Solothurner Filmtage

In der faszinierenden Grenzwelt zwischen Film und Game

«Kids», ein Film und Game, zu sehen im Future Lab im Künstlerhaus

«Kids», ein Film und Game, zu sehen im Future Lab im Künstlerhaus

Mit «Kids» ist im Future Lab im Künstlerhaus ein interaktives Kunstprojekt zu erleben. Der damit verbundene Kurzfilm von Michael Frei und Mario von Rickenbach ist für den Schweizer Filmpreis nominiert.

Der Mensch, das unbeschriebene Blatt, wird in die Welt geworfen – wie ein Regentropfen, lässt sich treiben oder schwimmt gegen den Strom, zieht an oder stösst ab, schubst oder wird geschubst, in jene Richtung, wo das grosse Loch ihn verschluckt. Wer sich jetzt, während der Filmtage, im Künstlerhaus auf Leinwänden und Tablets von weissen Figuren berieseln lässt, befindet sich mitten in der von Michael Frei und Mario von Rickenbach geschaffenen Welt «Kids».

Eine Welt, die als für den Schweizer Filmpreis nominierter Kurzfilm, als Computerspiel und auch als installative Ausstellung zu erleben ist. Der Filmemacher und der Game-Designer haben bereits zusammengearbeitet: Im Projekt «Plug & Play» nahmen sie die binäre Beziehung zweier Gegenstücke –Mann und Frau – in den Fokus, zunächst als Kurzfilm, dann in einer Weiterentwicklung als Game-App. «So stand bald eine weitere Kollaboration zur Diskussion», erinnert sich Frei.

Für den 1987 geborenen Filmschaffenden stellte sich die Frage der persönlichen Auseinandersetzung mit dem «anderen» Medium Computerspiel und nach der Zusammenarbeit mit einem Programmierer. Die dann im rund vier Jahre dauernden Schaffensprozess für «Kids» Form annahm. «Kids» heisst das digitale Film-, Game- und Kunst-Projekt, weil im Gegensatz zur dualen Gegenüberstellung von Mann und Frau das Kind noch «unbeschrieben», gewissermassen neutral in die Welt tritt. Die Frage, wie der Mensch sich in der Menschenmenge bewegt, stand im Zentrum.

Was das Spiel vom Film unterscheidet

In ihrem Schaffensprozess haben Frei und von Rickenbach verschiedene Spielprototypen geschaffen, haben sich zur Reifung der Ideen in so genannten «Jams» mit Spielentwicklern zusammengetan. Und während die Arbeit als Filmemacher durch einen linearen, klar strukturierten Prozess geprägt ist, zeigte sich für ihn das Produzieren eines Spiels als iterativer Prozess mit wiederkehrenden Tests und vielen Abbiegungen: Funktioniert das Spiel? Ist es zugänglich?

«KIDS» im Futurelab der Solothurner Filmtage: Ein Interview mit Michael Frei

«KIDS» im Futurelab der Solothurner Filmtage: Ein Interview mit Michael Frei

Der Filmschaffende Michael Frei hat sich in einem Projekt mit der Interaktion in Filmen und Videospielen auseinandergesetzt. Das Entstanden ist «KIDS».

Doch was wollen die irrenden und strömenden, drückenden und stossenden weissen Figuren ausdrücken? «Es geht mir nicht um das Vermitteln einer Message», sagt dazu Frei. Der experimentelle Aspekt steht für ihn im Vordergrund, nämlich das «Gruppenverhalten mit Bildern einfach und klar darzustellen, um das freie Assoziieren anzuregen.» Ihn interessiert dieses grenzenlose Spielfeld, «auf dem ich mein inneres Kind ausleben kann.» Heisst auch, die Möglichkeiten diese interaktiven Grenzfläche zwischen Film und Spiel auszuloten. Eine Zone, die den Betrachter nicht vor Ja-Nein-Entscheidungen stellt. «Mich interessiert, was beim Interagieren emotional passiert, wie es sich für den Betrachter anfühlt», sagt Frei. 

Weitere Infos: www.playkids.ch

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