«Ist Kunst eine Baustelle?» fragt die Ausstellung der Visarte-Mitglieder im Künstlerhaus S11 provokativ. Die von Ueli Studer in einem Dreier-Team zusammengestellte Schau mit 88 Werken von 30 Künstlern geht dieser Frage nach. So nimmt beispielsweise die Arbeit von Visarte-Präsident Claude Barbey den Ausstellungstitel sehr wörtlich, indem er den Rückbau eines Strassenzuges auf einem Leporella darstellt. Auch Norbert Eggenschwilers «Saco», ein Marmorblock in Form eines Gipssacks. Sonya Friedrich baut filigrane Himmelsleitern und Rudolf Butz zeigt ganz neue Gebäudekonstruktionen, die an den Turmbau von Babel erinnern.

Für die Kulturpolitik da

So ist diese Ausstellung in ihrem Positionen sehr vielfältig und zeigt damit auch die ganze Bandbreite der Kunstschaffenden, die sich im Berufsverband Visarte, Sektion Solothurn zusammengefunden haben. «Es ist aber eigentlich nicht primäre Aufgabe der Visarte, Ausstellungen zu organisieren», erklärt Präsident Claude Barbey. «Wir sind dafür da, die kulturpolitischen Aspekte des Künstlerlebens zu vertreten; bei Urheberrechtsfragen zu helfen oder Merkblätter zur Verfügung zu stellen.» Vom Künstlerhaus S11 sei man eingeladen worden, sich wieder einmal zu präsentieren, schliesslich sei dieses Haus auch der Treffpunkt der Solothurner Visarte-Sektion.

Zuversicht herrscht

Nach einigen schwierigen Jahren gehe es jetzt mit dem Berufsverband wieder aufwärts, sagt Barbey, und der vormalige Präsident Ueli Studer bestätigt das. «Wir zählen heute insgesamt 76 Mitglieder und konnten gerade erst 4 neue aufnehmen. Das stimmt uns zuversichtlich.»

Man wolle sich wieder vermehrt im Kanton Solothurn kulturpolitisch einbringen, sagen die beiden. «Denn das Leben als freischaffender Künstler ist zunehmend schwieriger geworden». Sie erwähnen das Galeriensterben oder der raue Wind bei politischen Entscheidungsträgern, welcher den Künstlern entgegenweht. «Zudem finden wir es wichtig, dass unsere Positionen und Anliegen beim jetzt diskutierten neuen Kulturleitbild des Kantons angehört werden.» Konkret stelle man die Forderung auf, das elektronische Künstlerverzeichnis auf der Seite «so-kultur» wieder weiterzuführen und zu ergänzen. «Dieses wichtige Nachschlageinstrument wurde einfach unterbrochen, was gar nicht geht.»

Kritik am Kanton

Nach wie vor finden es die Visarte-Vertreter stossend, dass bei der Ausschreibung um die Kunst am Bau im Bürgerspital Solothurn nur gerade einer von zehn eingeladenen Künstlern aus dem eigenen Kanton stammte. «Unsere Stimme wird einfach viel zu wenig wahrgenommen. Schliesslich sind wir Visarte-Vertreter auch Fachleute, die zu einer solchen Ausschreibung etwas zu sagen hätten», sagt Barbey.

Die beiden Kunstschaffenden finden es nicht richtig, dass alleine das Kantonale Kuratorium, Fachkommission Bildende Kunst, zu solchen Anliegen befragt wird. «Im Kanton Solothurn verfügen wir eben auch über keine Fachhochschule für Kunst, wo allenfalls weitere Experten angehört werden könnten. Gerade deshalb sollte der Berufsverbandes Visarte mehr Gewicht bekommen.»

Ausstellung bis 14. April im Künstlerhaus S11 an der Schmiedengasse 11.