Nachruf
«Zeichnen ist meine Lebensfreude»: Solothurner Illustrator Jürg Parli ist 83-jährig verstorben

Der Solothurner Illustrator Jürg Parli ist letzte Woche nach kurzer Krankheit verstorben. Der gebürtige Bündner war jahrelang als Lehrer in Solothurn tätig und machte sich als «Jüpa» mit seinen Zeichnungen einen Namen. Ein Nachruf.

Judith Frei
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Jürg Parli mit seinem Leporello, das er zum 2000-Jahr-Jubiläum Solothurns gezeichnet hat.

Jürg Parli mit seinem Leporello, das er zum 2000-Jahr-Jubiläum Solothurns gezeichnet hat.

Michel Lüthi (Solothurn, 9.12.2020)

Ein Mann mit Hut sitzt vor einer Staffelei, um ihn herum stehen Menschen und schauen ihm über die Schultern, wie er eine Häuserzeile malt. «Zeichnen ist meine Lebensfreude», ist der Titel dieser Illustration. So hat sich Jürg Parli in seinem Leporello zum 2000-Jahre-Jubiläum der Stadt Solothurn verewigt. Letzte Woche ist er 83-jährig nach kurzer Krankheit verstorben.

Der gebürtige St.Moritzer lebte seit 1963 in Solothurn und hatte bis zu seiner Pension 1998 an der Kantonsschule Solothurn als Zeichenlehrer gearbeitet. Gleichzeitig hat «Jüpa» sich mit seinen Illustrationen einen Namen gemacht. Seine Figuren mit ihren grossen Nasen und dem Kopf, der direkt auf den Schultern sitzt, sind unverkennbar. Sie scheinen das Leben immer in vollen Zügen zu geniessen, sind oft fröhlich, unbeschwert, freundlich, mit einer gehörigen Portion Schalk hinter den Ohren. Gar der Teufel aus Jüpas Feder scheint umgänglich.

Jürg Parlis Lebenslauf, von ihm selbst gezeichnet.

Jürg Parlis Lebenslauf, von ihm selbst gezeichnet.

Dieses höfliche Teufelchen, das seinen Hut lüftet und nicht in die Unterwelt passt, ist auf dem Wandbild beim Bahnhofplatz gemalt. Das Wandbild von Jürg Parli – und nicht die St.Ursen-Kathedrale – ist auch das erste, was Besuchende oder Rückkehrende sehen, wenn sie den Bahnhof in Solothurn verlassen.

Dieses Wandbild hat er 1988 zum ersten Mal erstellt, als 74-Jähriger ist er dann nochmals auf das Gerüst gestiegen und hat 2012 das fast ausgeblichene Bild aufgefrischt.

Keine Werk von Jürg Parli wurde so oft angesehen wie das Wandgemälde am ehemaligen Stuag-Haus gegenüber des Solothurner Bahnhofs.

Keine Werk von Jürg Parli wurde so oft angesehen wie das Wandgemälde am ehemaligen Stuag-Haus gegenüber des Solothurner Bahnhofs.

Hanspeter Bärtschi

Über die Jahre hat er immer mal wieder die Fasnachtsplaketten entworfen: Insgesamt fünfmal kam er zum Handkuss. Für den Regierungsrat durfte er das Gästebuch illustrieren und für die Studentenverbindung Wengia hat er das Stammbuch mit seinen Männchen und Zeichnungen geführt; für die elfteilige Buchreihe «Solothurner Geschichten» der Regio Energie Solothurn gestaltete er zwei Bände.

Für das Schulblatt Aargau/Solothurn sowie die Engadiner Post, den Chardun und den La Quotidiana, hat er bis zuletzt seine Feder gespitzt. Die rätoromanische Sprache war Jüpas grosse Leidenschaft. Er war ein grosser Förderer. Dazu hat er während seiner Zeit als Zeichnungslehrer am Lehrerseminar in Solothurn Rätoromanisch-Kurse ins Leben gerufen.

Jürg Parli hat sich eine Finissage gewünscht

Das eingangs erwähnte Leporello zum Jubiläumsjahr sei eine Liebeserklärung an die Stadt, hatte er letztes Jahr anlässlich der Publikation gesagt. Er fühle sich zwar noch mit dem Bündnerland verbunden – insbesondere wegen der Sprache – doch sein Zuhause sei für ihn Solothurn und Riedholz, wo er zuletzt mit seiner Frau wohnte.

Der Illustrator setzte sich humoristisch mit seinem Tod auseinander.

Der Illustrator setzte sich humoristisch mit seinem Tod auseinander.

Jürg Parli

Am Fuss des Weissensteins, im Engadin und im rätoromanischen Sprachgebiet hat er überall seine Spuren hinterlassen. Seine Cartoons findet man unter anderem auf der Speisekarte im Restaurant zur Post in Riedholz, im «Pintli» in St.Niklaus und im Restaurant Chutz in Langendorf; ebenso an der Wand im Hotel Krone.

Dort hat er auch in den 1980er-Jahren für eineinhalb Jahre gewohnt. Dort will er auch verabschiedet werden. Statt einer Abdankung hat sich Parli eine Finissage mit Apéro gewünscht. Am 28. November kann man von 11.11 bis 15 Uhr eine von ihm für diesen Fall kuratierte Ausstellung mit kleinen Bildchen mit seinen Männchen im grossen Saal der «La Couronne» besuchen und Jüpa bei einem Glas Wein oder Bier a revair sagen.

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