Solothurn hat mehr zu bieten, als im Alltag wahrgenommen wird. Wer immer wieder moniert, in der Stadt sei ja sowieso nichts los, wurde am Samstag zum fünften Mal eines besseren belehrt.

Museen und Kulturinstitutionen aller Art hatten ihre Türen weit offen und boten den Besuchern eine eindrückliche Fülle an Leckerbissen. Selbst Orte, zu denen man sonst keinen Zugang hat, hiessen die Interessierten willkommen und zeigten, wie viele Perlen es im Verborgenen zu entdecken gibt. Es wurde musiziert, erzählt, getanzt, Theater gespielt, gelacht und applaudiert.

Kulturelle Schatzkammer

Ja, es gibt sie, die vielfältige, kulturelle Solothurner Schatzkammer, die für einmal sichtbar, hörbar, und erlebbar wurde und, ob für Jung oder Alt und für welchen Geschmack auch immer, etwas zu bieten hat. Ja, es gibt sie, die Nacht der leisen oder spektakulären Momente, in der alles ein bisschen anders ist, eine Erlebnistour zum Highlight wird und Begegnungen die Menschen einander näherbringen.

Auch die Kinder kamen auf die Rechnung und nahmen in Begleitung ihrer Eltern den Nachmittag für sich in Anspruch, während sich zahlreiche Stadt-bummler an der Frühlingssonne erwärmten. Vom Erfolg überwältigt wurde das Museumsteam im Naturmuseum. Während einer knappen Stunde begaben sich dort unzählige Kinder mit einem Maulwurf auf die Suche nach einem bösartigen Artverwandten.

Ein Tänzchen mit Peter Bichsel

Im Buchhaus Lüthy gab das Musikzentrum Solotutti ein eindrückliches kleines Livekonzert «mit Stimme, Sprache und Musik», das ganz auf die Erzählung «Ein Tisch ist ein Tisch» von Peter Bichsel abgestimmt war. Dieser genoss es sichtlich, mit den jungen Musikerinnen und Musikern ein kleines Tänzchen zu machen. Mit in Musik verwobenen Geschichten entzückte in der Zentralbibliothek Solothurn auch der Kinderbuchautor und Musiker Bruno Hächler und zog damit unzählige Familien an.

Literatur pur gab es im Künstlerhaus S11, wo die Töpfergesellschaft den bekannten Berner Dichter und Performancekünstler Jürg Halter zu Wort kommen liess. Unvergessliche Momente mit Mundartmärlis, Sketches und Improvisationstheater gab es im Theater Mausefalle. Völlig ungewohnt und spektakulär die Tanzperformance im Parkhaus Berntor.

Vor allem graue Häupter prägten das Bild im «Chutz», wo mit dem Daniel Blanc Quartett der gute alte Jazz applaudiert wurde. Als absoluter Hit entpuppte sich rasch auch der Kantonsratssaal mit seinen Führungen und zwei Slam Poeten sowie das neu eröffnete Hotel La Couronne mit Inszenierungen und Musik. Wer zu später Stunde noch nicht müde war, konnte sich unter die abgehärtetsten Nachtaktiven mischen oder die ausgelassene Abschiedsparty besuchen.

Ginger & Fred mit Stefan Heuss in der Kulturgarage Solothurn

Ginger & Fred mit Stefan Heuss in der Kulturgarage Solothurn

«Hohe Qualität des Angebotes»

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Streifzug durch Solothurns Kulturleben, der vielseitiger nicht hätte sein können. Entsprechend zufrieden ist auch das Organisationskomitee, dessen Bilanz durchwegs positiv ausfällt: Die zum fünften Mal durchgeführte Kulturnacht gehe als die bisher erfolgreichste in die Geschichte ein. «Es ist allen Veranstaltern gelungen, die grosse Vielfalt und die hohe Qualität des Kulturangebotes für ein grosses Publikum kompakt in einer Nacht erlebbar zu machen», freute sich Christoph Rölli.

«Wir können uns durchaus mit grösseren Schweizer Städten messen.» Trotz des Erfolgs wollen die Veranstalter am Zweijahres-Rhythmus festhalten. Die nächste Kulturnacht findet also im April 2019 statt.