Diversität in der Schweizer Mundart ist, wenn 13 Künstler und Musiker aus den verschiedensten Landesteilen nach Solothurn kommen, um Kleinkunst in all ihren Formen auf die Bühne zu bringen. Diversität ist, wenn sich das gesprochene Wort, Mundartlieder und Situationskomik die Hand geben, um das Publikum aus seinen Lachreserven zu locken. Und schliesslich auch findet sich Diversität in den verschiedenen Themen wieder, die die Sprachkünstler teilweise in horrendem Tempo streifen: Handelt es sich um Verspätungen bei den SBB, Sterilisierung von Männern, den Naseböög oder schlicht um das bescheidene Wörtchen «so».

Die zwölfte Mundartnacht hat einiges an Originalität und grossen Namen der Schweizer Kabarettisten- und Poetry-Slam-Szene zu bieten. Einzig: Als die Männerrunde zum Schluss unter tosendem Applaus auf der Bühne euphorisiert zu hüpfen beginnt, wird klar - keine einzige Frau hat es auf das Programm von «gägäWärt» geschafft. Wieso das in diesem Jahr so ist, bleibt ein Geheimnis der Veranstalter.

Dafür aber treten gestandene Namen wie Walter Däpp auf. Des Berner Komikers Stimme ist bestens bekannt aus dem Schweizer Radio, ebenso seine Kurzgeschichten aus der Sendung «Morgengeschichten». In unaufgeregtem Ton, aber mit Schalk hinter beiden Ohren, erklärt er etwa, weshalb er mit seinem markanten weissen Schnauz eigentlich schon immer Trendsetter war. Und wie die Mode, die Politik oder die Wirtschaft immer wieder Trends totreden, um die neu gewonnene Bescheidenheit und Genügsamkeit halbherzig vorzuleben.

Reden kann auch Bänz Friedli. Und wie. Der Exil-Berner, der in Zürich ein Zuhause gefunden hat, liebt es, vor Publikum zu stehen - besonders, wie er sagt, im Kofmehl. Wenn der Autor und Kabarettist spricht, dann lacht das Publikum im Sekundentakt. Und sei es nur, wenn er sein Mundart-Lieblingswort «Bigger» ausführlich erklärt. Bänz Friedli nimmt die verschiedenen Schweizer Dialekte gehörig aufs Korn, gerade auch seinen eigenen, das verniedlichende Berndeutsch. Aus Shoppen und Ficken wird so plötzlich Kömmerle und Schätzälä.

Einer, dem es nur schon des Dialektes wegen wert ist, zuzuhören, ist Flurin Caviezel. Aber nicht nur. Er, der in seiner Rolle sich selber spielt und wahre oder halbwahre Geschichten aus seinem Engadiner Leben erzählt, tritt aus dem kleinkarierten Alltag und prangert mit erhobenem Zeigefinger die Gesellschaft an. Dies aber, und vielleicht liegt es wirklich am sympathischen Bündner-Dialekt, auf eine liebenswerte Art. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass Caviezel ein echter Rätoromane ist und im Unterland die Popularität eines solchen geniesst.

Wie lustig Situationskomik ist, zeigt Raphael Kaufmann. 2011 wurde der Thurgauer U20-Schweizer-Meister im Poetry Slam. Kaum macht er den Mund auf, schon johlt der Saal. Natürlich stellt Kaufmann seinen Dialekt völlig überspitzt zur Schau, was ihm aber wirklich niemand übel nimmt. Stattessen zerpflückt er Jean Ziegler und dessen verklausulierte Aussagen und beweist, dass er neben dem markanten Thurgauischen durchaus noch andere Dialekte beherrscht.

Mit «Einzig, dr Andr und Diisä» präsentiert sich auch ein junges Musikertrio aus dem Urnerland an der Mundartnacht, das die Resozialisierung eines Hooligans schildert - indem Wut und Aggressionen in ein Liebeslied umfunktioniert werden. Schliesslich wartet neben dem lokalen Moderatoren-Duo Interrobang und dem Basler Slammer Dominik Muheim eine geballte Ladung Berndeutsch mit viel bissigem und schwarzem Humor. Während der Liedermacher Stefan Heimoz mit seiner Gitarre witzig-ironische Lieder vorträgt, nehmen Christoph Simon und Hans Jürg Zingg kein Blatt vor den Mund und reden sich in Rage über die zukünftige Ex-Freundin oder über den Kampf um Sitzplätze. Was für die Erzähler teilweise wie eine Tortur erscheint, ist in Wahrheit Sprachkunst in ihrer höchsten Form.