Interpellation

Nationalrat Kurt Fluri macht sich Sorgen ums Trinkwasser in Ackerbaugebieten

Die Konzentration der Abbauprodukte des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil im Grundwasser darf den Höchstwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter nicht überschreiten.

Der Solothurner FDP-Nationalrat Kurt Fluri hat sich diesen Monat gleich mit zwei Interpellationen zum Trinkwasser an den Bundesrat gewendet.

Seit Ende Juni gilt in der Schweiz: Die Konzentration der Abbauprodukte des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil im Grundwasser darf den Höchstwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter Grund- bzw. Trinkwasser nicht übersteigen. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit hatte die seit den 1970er Jahren als «nicht relevant» geltenden Abbauprodukte wegen ihrer gesundheitsgefährdenden Wirkung – der Stoff könnte krebserregend sein – als «relevant» erklärt.

Die EU hat ab 2020 ein Verbot des Pflanzenschutzmittels erlassen. In der Schweiz ist das Verbotsverfahren eingeleitet – bereits ab diesem Herbst soll Chlorothalonil in der Schweizer Landwirtschaft verboten sein. Bis die möglicherweise gesundheitsgefährdenden Metabolite aus dem Wasser verschwinden, könnte es lange dauern.

Der Bund schlug Massnahmen vor, wie etwa die Verdünnung des Trinkwassers, die Aufgabe von kontaminierten bzw. Erschliessung und Inbetriebnahme von neuen Trinkwasserfassungen oder die Aufbereitung von kontaminiertem Grundwasser. Nationalrat Kurt Fluri reichte am 11.September eine Interpellation ein, in der er wissen wollte, wer die Kosten dafür übernimmt. Bundesrätin Simonetta Sommaruga beantwortete die Frage am 16. September – und erklärte, wie grundsätzlich vorgegangen werden soll.

«Falls der Höchstwert überschritten ist, müssen die betroffenen Wasserversorger innert einem Monat den Wert im Trinkwasser unter den Grenzwert senken.» Das könne beispielsweise erreicht werden, indem das verunreinigte Wasser mit nicht-verunreinigtem aus einer anderen Grundwasserfassung gemischt werde. Falls ein Monat für die Senkung nicht reiche, müssten laut Sommaruga alternative Methoden geprüft werden. Für solche Fälle setze das Bundesamt für Landwirtschaft den betroffenen Wasserversorgungen eine Frist von zwei Jahren. Die Kosten seien derzeit nicht abschätzbar. Grundsätzlich würde das Verursacherprinzip gelten. «Ob Kosten überwälzt werden können, muss jeweils im Einzelfall geprüft werden», so Sommaruga.

Diese Aussagen riefen bei Kurt Fluri gleich die nächsten Fragen hervor. «Haben wir in Ackerbaugebieten bald ein Versorgungsproblem beim Trinkwasser?», titelt der Stadtsolothurner eine am 26.September 2019 eingereichte Interpellation.

Er wendet sich an den Bundesrat mit folgenden Fragen:  

1. Wie lässt sich die absurde Situation erklären, dass die Wasserversorger innert eines Monats Sofortlösungen finden müssen, während der gesundheitsgefährdende Wirkstoff Chlorothalonil weiter verkauft und durch die Landwirtschaft ausgebracht werden darf?

2. Wie müssen die gesetzlichen Grundlagen angepasst werden, damit das künftig nicht mehr möglich ist?

3. Viele betroffene Wasserversorger dürften die neuen Werte innert Monatsfrist nicht unterbieten können, weil z.B. keine unbelasteten Wasserressourcen zur Verfügung stehen, mit der belastetes Wasser verdünnt werden könnte. Tatsächlich mussten bereits Dutzende Grundwasserfassungen vom Netz genommen werden. Haben wir in Ackerbaugebieten ein Versorgungsproblem beim Trinkwasser?

4. Würde sich dieses Problem noch verschärfen, wenn der Bund – so wie die EU – die gesundheitsgefährdende Wirkung aller Chlorothalonil-Metaboliten anerkennen und sie alle als «relevant» einstufen würde? Wenn ja, was ist zu erwarten?

5. Die vom Bundesrat vorgeschlagenen Massnahmen betreffen ausschliesslich die Wasserversorgung, welche Chlorothalonil weder herstellt, zulässt, noch ausbringt. Sie zielen also auf das Ende der Problemkette (end-of-pipe), statt auf deren Anfang. Welche grundsätzlichen Hebel bestehen auf Seiten der Hersteller, Zulasser bzw. Anwender? Welche überprüfbaren Massnahmen ergreift der Bundesrat an diesen Stellen und bis wann?

Diese Antworten des Bundesrates stehen noch aus. (ldu)

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1