Nach 50 Jahren ist Schluss
Ein letztes Mal dirigierte Urs Joseph Flury «sein» Solothurner Kammerorchester

Am Adventskonzert leitete der 80-jährige Urs Joseph Flury zum letzten Mal das Solothurner Kammerorchester. 50 Jahre lang war er dessen Dirigent.

Susanna Hofer
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Urs Joseph Flury bei einem früheren Konzert.

Urs Joseph Flury bei einem früheren Konzert.

Jose R. Martinez (27. August 2021)

«Ich bin zufrieden mit unserem Adventskonzert», sagt Urs Joseph Flury, als er im Nebenraum der Jesuitenkirche nach dem Schlussapplaus den Dirigentenkittel auszieht. Es ist sein letztes Konzert, es war seine 50. und letzte Saison, der Schlusspunkt einer langen Karriere. Der 80-jährige Dirigent, Violinist und Komponist durfte das Konzert mit dem Vorspiel und der Hirtenmusik aus einer Eigenkomposition beginnen, die bei vielen Solothurnern Erinnerungen weckt: Es ist das bekannte «Soledurner Wiehnechtsoratorium», das mit seinen orientalisch anmutenden und sehnsüchtigen Klängen an die Geburt Jesu erinnert.

«Seine Liebe zum Impressionismus ist nicht zu überhören, Bitonalität klingt an; romantisches Empfinden aber ist die Grundbewegung seiner Musik: Urs Joseph Flury, ein Komponist ausserhalb der Zeit, ausserhalb der Strömungen, nur der Ehrlichkeit verpflichtet», so wird es auf der Website des Solothurnischen Kammerorchesters formuliert.

Inspiriert wurde Urs Joseph Flury zum «Soledurner Wiehnechtsoratorium» damals durch das Oratorium »El Pessebre» von Pau Casals, das in Katalanisch verfasst wurde. Casals war ein Freund der Familie Flury und ein überzeugter Katalonier, der nach dem Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs ins Exil musste. Im Solothurner Konzert bildete dieses Oratorium von Casals den betörenden Ausklang des Adventskonzertes. Dessen Vorspiel ist als katalanischer Volkstanz gestaltet; darin spielt die «tible» eine wichtige Rolle, eine Art Oboe aus Holz.

Kammerorchester folgte mit Akribie und Hingabe

Aufgeführt wurde unter anderem auch das «Wiegenlied» von Edmund Wyss. Das reizende, traumvolle kleine Werk wurde von Urs Joseph Flury für das Adventskonzert instrumentiert. Ebenfalls inspirierend die «Fantasia on greensleeves» von Ralph Vaughan-Williams, spannungsvoll intoniert und von vibrierender und kontrastreicher Fülle. Werke von Bach, Haydn und Elgar vervollständigten das schöne Konzert. Das Solothurner Kammerorchester folgte seinem langjährigen Dirigenten an diesem 1. Adventssonntag mit Akribie und Hingabe.

Als Solist an der Orgel der wundervollen Jesuitenkirche brillierte Bruno Eberhard, der viele Jahre Dom-Organist an der St. Ursen-Kathedrale war. Auch ihn verbindet mit dem SKO und seinem Dirigenten eine lange gemeinsame Geschichte. Sie begann im Dezember 1979. Bruno Eberhard war in all diesen Jahren 17 mal Solist im SKO, öfter als jeder andere Musiker. Ebenfalls einen Abschied feierte der Präsident des SKO, der dieses Amt seit 32 Jahren innehatte, Ulrich Lips. Auch der versierten Konzertmeisterin, Ruth Fischer, wurde für ihr langjähriges Engagement gedankt. Das zahlreich erschienene Publikum verabschiedete Urs Joseph Flury und «sein» Kammerorchester mit warmem Applaus.

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