Märet

Mittwoch-Märet hat an Bedeutung gewonnen – am Samstag wird ein «Ballenberg» befürchtet

Der Mittwoch-Märet in der Solothurner Altstadt ist in den letzten Jahren gewachsen. Mehr Stände locken auch mehr Publikum an. Es gibt auch zunehmend Leute, die ausweichen, weil ihnen in der schönen Jahreszeit das Gedränge am Samstag zuviel wird.

Mittwochmorgen. Zäher Hochnebel liegt über dem Flachland. Doch die Solothurner sind sich den Nebel gewöhnt und lassen sich nicht von ihren Gewohnheiten abbringen. Die Stadt ist belebt, der Märet läuft auf Hochtouren, obwohl es im Vergleich zum Sommer schon etliche Lücken zwischen den einzelnen Ständen hat. Fast vollzählig dabei sind immer noch die Gemüsebauern, deren Stände voll beladen mit Gemüse und Früchten sind. Ein Zeichen, dass die Ernte reichlich ausgefallen ist.

Im Gegensatz zum Samstags-Märet gibt es kein Gedränge. Irgendwie ist man unter sich. Da und dort taucht ein bekanntes Gesicht auf, und es reicht für einen kurzen Schwatz. «Viele bevorzugen den Märet am Mittwoch, weil es am Samstag immer eng ist», weiss Marie-Thérèse Roschi aus dem freiburgischen Courtepin von ihren Stammkunden, die auch heute vor ihrem Käsestand eine kleine Schlange bilden.

Am Samstag schon um 8 Uhr in der Stadt

Touristen sind am Mittwoch auf dem Märet selten anzutreffen. «In der Wochenmitte kommen die Leute zum Einkaufen, was am Samstag nicht immer der Fall ist», sagt der Fischverkäufer Thomas Hebeisen aus dem Jura und warnt: «Man muss aufpassen, dass der Solothurner Märet nicht zum Ballenberg verkommt.»

Die Umfrage lässt rasch erkennen: Der Mittwoch-Märet hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, und man kann sich, wie Rosemarie Ochsenbein aus Solothurn feststellt, auch ein bisschen mehr Zeit nehmen. Allerdings: «Am Mittwoch gehe ich nur auf den Märet, wenn ich etwas brauche. Den Grosseinkauf mache ich am Samstag, aber dann bin ich in der Regel bereits um 8 Uhr in der Stadt und bald auch schon wieder zu Hause.»
Eine Zunahme an Kundinen und Kunden stellt am Mittwoch auch Daniel Frey von der Kloster-Metzgerei Haas in St. Urban fest. «Vor vier Jahren gab es noch weniger Stände als heute. Der Zuwachs führte inzwischen auch zu einer grösseren Vielfalt.»

Immer mehr junge Leute auf dem Markt

Ob Samstag oder Mittwoch, für Denise und Martin Reinhart aus Rüttenen stimmt die Kasse an beiden Tagen – auch dank vielen Stammkunden. Erfreulich ist: Zu jenen, die den Solothurner Märet schätzen, gehören laut Denise Reinhart immer mehr junge Leute, die umweltbewusst denken und auf die Herkunft der Lebensmittel achten.

Wie andere Standbetreiber ist Sonja Wölfli von der Bäckerei Dubach in Selzach, überzeugt, dass der Märet-Besuch am Mittwoch stark vom Wetter und den Schulferien abhängig ist. «Wenn es strub ist, bleiben die Leute zuhause.» Diese bestünden, wie Jasmin Streit von «Weber Früchte» aus dem Seeland feststellt, am Mittwoch vor allem aus vielen Müttern mit Kindern und älteren Leute, die, wie Regina Hohl aus Attiswil ergänzt, gerne auf den Märet gehen, weil sie dort auch kleinere Mengen einkaufen können.

«Kaufe alles frisch vom Märet»

Auch Ruth Jenni von der Gärtnerei Krebs in Kriegstetten macht auf etwas aufmerksam, das an mehreren Ständen zu hören ist: «Viele unserer Kunden kommen am Samstag und am Mittwoch bei uns einkaufen.» Das Blumen- und Pflanzensortiment hat sich im Gegensatz zum Sommer stark reduziert, doch die Blumenverkäuferin weiss: «Nächsten Mittwoch werden wir viel zu tun haben, weil am Freitag Allerheiligen ist.»

Stadtführerin Maya von Gunten, die inmitten der Altstadt wohnt, ist für einmal nicht unterwegs, um Touristengruppen durch die verwinkelten Gassen zu führen, sondern um ihre Einkaufstasche zu füllen. «Ich kaufe alles frisch vom Märet und brauche deshalb keinen eigenen Garten und auch keinen Keller, um die Kartoffeln zu lagern.»
So wie ihr geht es wahrscheinlich vielen, denen der Solothurner Märet ans Herz gewachsen ist.

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