Über Kunst zu reden, ist für die einen höchste Seinserfüllung, für andere ein Kopfsprung ins Fettnäpfchen. Dass die Wahrheit über die Kunst - und vor allem über deren Schöpfer – irgendwo dazwischen liegt, kundschaften in ihrem neusten Werk «Schaffensschmerz» die Schauspieler Jens Wachholz und Hanspeter Bader unter Regie von Pedro Haldemann aus. Seit 15 Jahren arbeitet das Trio in der Formation «Theater im Uferbau» (TUB) zusammen. Ebenso mit von der Partie in der aktuellen Produktion ist Irène Roth für die Ausstattung, Kurt Andreatta fürs Licht und Heidi Gruber für die Kostüme.

Glück und Leid des Künstlers

«Diesmal nehmen wir den Kunstbetrieb und seine Mechanismen genauer in Augenschein, zeigen den Schaffensschmerz – ebenso wie das empfundene Glück des Künstlers», kündigt Bader an. Das Stück soll in heiterer Art illustrieren, wie ebenselbiger Künstler daran verzweifelt, etwas zu schaffen, das ihm dann nicht gelingt. Und falls es ihm gelingt, dann nicht gewürdigt wird. Und – falls es gewürdigt wird, ihn aus grosser Flughöhe wieder auf den harten Boden der Tatsachen zurückholt.

Eine oder zwei Künstlerseelen

«Das Stück bringt einem das Psychogramm eines Künstlers näher», ergänzt Wachholz und verweist damit auch auf den Untertitel des Stücks: «Die ultimative Introspektive der Künstlerseele.» Obwohl es eigentlich zwei Seelen sind, die in einer Künstlerbrust wohnen. Jene, die schöpferisch sein will; und jene, die sich ernähren, ergo: sich selbst verkaufen, inszenieren und vermarkten muss und dafür im äussersten Fall sogar den Teufelspakt mit inflationärer Repro-Kunst abschliesst. «Dabei zählen die bildenden Künstlerinnen und Künstler zu jener Sorte, die am wenigsten institutionalisiert sind», weiss Wachholz.

Für die beiden Schauspieler und für Pedro Haldemann wird der Theaterstoff als kreativ Tätige sowohl zur Beschäftigung mit einem vertrauten Thema, aber auch zur ungewohnten Erkundung ins Fremde, da sich der bildende Künstler doch anderen Nöten und Freuden gegenübersieht. «So hat sich der Stoff auch stückweit aus der Vorstellung heraus entwickelt», erläutert Wachholz – was eine Aussensicht auf das Thema eröffnet, ohne aber den Künstler beleidigend zu verballhornen: «Vielmehr wird er einige Mechanismen aus seinem eigenen Alltag wiedererkennen.»

Der Künstler und seine Muse

Aufgebaut ist das Stück als klassisches griechisches Drama in fünf Akten – «obwohl es unter anderthalb Stunden Laufzeit bleibt», ergänzt Wachholz schmunzelnd. Der Handlungsbogen führt dabei vom Schaffensprozess über die Vermarktung, bis zur Wahrnehmung und Würdigung des Kunstobjekts und seiner Performance– und wird letztlich durch eine Wendung besonderer Art überspannt.

Mit den beiden Protagonisten R. Schaffer (alias Bader) und R. Zeuger (alias Wachholz) treten im Stück ein erfolgsverwöhnter Künstler und sein Modell, seine Muse in Erscheinung. Abwechselnd übernehmen Bader und Wachholz darüber hinaus die Rolle des Chors – als vom griechischen Drama adaptiertes Ein-Mann-Konzentrat, das die Szenen dokumentarisch kommentiert.

Erstmals wird das Stück nicht im «Uferbau» durchgeführt, wo es dem Trio-Namen nach hingehören würde. Diesmal sei man mit Peter Lukas Meier von der Rothus-Halle in Kontakt gekommen und konnte so den besonderen Raum für eine mehrschichtige Inszenierung nutzen, wie Bader erläutert. «Wir spielen unten wie oben, und auch auf der Treppe.»

Fokus auf die Sprache

Sprache nimmt in «Schaffensschmerz» im Vergleich zum szenischen Anteil eine dominante Position ein, wie Haldemann seinerseits erklärt: «Das Stück zeugt von ausserordentlichem Sprachwitz, zum Teil sogar in Reimen.» Seit September arbeitet das Trio an der Verdichtung der Ideen und der Ausarbeitung. «Die Grundidee stand bereits sehr früh», erinnert sich Haldemann. So war die Konzeption Ende Oktober bereits im Trockenen und seit Mitte Februar wurde intensiv geprobt, angepasst, feingeschliffen. Der Lotteriefonds steuert 40 000 Franken am Projekt bei.

«Der Arbeitsprozess macht riesig Spass», so Haldemann. Auch nach 15 Jahren lässt sich das verschworene Trio keine Ermüdungserscheinungen anmerken. «Es gibt auch keine, im Gegenteil: Es läuft fantastisch. Wir werden jedes Jahr verspielter.»

Premiere Do, 28. März, 20 Uhr, Rothus-Halle. Weitere Daten: 29./30. März, 4.–6. April, 11.–13. April, jeweils 20 Uhr. Abendkasse: 19 Uhr. Reservation: 078 694 73 41.