Im Fall des türkisch-kurdischen Messerstechers, der in einer Härkinger Pizzeria angeblich wegen Provokationen in Panik auf zwei Türken eingestochen hatte, bestätigte das Obergericht das Urteil der Vorinstanz: Karwen P.* muss für 7½ Jahre hinter Gitter.

Obergerichtsreferent Hans-Peter Marti erklärte, man habe sich vor allem auf die objektiven Beweismittel abgestützt, auf das Überwachungsvideo, auf dem ein Grossteil des Tatgeschehens zu sehen ist und auf die den beiden Opfern zugefügten Verletzungen. Karwen hätte genug Platz gehabt, um im Restaurant ungehindert am angeblich provozierenden Tänzer vorbeizugehen und wie angeblich geplant, das Lokal zu verlassen. Der tanzende Geschädigte habe nicht wie ein Angreifer gewirkt, sondern im Gegenteil ruhig, er habe sich nach Ansprechen zurückgezogen. Das Opfer habe sich nicht wehren können. Karwen habe ihn verfolgt, nicht umgekehrt.

«Erhebliche kriminelle Energie»

Das Gericht könne keine absichtlichen Provokationen sehen, auch wenn der Kurde sich von den auffälligen Bewegungen des Tänzers hätte provoziert gefühlt haben können. Da sich die beteiligten Personen angeblich nicht vorher schon gekannt hätten, habe auch vorgängig keine Provokation mit dem Essbesteck stattfinden können. Dass es ein Gerangel gegeben hätte, könne zwar sein, räumen die Richter ein, es wäre aber nur sehr kurz gewesen.

Karwen habe mit dem Klappmesser «wuchtig» zugestossen, wobei er den Tod des Opfers nicht beabsichtigt, aber in Kauf genommen habe, kam das Obergericht zum Schluss. Ohne ärztliche Behandlung wäre der Mann innerlich verblutet. Der Stich in den Rücken sei somit eine versuchte eventualvorsätzliche Tötung. Die Stiche in die Oberschenkel gelten als einfache Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand, denn ein Laie wisse nicht, dass dabei fast die Arterie getroffen worden sei. «Aus Ehrverletzung heraus so zu handeln, ist in höchstem Mass unverhältnismässig und zeugt von erheblicher krimineller Energie.» (omb)