb führen. «Ich durfte dann noch bis im Sommer 2017 draussen Würste grillen. Dann war Schluss», erklärt van den Broeke. Auch eine «Petitio» über diese Zeitung mit mehr als 600 Unterschriften sowie ein Vorstoss im Gemeinderat half nichts – der Bratwurst-Bann aufgrund der «Lex Grill«blieb. Nur noch drinnen zubereitete Würste durften in einem Warmholder vor sich hindümpeln. Und die wurden kaum mehr verlangt. «Es rentiert sich einfach nicht mehr. Und darum machen wir den Stand nach dem Sommer zu», so Chris van den Broeke.

Auch Crèpes verboten

Vorläufig wird vor dem «Gallo Nero» der Stand noch in reduziertem Ausmass betreiben, so bleibt beispielsweise das Outdoor-Glacé-Angebot bestehen. «Dann aber ist Schluss und die Standfläche wird zur Aussenterrasse geschlagen», so van den Broeke. «Mit dem Grillverbot sank nicht nur der Umsatz wegen der Würste, sondern es fehlten auch die Getränke dazu oder zusätzlich etwas Süsses.» Mit Ideen versuchte der Wirt die Kalbsbratwurst zu ersetzen. Doch die lancierten Crèpes stiessen ebenfalls auf behördliche Ungnade. «Sie waren an sich drinnen fertig zubereitet und wurden draussen nur aufgewärmt. Doch das galt schon als Kochen.» Und damit war auch dieses Thema vom Tisch.

Drei Stellen weg

Seit Chris van den Broeke das Restaurant mitsamt Aussenterrasse und –stand übernommen hatte, sah er sich dem Druck von behördlicher Seite auf das an sich unerwünschte Angebot ausgesetzt. «Die Altstadtkommission wollte den Stand gleich ganz weg haben.» Dann habe man sich auf das Entfernen des Zelts zugunsten einer Sonnenstore geeinigt. Die Argumentationsschiene der Behörden gegen das Freiluft-Angebot, gestützt auf das erwähnte Reglement: «Die andern dürfen auch nicht», bestätigt Van den Broeke.

Doch nun wirft er das Handtuch. «Das Ziel ist eine leere Stadt, die restriktive Politik setzt sich durch», verweist er auf die verwaisten Schaufenster auch in der Einkaufsmeile, dem «Ypsilon» von Gurzeln- und Hauptgasse. Auch weiss Chris van den Broeke nicht, ob er ohne ein florierendes Aussengeschäft die Pacht auf dem «Gallo nero» weiter tragen kann. So oder so: «Das Ganze wird jedenfalls drei Arbeitsplätze kosten», weist er auf eine weitere Konsequenz der Schliessung hin.