Honolulu

Hilari-Abend: Bis die «Banausi» mit ihrem Latein am Ende waren

Viele Pointen und somit Lachsalven brachte der Rundgang der Narrenzunft Honululu durch die Traditionslokale Stephan, Couronne, Roter Turm und Wirthen. Erstmals wurde das Publikum in Latein begrüsst - die Stadtgeschichte war ein zentrales Thema.

«Ave!» Lupenreines Latein, das hatten wir noch nie. Doch die Urbs Solodurensis feiert bekanntlich 2000 Jahre Sein, und so griff Peter Studer tief in den Latein-Schrein. «Ave Omnibus! Jublet Dir Füdlebürger!», begrüsste der Ober zur 2167. Generalversammlung der Narrenzunft Honolulu. Er empfahl den «Banausi» im Saal, sein Latein von den Lippen abzulesen und brachte «Wirthen»-Wirt Chris van den Broeke neulateinisch mit «Betty Bossi» unter die Haube. Regierungsrat Roland Heim begrüsste er als «Rollator», die Kollegin «Brigitta alba» war selbsterklärend. Und die Zunftfrauen? «Ave feminae dominae principe amore!»

Was der Herrgott am 8. Tag erschaffen hat

Ein ganz anderer Slang war bei der ersten «Perle», dem Novizen Giancarlo Rizzoli, angesagt: Nämlich «Bühündner-Ditsch». Dabei bekämen die Frauen stets ganz verträumte Augen, dächten sie doch nur noch an den «Gigi vo Arosa». Ohnehin: «Am 8. Tag hat der Herrgott den Bündner erschaffen!» Dann räumte Rizzoli gnadenlos mit Vorurteilen auf: In Graubünden habe man nie Bier «trunkä», sondern stets «Calanda gsoffe». Falsch sei auch der Spruch «vo Khur obaaabe» – «Chur liegt auf läppischen 533 Metern über Meer.» Auch dürfe man die Bündner nie «Murmeli-Figger» nennen, nein, das gehe nicht. «Sie heissen Mungge-Figger.»

Nach einem kräftigen «Viva mittanand!» überliess Rizzoli den Stuhl dem Ober, der nun mit herrlichen Bildern durch 2000 Jahre Stadtgeschichte führte. So hätten 1375 die Gugler alles verwüstet – «in Grenchen haben sie festgestellt, dass sie schon mal dagewesen sind.» Und als 1548 der Blitz in den Pulverturm eingeschlagen sei, «da hat der Chef der Gebäudeversicherung einen Bonus bekommen.»

Ein gender-belastetes Narrenschicksal

Der zweite Novize, Andrea Branger, besang vorerst sein schwieriges Vorleben – war er doch in Grenchen zur Welt gekommen. Und seine fortschrittlichen Eltern hätten ihn gender-gerecht «Andrea» genannt, worauf er als Frau Branger zum Militärdienst aufgeboten worden sei. Er beherzigte den Ratschlag seines Vaters, «singe nur, wenn Du es gut kannst», und steigerte sich klar gegenüber dem Einstiegssong. Apropos Vater: Thomas Branger gehört seit 1999 der Zunft an, und erstmals in ihrer Geschichte tragen Vater und Sohn gleichzeitig den grünen Mantel. Der 33-jährige Filius blickte noch kurz auf seine Fussball-Karriere zurück: «Wenn man alle meine Spielsperren abzieht, bin ich erst 19!»

Ein wahrlich roter Faden

«Sorry Pirmin Bischof!» entschuldigte sich die dritte «Perle», Fabian Schäfer, für seinen vorjährigen, vernichtenden Rundumschlag gegen Bischof, der angesichts der glanzvollen Wiederwahl des Ständerats unangemessen gewesen sei. Die Zunftkollegen hätten ihm geraten, ein anderes Thema zu wählen, es müsse einfach einen roten Faden haben. «Aha!», so der NZZ-Redaktor, «da bin ich auf Philipp Hadorn gekommen. Der ist rot und sehr fad!», sorgte er für einen ersten Brüller. Er habe sogar zweimal Franziska Roth gewählt, um Hadorn wegzubekommen, «obwohl ich die gar nicht wollte», schlug Schäfer ein neues Wahlsystem vor: Minusstimmen. Die mit den meisten wären nicht gewählt, «und eigentlich würde sich gar nicht viel ändern.» Panik ortete er bei der FDP in Sachen Fluri-Nachfolge – es bleibe wohl nur noch eines: «Last united personal identification» – oder kurz «Lupi».

Wenn man der Hydra den Kopf abschlägt

Eine trockene, weil apéro-arme Expedition zu Berner «Fasnächtlern» im fernen «Mutzedonien» brachte Ober Studer in Versform mit Intermezzi der Hilari-Musig auf den Punkt: «Und ihres Gschänk, paar Fläsche Wy, sy bis Schalune gsoffe gsy.»

Für ein Finale furioso sorgte Marco Lupi, der aus seiner Erfahrung als Kantons- und Gemeinderat schöpfte. Er titulierte den Autor dieser Zeilen als «31. Gemeinderat», der von Lupi ungebührend verabschiedet wurde. Zur Verhinderung der Bipperlisi-Doppelspur «habe ich einen Plan!» Er werde im Kantonsrat auf die Tränendrüsen drücken, wie sehr die Stadt den Gleis-Ausbau trotz ihrer Zentrumslasten wolle – «dann wird er dank dem Anti-Kantonshauptstadt-Reflex hochkant verworfen.» Pikant: Den Regierungsrat verglich Lupi mit der fünfköpfigen Hydra, «und wer getraut sich schon der Susanne Schaffner den Kopf abzuschlagen, wenn zwei nachwachsen?»

Der Schlussvers des Obers, eine gregorianische Song-Fürbitte an St. Hilarius, beschloss einen höchst vergnüglichen Fasnachts-Auftaktabend.

Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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