Solothurn

Nicht nur wer früh aufsteht, belohnt sich und die anderen

Es gilt: Immer schön der Reihe nach. hjs

Es gilt: Immer schön der Reihe nach. hjs

Wenn man sich beim Märet-Bummel in Solothurn korrekt verhält und die Augen offenhält, nervt man nicht und ist vor Überraschungen gefeit. Elf goldene Märet-Regeln.

Märet-Morgen. Zauberstunden im Solothurner Wochenablauf. Doch Märet heisst auch: Geduld, Nerven, Aufpassen. Besonders jetzt, wo alle wieder da sind: Touris, Stadtführungen, Poltergeister, andere Fasnächtler. Dazu die Minderheit der einkaufenden Bevölkerung. Damits weniger Stress gibt, hier elf goldene Märet-Regeln für mehr Märet-Spass.

1

Stehe früh auf. Aufstehen ist besser als Anstehen. Und der Spargel könnte schon um elf ausgegangen sein. Morgenstund hat Gold im Mund!

2

Schau Dich um beim Morgenschwatz! Du könntest im Weg stehen. Besonders ungünstig für Plaudertaschen: die Enge zwischen «Bistraito», jetzt «Gallo Nero», und «Manor», sowie zwischen der «Leinenstube» und dem Märetplatz-Brunnen.

3

Stoss Dein Velo nicht über den Märet. Du könntest Anstoss erregen. Gegen Kinderwagen, Rollatoren und Einkaufswägeli ist ja nichts einzuwenden. Aber Velos multiplizieren das Problem.

4

Sei vorsichtig I. Das Portemonnaie legt man nicht aufs Gemüse oder den Märetstand. Die Person nebenan könnte schneller sein, als Du denkst. Und fort ist das Portemonnaie. Schon mit eigenen Augen mit angesehen.

5

Sei vorsichtig II. Neuerdings gibts da einen Italiener, der Dein Budget strapaziert. Vier Trüffel-Tortellini und etwas Trüffel-Käse. «Sessanta!» Nein, 60 Franken zahle ich dafür nicht. Ist das Käsestück beim Einpacken nicht grösser geworden als das vorher Gezeigte? Mehr als 40 Stutz soll es allein kosten. Hmm! Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Oder einfach nicht mehr hingehen.

6

Mach Dir ein Bild. Von der Situation beim Anstehen. Merk Dir die Personen, die schon da sind. Vor allem aber diejenigen, die noch kommen. Sei fair und drängle nicht vor. Es gibt genug andere, vor allem Spezialistinnen. Mieser Trick: der hingehaltene Salatkopf, zur Not eine Lauchstange. Oder der abgedroschene Spruch: «Ich warte schon lange!» Andere warten dafür noch länger, obwohl sie vorher da waren. Insistieren ist schwierig – das Verkaufspersonal schaut nicht auf die Hackordnung. Es hat Besseres zu tun, als die Kundschaft auf Anstand und Ordnung zu kontrollieren.

7

Probiere ein Müsterli am Märetstand nur, wenn Du auch echtes Kaufinteresse hast. Zu überlegen ist ein kesser Spruch, wenn neben Dir ein junges Touri-Pärli ohne das geringste Interesse an der Ware wortlos 20 Redli Salami vom Karton wegpickt und weiter schlendert. Wie wärs mit: «Man kann im Fall die Wurst auch kaufen!»

8

Hunde gehören nicht auf die Märet-Runde. Trifft einer auf einen anderen gibts im Minimum ein Gebell. Oder sie wollen sich an die Gurgel fahren («nume spiele»). Zwei schräge Gestalten, die Leine quer im Märetgewühl gestrafft zu den kläffenden Kötern, das gibt immer ein unwürdiges Bild ab. Und behindert das Durchkommen – siehe auch Regeln 2 und 3.

9

Konzentrier Dich aufs Wesentliche. Bestell Deine Ware und behalt das Kochrezept für Dich. Gegen einen kurzen Schwatz mit dem Metzger oder Käser ist nichts einzuwenden. Aber eine Abhandlung über die Ziegenzucht im Jura im Allgemeinen und ihr Pendant im Schwarzwald, gehalten auf «Hauchdeutsch», kann hinten wartende Kundschaft beim Zuhören echt nervös machen. Auch hier gilt: Das Verkaufspersonal ist in der Regel so freundlich und beendet den Redefluss der Kundschaft nicht von sich aus. Sondern gibt Auskunft, solange die Geschwätzigkeit vor dem Stand anhält.

10

Nimm nur in die Finger, was Du auch kaufst! Denn ein Apfel kann sich nicht wehren. Der Kunde dahinter schon. Er lässt die Finger davon. Aber der Nächste beisst vielleicht rein.

11

Zuerst die Pflicht, dann das Vergnügen. Käfele mit Freunden, Morgenschwätzchen beim Cherzejeger oder im Coiffeursalon – erst nach dem Einkaufen. Wer nichts mehr braucht, ist entspannt, hat Zeit für andere. Auch wenn die vielleicht keine für Dich haben.

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