Solothurn

Im Normalfall wären Campingplätze und Bars ausgebucht – Betreiber haben dennoch Hoffnung

In Solothurn versuchen der Campingplatz, das «Pier 11» und der «Badmeister», sich von der Krise zu erholen. Dabei setzen sie auf den Standortfaktor und blicken den Umständen entsprechend positiv in die Zukunft.

Letztes Jahr war ein gutes Jahr für das TCS-Camping in Solothurn. Acht Prozent mehr Umsatz konnte Campingleiter Christoph Burgherr beim Camping verzeichnen und einen Rekordumsatz beim Restaurant Pier 11. Nicht zuletzt hat auch das Hafenfest zum Erfolgsjahr beigetragen. «Zum Glück aber haben wir dieses Jahr auf das Fest verzichtet», sagt er. Als ob sie geahnt hätten, dass sich eine Krise anbahnt.

Derzeit wohnen rund 80 Saisonniers auf den 50 Saisonplätzen des Campings. Sie durften am 11. Mai wieder einkehren, nachdem sie während des Lockdowns nach Hause mussten. «Weil sie alle eigene Sanitäranlagen haben, ist das Sicherheitskonzept gut umsetzbar», sagt Burgherr. Auch Mietunterkünfte wie die Bungalows, die Safarizelte und die Nostalgiewagen besitzen eigene Sanitäranlagen. Vergangene Woche erlaubte der Bund daher auch die Vermietung dieser. «Die Unterkünfte sind bereits bis im August sehr gut ausgebucht», sagt der Campingleiter. Auch an Auffahrt sei sofort ausgebucht gewesen.

Noch kein Tourismus auf dem Campingplatz

Gäste mit Wohnmobilen, Campern oder Zelten müssen jedoch weiterhin Geduld haben. «Im Normalfall wären wir derzeit völlig ausgebucht», sagt Burgherr. Mehrere hunderttausend Franken Umsatz fehlen ihm momentan. Er hofft daher auf eine Lockerung des Versammlungsverbots am 8. Juni. Das Sicherheitskonzept dafür stehe bereits: Einlasskontrolle bei der Rezeption und den Duschen, jede zweite Dusche und Toilette ist gesperrt und die Gäste werden mit Infoschreiben darüber aufgeklärt. Warum auch die Campingplätze schliessen mussten, versteht Burgherr denn auch nicht. Besitzen doch viele Campinggäste ihre eigenen Sanitäranlagen.

Ähnlich verhält es sich mit den Auflagen für das Restaurant Pier 11, das zum Camping gehört. Burgherr empfindet sie als unverhältnismässig. Nur noch die Hälfte der rund 150 Plätze können im «Pier 11» wegen des Sicherheitskonzeptes besetzt werden. «Am Tag nach der Wiedereröffnung dachte ich mir, ich schliesse gleich wieder», sagt Burgherr. Das Restaurant habe nur sechs Gäste gezählt. Danach seien es aber immer mehr geworden und am Sonntag sei das Lokal sogar ausgebucht gewesen. Ein Anstieg von 300 auf 6000 Franken Umsatz. Obwohl das bei weitem nicht dem normalen Umsatz entspreche und mehr koste als einbringe, ist Burgherr zuversichtlich. «Es läuft bei uns schon seit mehreren Jahren gut, und das stimmt uns positiv», sagt er. «Und unsere Lage ist halt doch einzigartig, das hilft uns sehr.»

Auch der «Badmeister» ist froh um Lage an der Aare

Einen einzigartigen Standort an der Aare hat auch der «Badmeister» beim Sportzentrum CIS. Die Sommerlounge hätte bereits Anfang März in die Saison starten sollen. Doch die Eröffnung fand wegen des Lockdowns erst am 16. Mai statt. «Das war eine furchtbare Zeit für uns, ich wusste wirklich nicht wie weiter», sagt Tanja Gluch. Sie ist seit September 2019 Geschäftsführerin und gemeinsam mit Chris van den Broeke Pächterin der Lounge. Die Krise beschert ihr einen schwierigen Start in die zweite Saison der Lounge.

Seit der ersten Saison hat die Geschäftsführung viel in die Bar gesteckt, wie Gluch sagt. Einerseits wurde in den Bau der Lounge, die über den Winter mit Plexiglastüren um einen geschützten Unterstand erweitert wurde, investiert. Und andererseits musste eine neue Glaceküche her, die sich letztes Jahr noch im «Gallo Nero» beim Marktplatz befand. Ebenso neu ist der Küchenchef und Chef de Bar sowie die Menükarte, die deutlich schmaler ausfällt als letztes Jahr. Und das aus Effizienzgründen. «Wir konnten dieses Jahr aus den Fehlern vom letzten lernen. Aber dieses Jahr ist wegen der Krise alles völlig anders.»

Viele der letztjährigen Gäste seien aber wieder zurückgekehrt. Wegen des Schutzkonzeptes büsst die Bar jedoch etwa einen Drittel ihrer rund 200 Sitzgelegenheiten sowie zahlreiche Stehplätze ein. Das habe nach der Eröffnung zu langen Warteschlangen geführt. «Ich habe nach weiteren Plätzchen gesucht, wo ich die Gäste sicherheitskonform unterbringen kann», sagt Gluch. «Aber ich war verzweifelt.» Sie plane nun, das überwucherte Land neben der Lounge freizumachen, um mehr Tische aufstellen zu können. Die Beach Style Gastro AG, die Verpächter des gesamten Geländes, habe ihnen die Nutzung erlaubt. Die Gäste scheinen sich nicht an den Massnahmen zu stören. «Wir sind froh, dass wir geöffnet haben und dass sich die Leute wohlfühlen hier. Das macht uns zuversichtlich für die Zukunft», sagt Gluch. Dass auch die Badi geschlossen ist, merke man kaum.

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